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Zuckerrüben

Energierüben: Das eigene Gleichgewicht gefunden

von , am
05.01.2015

Bereits zum dritten Mal haben Albert Buhr und seine Berufskollegen aus Riepsterhammrich im Landkreis Aurich Energierüben in ihrer Nawaro-Biogasanlage eingesetzt. Hier ihre Erfahrungen.

Energierüben können erfolgreich in einer Nawaro-Biogasanlage eingesetzt werden. © Werner Raupert
Albert Buhr, Betreiber und Geschäftsführer berichtet: "Im Jahr 2012 sind wir mit 8 ha Anbau gestartet, 2013 haben wir die Energierübenfläche auf 23 ha aufgestockt und 2014 noch einmal auf 47 ha verdoppelt". Vier Ackerbauern und ein Milchviehhalter mit insgesamt 600 ha (450 ha Acker, Rest Grünland) Fläche "im Rücken" hatten sich 2011 zum Bau einer 650 kW-Biogasanlage am Gewerbegebiet von Riepe entschieden. Die Anlage ging Ende 2011 ans Netz und versorgt heute über einen Satelliten mit 400 kW Leistung die Klärschlammtrocknung des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV). Weitere Wärmeabnehmer werden über den 250 kW Motor bei der Anlage versorgt.

Optimaler Rübenanteil

2012 wurde mit dem Rübenanbau begonnen, mit dem Ziel, 10 bis 15 t geschredderte Rüben täglich in den Fermenter zu füttern. "2012 haben wir mit einem Rübenanteil im Substratmix von 6 % (4 t täglich) begonnen, 2013 lag der Anteil dann bei 25 %", so Buhr. In der Spitze wurden täglich 14 t Energierüben gefüttert. 2014 reduzierten die Betreiber den Rübenanteil wieder auf 6 bis maximal 10 t täglich. Buhr: "Wir haben errechnet, dass jede zusätzliche Tonne Rüben, welche über 15 % Masseanteil im Substratmix hinaus geht, im Fermenter nicht mehr als 110 m³ Gasertrag je Tonne Frischmasse erzielt hat".

 

Bis zu einem Anteil von 15 % in der Mischung konnten vergleichbare Gaserträge wie in der Maissilage erzielt werden, erklärt Buhr. Damit bauen die Gesellschafter der Biogasanlage mehr Rüben an, als sie selber verwerten können. Da seitens anderer Biogasanlagenbetreiber in der Nähe Interesse am Zukauf von Energierüben besteht, können die Betreiber aus Riepsterhammrich ihre Übermengen dort vermarkten. Denn länger als bis Mitte Mai sollten die Rübenkörper nicht auf der Siloplatte lagern. "Wir schreddern alle zwei Tage mit einer Schaufel am Radlader die Menge Rüben, die wir brauchen, direkt auf die Platte und füttern über den Feststoffdosierer", beschreibt Buhr das Verfahren. Eine Rübenwäsche sei nicht nötig, so der Betreiber. "Wir haben hier auf den Überschlickungsflächen einen sehr schluffigen Boden und kaum Steine." Um mit der Rübenfütterung möglichst früh zu beginnen, werden die ersten Rübenpartien (5 bis 10 ha) bereits Mitte September gerodet und bis Mitte November verfüttert. Buhr: "Zuerst werden Flächen beerntet, die im Spätherbst nicht so gut befahrbar sind". Die zweite Charge Rüben wird Mitte November geerntet und bis Mitte Mai verfüttert. Vor Frost werden die Rübenkörper auf der Siloplatte mit einem Vlies geschützt. Bisher hat das ausgereicht. Die Lagerhöhe auf der Siloplatte beträgt maximal 5 m. Dadurch haben die Betreiber keine Probleme mit Sickersaft. "Ursprünglich hatten wir den Bau eines Erdbeckens erwogen, in das wir die Rüben als Mus einlagern wollten", fährt Buhr fort. Da sich größere Rübenmengen in der Anlage aber nicht wirtschaftlich verwerten ließen, wird es wohl bei der Lagerung ganzer Rüben auf der Siloplatte bleiben.

Kosten des Verfahrens

Die Kosten des Verfahrens beziffert Buhr mit 2 €/t fürs Aufladen mit der Lademaus, 2 bis 3 €/t für den Abtransport der Rüben per LKW vom Feld zur Anlage sowie 2 €/t fürs Schreddern. Inklusive Roden kalkulieren die Betreiber bei der Energierübe mit 2 €/t geringeren Kosten verglichen mit Silomais. Gerodet hat die Betreibergemeinschaft auf den jungfräulichen Böden bis zu 110 t Rüben/ha, auf den früh geernteten Flächen 80 bis 90 t/ha. "Beim Mais liegen wir bei stabil 50 t/ha", so Buhr. Da in Rüben 3,5 mal gegen Unkräuter gespritzt werden musste, betragen die Ausgaben für Pflanzenschutz mehr als das Doppelte gegenüber Mais. Insgesamt rechnet die Betreibergemeinschaft mit 300 bis 400 €/ha höheren Anbaukosten bei der Rübe gegenüber dem Mais. Aufgrund des hohen Hektarertrages der Rüben relativieren sich die höheren Aufwendungen. Buhr hat einen Kostenvergleich zwischen Mais, Rüben und Getreide-GPS sowie Winterweizen ausgearbeitet. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten je Tonne Ertrag bei Mais um etwa 3 €/t günstiger sind als bei Rüben. Frei Platte differieren die Kosten für den Zukauf von Silomais bzw. Energierüben kaum. Lediglich beim Gasertrag kann der Mais mit 180 m³/t FM punkten, so dass die Kosten je m³ Biogas beim Mais mit 20 Cent und bei der Rübe mit 30 Cent in der Hammricher Anlage zu Buche schlagen.

Bessere Akzeptanz

"Aus rein wirtschaftlichen Gründen haben Mais und Gülle als Substrate anteilig die größte Bedeutung", resümiert Buhr. Die Rübe sei aber wichtig für die Akzeptanz durch die Bevölkerung. "Durch Energie-rüben und Rindermist, den wir seit 2014 einsetzen, konnte die Anbaufläche von Mais halbiert werden", so Buhr. Hinzu kommt, dass der OOWV im Rahmen eines Projektes mit der TU München die N-Bilanzierung des Ackerbaus in den Betreiber-Betrieben vornehmen lässt. Buhr nennt abschließend weitere Gründe für den Energierübenanbau: sehr hoher Gasertrag je Hektar, bessere Ackerfuchsschwanzbekämpfung, verbesserte Rühreigenschaften im Fermenter sowie die Einhaltung von Fruchtfolgeauflagen. Mit täglich 6 bis 10 t Rübenschnitzeln in ihrer Anlage haben die ostfriesischen Betreiber ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftlichkeit, Ackerbau, Umweltaspekten und der öffentlichen Akzeptanz gefunden.
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