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Düngung

Düngeverordnung wird verschärft

von , am
05.09.2013

Kreislaufwirtschaft und effizienter Einsatz organischer Dünger - das waren die Themen einer Fachtagung vom Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN). Wichtige Ergebnisse haben wir für Sie zusammengefasst.

Bei der Maschinenvorführung konnten rund 120 Besucher auch dieses Geschütz des Lohnunternehmers Heinrich Aue aus Harsum begutachten. Vorn der Selbstfahrer Terra Variant 600 mit Acker- injektor und dem 30 m3 Zunhammer Fass. Die Gülle wird von dem 6,20 m breiten Köckerling- Grubber eingearbeitet. Das Fahrzeug kann bodenschonend im Hundegang eingesetzt werden. © Raupert
Das Problem ist bekannt: In den Veredlungshochburgen im Weser-Ems-Gebiet fallen organische Dünger in so großen Mengen an, dass sie zur Vermeidung von Überdüngung nicht mehr vor Ort ausgebracht werden dürfen. Die Betriebe in den klassischen Ackerbauregionen könnten normalerweise dankbare Abnehmer sein, wenn da nicht die hohen Transportkosten wären. Das Netzwerk Ackerbau Niedersachsen (NAN) hat sich gleich auf seiner ersten großen Veranstaltung ein politisch heiß diskutiertes Thema herausgepickt. Auf der Fachtagung mit Maschinenvorführung ging es am Mittwoch vergangener Woche in  Sehnde-Rethmar um die verschiedenen Facetten der Kreislaufwirtschaft und um den effizienten Einsatz organischer Dünger in Ackerbaubetrieben.

Der NAN-Vorsitzende, Ulrich Löhr, kritisierte, dass der noch frische Herbstdüngungserlass des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums zu einem Zeitpunkt in Kraft getreten ist, als die Läger auf den Viehbetrieben voll waren. "Die Regelungen scheinen mit heißer Nadel gestrickt worden zu sein", mutmaßte Löhr, dem eine Verschiebung auf die Wintermonate lieber gewesen wäre. Außerdem bemängelte er, dass in dem Erlass nicht die Bodengüte mit berücksichtigt worden sei, da das Nährstoffhaltevermögen der schweren Böden höher sei als das von "Karnickelsand".

Zu aktuellen fachlichen Regelungen nahm in Rethmar Dr. Volker Garbe vom Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium, Stellung. Er stellte klar, dass sich die Bauern auf Veränderungen einstellen müssen: "Die neue Regierung will Veränderungen in der Landwirtschaft, die nicht nur die Tierhaltung und den Tierschutz, sondern auch die Düngung betreffen". Dieser Bereich stehe besonders im Fokus, weil sich von den 120 niedersächsischen Grundwasserkörpern etwa 80 hinsichtlich des Nitratgehaltes in einem eher schlechten Zustand befänden. Dort werde der Grenzwert von 50 mg Nitrat je Liter überschritten. Die EU habe auch deshalb ein Auge auf Niedersachsen geworfen, weil viele Messstellen einen starken Anstieg der Nitratwerte aufweisen. Als Verursacher dieser Missstände hat man in Niedersachsen die Überdüngung in der Landwirtschaft ausgemacht. Regional betrachtet konzentrieren sich die N-Überschüsse nahezu vollständig auf das Weser-Ems-Gebiet.

Der Druck wächst

Dies seien wesentliche Gründe für die Neufassung der Düngeverordnung (DVO), die sich zurzeit noch in der Abstimmungsphase befindet. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe hat laut Garbe die Grundlagen der neuen DVO erarbeitet: So soll bei der Düngebedarfsermittlung eine Dokumentation der Düngeplanung für N und P auf Ebene der Bewirtschaftungseinheiten verpflichtend werden. In der Diskussion ist z.B. ein bundesweit in Abhängigkeit des Ertragsniveaus einheitlicher Gesamtsollwert für Stickstoff. Ferner soll das Abschwemmen gedüngter Nährstoffe in Oberflächengewässer und auf benachbarte Flächen verhindert werden. Um Kontrollen zu erleichtern, soll ein Düngeverbot innerhalb eines Abstandes von 1 m zu Gewässern eingehalten werden, bei mineralischer Düngung seien Grenzstreueinrichtungen zu verwenden.

Hinsichtlich der Sperrfrist finden sich Regelungen wie im neuen Herbsterlass wieder, das heißt, dass organische und organisch-mineralische Dünger in der Regel nicht nach der Ernte der Hauptkultur auf Ackerland ausgebracht werden dürfen. Keine Ausbringung sei z.B. nach der Ernte von Mais, Kartoffeln, Raps, Zuckerrüben und Körnerleguminosen möglich. Überlegt werden auch Sperrzeiten wie in den Niederlanden von 1.9. bis 31.1. für Acker- und Grünland, Sand- und Lössböden. Bei Düngebedarf soll im Herbst nur noch Mineraldünger eingesetzt werden.

Die Sperrzeiten könnten auf regionaler Ebene statt der bisherigen Einzelgenehmigungen um zwei Wochen verschoben werden. Bei der Lagerdauer seien auch für Gärreste mehr als sechs Monate Kapazität im Gespräch, auch für Festmist soll Lagerraum vorgehalten werden. Diese Regelungen sollen auch für gewerbliche Anlagen gelten. Ohne eigene Ausbringungsflächen könnte sich die Lagerdauer sogar auf neun Monate erhöhen.
Bezüglich des Nährstoffvergleichs dürfe es keinen P-Überschuss mehr in den Versorgungsstufe D und E geben, d.h. dort ist keine P-Düngung mehr zulässig. In Stufe C seien nur bis 20 kg, in den Stufen A+B Überschüsse von bis zu 60 kg P2O5 erlaubt. Im Bereich der Ausbringungsobergrenzen könnte die Anwendung der 170 kg N-Obergrenze für alle organischen Düngemittel kommen. Gärreste pflanzlicher Herkunft sollen hier einbezogen werden. Bei Überschreitung der Salden sollen Bußgelder fällig werden.

Nach der Vorstellung dieser Vorschläge bei der EU-Kommission am 20.9.2012 müssen laut Garbe zurzeit noch Fragen der EU-Kommission durch das BMELV beantwortet werden. Der VO-Entwurf soll jetzt bis Ende Oktober vorgestellt werden. Seinen Angaben nach  drängt die EU-Kommission derzeit darauf, einige Vorschläge deutlich zu verschärfen. So sollen u.a. die Sperrfristen verlängert werden und zwar für Flüssigmist und Mineraldünger um +- einen Monat. In der kontinentalen, pannonischen Zone, die 64 % der EU-Fläche einnimmt, wird sogar eine Sperrfrist vom 1.8 bis 1.2. gefordert. Die Lagerdauer für organische Dünger soll über sechs Monate hinausgehen,  und für Gewerbebetriebe generell neun Monate betragen.

Ferner will die Kommission die Bilanzüberschüsse von 60 auf 40 kg N/ha senken und die Düngung auf Hangflächen verschärfen. Gefrorene Böden sollten, auch wenn sie tagsüber auftauen, nicht mehr gedüngt werden. Auch der Abstand bei Flächen mit Hangneigung soll auf 10 m verschärft werden.

Gehalte schwanken

Über pflanzenbauliche Aspekte beim Einsatz organischer Düngemittel berichtete Lüder Cordes von der Bezirksstelle Nienburg der LWK Niedersachsen. Er zeigte auf, dass organische Düngemittel hohe Gehaltsspannen der Hauptnährstoffe aufweisen. In Rindergülle finden sich z.B. N-Gehalte von 2,3 bis 11,8 kg/m3. Das bedeute für den Landwirt, die Düngung nicht an Faustzahlen, sondern besser nur an den eigenen Untersuchungsergebnissen auszurichten. Das gelte im Prinzip auch für Gärreste, wobei es hier ein besonderes Problem sei, homogene Proben zu ziehen.

Bei Stickstoff aus organischen Düngern komme es darauf an, Nitratverlagerungen und Ammoniakverluste zu begrenzen. Das Ziel laute, hohe Rest Nmin-Werte zu vermeiden. Das gelinge nur, wenn die Güllegaben dem Bedarf der Kulturen angepasst werden. Außerdem sollten Wirtschaftsdünger möglichst früh zu Vegetationsbeginn eingesetzt werden. Im Herbst sollten durch eine geringe Bodenbearbeitung die Mineralisierung begrenzt oder auch Zwischenfrüchte angebaut werden.

Unverzüglich einarbeiten

Weiterhin sei es kontraproduktiv, Gülle bei hohen Temperaturen oder intensiver Sonneneinstrahlung auszubringen. Über die Pflicht der unverzüglichen Einarbeitung innerhalb von vier Stunden müsse man nicht diskutieren. NH3-Emissionen ließen sich auch mithilfe moderner Ausbringungstechnik senken. Stand der Technik sei die Schleppschlauchverteilung, wodurch die NH3-Emissionen bereits um 24 % im Vergleich zum Prallteller gesenkt werden können. Werden dagegen Güllegrubber eingesetzt, können die Verluste bereits um 83 % abgesenkt werden. Dies wurde auch auf der Maschinenvorführung demonstriert.

Fakt ist laut Cordes, dass organische Düngemittel eine wertvolle Ergänzung in der Pflanzenernährung darstellen. Unter Beachtung der dargestellten Hinweise sei ein umweltverträglicher und wirtschaftlicher Einsatz organischer Dünger im Ackerbau möglich.
In der Praxis erweist sich die regionale Umverteilung der Gülle jedoch als großes Problem. Bei konzentrierten Geflügelmisten rechnet sich das Ganze besser als bei Güllen, wo hauptsächlich Wasser transportiert wird. Auch die Separierung ist mit Zusatzkosten verbunden und über größere Distanzen oft nicht  rentabel. Das zeigten auch die Wirtschaftlichkeitsberechnungen des Kammerexperten Dr. Mathias Schindler zum Einsatz der organischen Dünger in Ackerbauregionen. Er rechnete vor, dass sich bei einem Nährstoffwert des Strohs von etwa 111 €/ha oder 22,19 €/t ein angemessener Preis für Stroh von 120 bis 235 €/ha ab Feld ergibt.

Den Nährstoffwert (Mineraldüngerwert) von Rindergüllen bezifferte er auf etwa 10,00 €/m3, den von Schweinegüllen auf 8,50 €/m3 und den von Biogasgülle auf 9,15 €/m3. Hier steche nur Geflügelgülle mit einem Mineraldüngerwert von 18,43 €/m3 positiv heraus. Diesen Werten stehen aber Kosten gegenüber. So fallen z.B. allein für die Gülleausbringung in Abhängigkeit des Anfahrtsweges, der Schlaggröße, der Auslastung und der Größe des Ausbringungsfahrzeuges bei Ausbringmengen von 24 m3/ha Kosten von 3,10 bis über 10,00 €/m3 an.

Schindler zog hier das Zwischenfazit, dass sich bei kurzen Entfernungen, kleinen Schlägen und geringen Güllemengen kleine Fässer rechnen, bei weiten Entfernungen, großen Schlägen und hohen Mengen dagegen nur LKW. Zum Teil mache es auch Sinn, Zwischenlager zu bauen.

Den Investitionsbedarf für Güllelager bezifferte Schindler auf 55 bis 65 €/m3. Das entspreche inklusive AfA, Zinsen und Versicherung jährlichen Kosten von 3,52 bis 4,15 €/m3. Addiere man hierzu die mittleren Ausbringungskosten von 5 bis 6 €/m3 sei theoretisch der Vorteil der Nährstoffwerte der Güllen von etwa 10 €/m3 bereits aufgezehrt. Wirtschaftlich sei das Ganze deshalb nur, wenn die Preise für Rinder- und Schweinegülle angemessen seien. Zahlbar sind nach seinen Berechnungen rund 5 bis 6 €/m3, wenn frei Wurzel geliefert wird, 2 bis 3 €/m3, wenn abgeholt und selbst ausgebracht wird oder -1 bis 1 €/m3, wenn eine eigene Zwischenlagerung notwendig sei.

Entsprechend könnten für Rinder-, Schweine- und Pferdemist 6 bis 9 €/t gezahlt werden, wenn frei Wurzel geliefert werde. Bei Selbstabholung und Selbstausbringung seien es noch 2 bis 5 €/t und bei Zwischenlagerung 0 bis 2 €/t. Für  höherwertige Geflügelmiste (Nährstoffwerte zwischen 30 und 40 €/t) könnten 15 bis 20 €/t gezahlt werden.

Fazit

Angemessene Preise für organische Dünger liegen laut Schindler für Rinder- Schweine- und Biogasgüllen zwischen -1 bis 6 €/m3, für Rinder- und Pferdemiste zwischen 0 und 9 €/t, für Geflügelgülle zwischen 4 bis 12 €/m3 und für Geflügelmiste zwischen 15 bis 25 €/t. Bei diesen Konditionen verblieben noch Vorteile bei Güllen und Miste von 1 bis 3 €/m3 oder 30 bis 60 €/ha, für Geflügelgülle von 4 bis 8 €/m3 oder 50 bis 80 €/ha und Geflügelmiste von 10 bis 20 €/t bzw. 80 bis130 €/ha. Auf 50 ha hochgerechnet errechnen sich somit Vorteile von 1.500 bis 6.500 €/Jahr.
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