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Erfolgreich mit Körnerleguminosen

von , am
06.08.2014

Leguminosen sind sensibel und erfordern besonders viel Sorgfalt. Warum das so ist, wurde unlängst auf dem Ökoeiweißpflanzenfeldtag in Wiebrechtshausen diskutiert.

Gustav Alvermann rief die Landwirte dazu auf, die Körnererbse als Zeigerpflanze für schlechte Bodenstruktur und Bestellqualität zu verstehen. © Mühlhausen/landpixel

"Wer hat in den letzten Jahren schlechte Ernten bei Körnerleguminosen eingefahren, bitte melden?" - Auf diese Frage von Gustav Alvermann, Öko-Berater aus Schleswig-Holstein, meldete sich gut die Hälfte der 32 Landwirte, die kürzlich den Eiweißpflanzenfeldtag von KWS, Naturland Fachberatung und Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) auf dem Klostergut Wiebrechtshausen (Landkreis Northeim) besuchten.

Neben der Notwendigkeit, mehr heimische Leguminosen für die Öko-Tierfütterung zu produzieren, gibt es derzeit auch große Hürden im Anbau: Die Praktiker bewegen vor allem die Themen Fußkrankheiten, Ernteprobleme, Läuse und Unkraut. Gerade die Körnererbse ist im Vergleich zur Lupine, Acker- und Sojabohne sehr sensibel. In der Literatur würden viele Gründe für den Anbaurückgang bei Körnererbsen genannt, so Alvermann, aber Lösungen gebe es nur wenige.

Zeigerpflanzen


Der Berater rief die Landwirte dazu auf, die Kulturpflanze als Zeigerpflanze für schlechte Bodenstruktur und Bestellqualität zu verstehen. Um das Ziel einer optimalen Pflanzenqualität zu erreichen, müsse schon bei der Aussaat alles passen: gesundes Saatgut, gute Sätechnik und der Saattermin sollten optimal an den Bodenzustand angepasst werden, also nicht zu früh, um Strukturschäden zu vermeiden.

Als gute Bodenvorbereitung zu Leguminosen empfahl Alvermann den Anbau einer stickstoffreduzierenden Zwischenfrucht und je nach Standort auch eine Schwefeldüngung. Wer als Landwirt dann Spaß und Freude am Ackerbau habe, werde auch Erfolge bei der Körnererbse ernten, so seine Schlussfolgerung.

Genau diese Freude im Anbau beschrieb Johannes Lampen vom Gut Vorder Bollhangen an der mecklenburgischen Ostseeküste. Auf dem 2004 auf Öko-Landbau umgestellten Betrieb baut Lampen in einer fünfgliedrigen Fruchtfolge Weiße Lupinen und Körnererbsen als Körnerleguminosen an. Der Gemischtbetrieb mit Mutterkühen, Schafen, Ziegen und Legehennen (0,5 GV/ha) hält seine Fruchtfolge konsequent ein und die Körnererbsenerträge von 32 bis 41 dt/ha im Betriebsschnitt geben Lampen Recht.

Um dem Läuseflug zu entgehen wählt Lampen für den Anbau windige Standorte aus, außerdem empfiehlt er einen frühen Saattermin, damit die Erbsen schon vor dem Läuseflug Zeit für die Blüte haben. Zur Aussaat wird der Reifendruck der Schlepperreifen auf unter 1 bar abgesenkt, zusätzlich entlastet Lampen den Druck, indem er die Väderstad-Drillmaschine nur zu einem Viertel mit Saatgut befüllt.

Als Dünger setzt Lampen zum Körnererbsenanbau Grüngutkompost ein, zusätzlich wird alles Saatgut mit Bakterien geimpft. Die Unkrautkontrolle im Vorauflauf (Blindstriegeln) habe sich auch im Schutz gegen die übermäßige Verdunstung im Frühsommer bewährt. "Mit dem Striegel werden nicht nur die Unkräuter reguliert, sondern auch die Kapillare gekappt - die Verdunstung also unterbrochen", erklärt Lampen.

Der offene Erfahrungsaustausch aller Teilnehmer war der Abschluss des Öko-Eiweißpflanzenfeldtags auf dem KWS Klostergut Wiebrechtshausen. Begonnen hatte der Tag mit einer Vorstellung der Leguminosenversuche im Feld. Die Naturland Fachberatung, vertreten durch Werner Vogt-Kaute, stellte verschiedene Winterkörnererbsen vor. In Reinsaat und im Gemenge mit Wintertriticale zeigten sich die Sorten sehr unterschiedlich.

Durch den milden Winter waren die Erbsen sehr massig im Wuchs und konnten auch durch die Stützfrucht nicht ausreichend gehalten werden. Zwei französische Sorten waren deutlich kürzer im Wuchs und bereits druschreif - für diesen frühen Reifezeitpunkt ist die Triticale nicht der ideale Gemengepartner. Als Schlussfolgerung aus dem Versuch empfahl Vogt-Kaute die Saatstärken der Wintererbsen im Gemenge von 60 auf 40 Körner/m² zu reduzieren. Das Getreide wurde im Versuch mit 120 Körnern/m² ausgesät.

Auch Bettina Jorek, Produktmanagerin von der KWS Saat AG, stellte Leguminosen im Gemenge vor, konzentrierte sich aber auf die Sommerungsformen. "Die größten Massenerträge erreichen Körnererbsen im Gemenge mit Hafer", so Jorek. Doch gerade die weißblühenden Sorten - diese sind besonders gut geeignet für die Schweine und Hühnerfütterung - passen nicht immer mit dem Erntetermin des Hafers zusammen. Jorek zeigte auch Gemengeformen mit Sommergerste und -weizen.

In der Standfestigkeit, und deshalb auch geeignet für den Einzelanbau, überzeugten die halbblattlosen Sorten. Die halbblattlose Körnererbse Alvesta erreichte auf dem Standort Wiebrechtshausen im letzten Jahr durchschnittlich 49 dt/ha. Außerdem stellte Jorek auch neue, aussichtsreiche Körnererbsen-Prüfkandidaten vor. Über die französische KWS-Tochterfirma Momont stehen in Wiebrechtshausen bis zu 30 Prüfglieder in der eigenen Leistungsprüfung, bevor diese beim Bundessortenamt zur Prüfung angemeldet werden.

Schwefel-Effekte

Ebenfalls vorgestellt wurden die Körnererbsen Landessortenversuche und ein Schwefel-Düngeversuch. Markus Mücke, LWK Niedersachsen, führte durch die Versuche. Gute Ergebnisse der Schwefeldüngung zeigten sich besonders bei den Schwefel-Linsen (Elementar-Schwefel, 40kg/ha) mit 9 % Mehrertrag gegenüber der Kontrolle. Höhere Rohproteingehalte konnten mit der Schwefeldüngung jedoch nicht erreicht werden.
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