Login
Pflanzenbautagung

Düngeverordnung: Handlungsspielraum wird immer enger

© Mühlhausen/landpixel
Werner Raupert, LAND & Forst ,
am
21.01.2016

Der Entwurf der neuen Düngeverordnung ist zwar erst kürzlich zur Prüfung nach Brüssel versendet worden. Die meisten Eckpunkte stehen aber schon fest. Wichtige Hinweise zu den Änderungen gibt es in der LAND & Forst Ausgabe 3.

Die neuen Rahmenbedingungen laut Entwurf der Düngeverordnung sollen den Einsatz von Düngemitteln effizienter und umweltverträglicher gestalten. Was im Detail zu erwarten ist, stellte der Düngeexperte der LWK Niedersachsen, Tim Eiler, auf der Pflanzenbautagung in Uelzen vor. Betroffen von den Änderungen ist  vor allem der Einsatz von organischen Düngemitteln wie Gülle, Mist und Gärresten. Sie fallen vor allem in den Veredlungshochburgen  im westlichen Niedersachsen in so hohen Mengen an, dass sie nicht mehr allein auf den Flächen vor Ort ausgebracht werden können. Ziel muss es also sein, die überschüssigen Mengen in unterversorgten Ackerbauregionen unterzubringen, wo sie direkt Mineraldünger ersetzen können.

Düngeverordnung zum Schutz der Gewässer

Eiler stellte klar, dass die Düngeverordnung zur Umsetzung der Nitratrichtlinie, also zum Schutz der Gewässer, dient. Vor diesem Hintergrund sind die folgenden Regelungen leichter einzuordnen. Ein essentieller Punkt des aktuellen Entwurfs ist laut Eiler, dass der Landwirt in Deutschland das Recht behalten wird, seine Pflanzen bedarfsgerecht zu ernähren. Das heißt, es wird ein Gleichgewicht zwischen Nährstoffbedarf und Nährstoffversorgung angestrebt. Klar sei aber auch, dass der Düngebedarf nicht überschritten werden darf. Davon könne nur abgewichen werden, wenn ein begründeter höherer Düngebedarf z.B. infolge ungewöhnlicher Witterungsereignisse vorliegt.

Bußgeld bei nicht bedarfsgerechter Düngung

Neu ist im Entwurf, dass der Düngebedarf zukünftig für jeden Schlag oder jede Bewirtschaftungseinheit ermittelt und dokumentiert werden muss. Eine nicht bedarfsgerechte Düngung ist unbedingt zu vermeiden, zumal sie bußgeldbewehrt ist. Ferner dürfen Düngemittel nur ausgebracht werden, wenn die Gehalte von N, NH4-N und P2O5 bekannt sind. Weiter müsse beachtet werden, dass bei Gehalten  oberhalb von 20 mg P2O5 /100 g Boden höchstens eine P-Düngung bis zur Höhe der voraussichtlichen P-Abfuhr erfolgen darf.

N-Sollwerte beachten

Zur Ermittlung des Stickstoffbedarfs wird es bundeseinheitliche N-Sollwerte für alle Kulturen und Grünland geben. Die Bedarfswerte sind ertragsabhängig. Sie orientieren sich an Standarderträgen wie z.B. 80 dt/ha bei Winterweizen, 70 dt/ha bei Winterroggen, Wintergerste und Wintertriticale sowie 650 dt /ha bei Zuckerrüben. Bei Sommergerste werden 50 dt/ha, bei Körnermais 90 dt/ha, bei Silomais 450 dt/ha und bei der Kartoffel 400 dt/ha als Ertragsniveau zugrunde gelegt.

N-Bedarfswert vorgegeben

Für Winterraps mit 40 dt/ha Ertrag wird z.B. ein N-Bedarfswert von 200 kg/ha N und für A- bzw. B-Weizen von 230 kg/ha N vorgegeben. Davon dürfe nur abgewichen werden, wenn nachweislich mehr geerntet wird. Hierbei seien Dreijahresdaten heranzuziehen. Dadurch könnten bei +10 dt/ha Mehrertrag (90 dt/ha Ertragsniveau) 10 kg N mehr zu Getreide gedüngt werden. Wenn dagegen nur 70 dt/ha geerntet werden, müssen 15 kg N/ha abgezogen werden. Bei Zuckerüben seien bei 750 dt/ha ebenso 10 kg N/ha mehr möglich. Der Gesamtzuschlag ist laut Eiler aber insgesamt auf + 40 kg N/ha begrenzt. Das gilt auch für Betriebe, die Weizenerträge über 120 dt/ha haben. Dennoch werde es seiner Einschätzung nach bei dieser Regelung nicht zu großen Verwerfungen in der Produktion kommen.

Bei P-Düngung Kontrollwerte einhalten

Bei der Ermittlung des P-Bedarfs bleibt vieles wie bisher. Neu sei aber die Festsetzung eines Kontrollwertes. So dürfen maximal 20 kg P2O5/ha Überschuss im Durchschnitt der letzten Jahre sechs Düngejahre auftreten. Ab 2018 dürfe der P-Saldo im Mittel des Betriebes nur noch 10 kg/ha P2O5 betragen. Anmerkung: Die Kontrollwerte sind unabhängig von den Bodengehalten einzuhalten. Eine Aufdüngung von z.B. Pachtflächen wird somit problematisch.

Mehr zum Thema und welche ungenutzten Möglichkeiten es noch gibt lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 03/2016 ab Seite 23. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Auch interessant