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Ackerbau

Ernte 2018: Was in Niedersachsen zu erwarten ist

Gerstenernte in Niedersachsen
Werner Raupert, LAND & Forst
am
03.07.2018

Durch hohe Temperaturen und starke Einstrahlung hat sich die Trockenheit extrem verschärft. So sieht die Situation auf Niedersachsens Äckern aus.

Vielerorts in Niedersachsen ist die Gerste bereits gedroschen. Die Hitzewelle wird nun auch die Abreife der anderen Wintergetreidearten, des Sommergetreides sowie auch des Rapses weiter beschleunigen. Zudem steht zu befürchten, dass auch der Mais und die Zuckerrüben zunehmend unter der Wärme und dem Wassermangel leiden.

Auf Sandböden besteht weiterhin eine hohe Beregnungsnotwendigkeit. Hier sind bereits die Kapazitätsgrenzen erreicht.

Gerste: Nur vereinzelt normale Hektolitergewichte

Auf sehr schwachen Böden ohne Beregnung wurden bei Gerste Erträge von lediglich 30 bis 40 dt/ha erreicht. In einigen Regionen musste Wintergetreide siliert werden, da keine Kornbildung mehr zu erwarten war. Praktiker berichten schon jetzt von der schlechtesten Ernte seit 30 bis 40 Jahren.

Auf besseren Standorten sind die Erträge häufig etwa 20 bis 30 Prozent unter dem langjährigen Mittel geblieben. Nur vereinzelt werden auch normale Hektolitergewichte von 62 bis 64 kg erzielt. Häufig liegen Werte weit unter 60 kg/hl, sodass weitere Preisabschläge zu befürchten sind.

Roggen und Triticale: Teilweise sehr hohe Ertragsverluste

Angesichts der extremen Trockenheit werden Roggen und Triticaleerträge ebenfalls stark abfallen. Selbst dort, wo Roggen beregnet werden konnte, wird keine Durchschnittsernte zu erwarten sein. Auf den unberegneten Standorten drohen sogar sehr hohe Ertragsverluste und Erträge von etwa 40 bis 60 dt/ha.

Raps: Hitze und Trockenheit

Die Hitze und die langanhaltende Trockenheit führen dazu, dass in diesen Tagen auch der Raps verbreitet geerntet werden kann. Aufgrund des Wassermangels müssen auch im Raps die Ertragserwartung deutlich nach unten korrigiert werden. Die Erträge werden jedoch je nach Standort und Knospenabwurf in einem weiten Bereich vermutlich zwischen 5 bis etwa 40 dt/ha schwanken.

Winterweizen: Hoffnung auf durchschnittliche Erträge

Mais mit Schäden

Der Winterweizen reift derzeit ebenfalls schnell ab. Häufig ist der Blattapparat auf vielen Standorten bereits abgestorben und die Kornbildung damit beendet. Nur auf den sehr guten Standorten besteht noch Hoffnung auf zumindest durchschnittliche Erträge. Im Weizen fallen derzeit vor allem die Spätsaaten sowie die Stoppelweizen stark ab.

Vor allem dort, wo der Weizen im Herbst nur unter extremen Bedingungen bestellt werden konnte, ist die Wurzelbildung stark eingeschränkt. Beim Stoppelweizen wird dieser Effekt verstärkt.

Frühe Getreideernte: Anbau von Zwischenfrüchten

Der Anbau von Zwischenfrüchten macht nach der frühen Getreideernte auch kaum Sinn, denn im Moment würde kein Auflauf stattfinden. Hier muss auf eine Änderung der Großwetterlage gewartet werden. Zur Erfüllung des Greenings können Zwischenfrüchte noch bis Mitte September bestellt werden.

Derzeit ist auch der Anbau von Zweitfrüchten wie Hafer oder Hirse kaum zu empfehlen, denn nach der Wintergetreideernte fehlt es auch hier an Wasser, um ein Auflaufen und Wachsen der Bestände zu gewährleisten.

Neue Düngeverordnung: Missernte wird zum Problem

Durch die Verschärfung der Düngeverordnung wird die erwartete Missernte für viele Betriebe auch bei der Nährstoffbilanz zum Problem:

  • Die Abfuhr an Nährstoffen ist in Folge der geringen Erntemengen deutlich vermindert.
  • Die Bilanzsalden werden sehr häufig den Grenzwert von 50 kg/ha bei Stickstoff und 10 kg/ha bei Phosphat überschreiten.
  • In Betrieben, wo sehr hohe Mindererträge durch die Trockenheit zu erwarten sind, sollte daher eine Dokumentation der Situation erfolgen.
Mit Material von Werner Raupert

Tobias Paul: Erst zu nass, dann zu trocken

Paul-Tobias-Landwirt

Tobias Paul, Landwirt aus Breinum, Stadt Bad Salzdetfurth, berichtet von seinen Flächen: „Es war dieses Jahr erst zu nass und dann zu trocken. Für die bevorstehende Ernte rechne ich bei der Wintergerste mit Ertragseinbußen bis zu 30 Prozent. Die Trockenschäden auf den Tonköpfen sind schon seit langem sichtbar. Dort ist die Gerste auch nur etwa 30 cm hoch. Der Weizen sieht für das trockene Frühjahr und die schlechten Bestellbedingungen im Herbst noch recht gut aus. Ob die Qualitäten gehalten werden können, wird sich erst noch zeigen. Die Heuernte fiel beim ersten Schnitt etwa 10 Prozent schlechter aus. Für den zweiten Schnitt müssen die Untergräser noch mehr Masse bilden.“

Hartmut Seetzen: 12 mm Niederschlag in sieben Wochen

Hartmut-Seetzen

Hartmut Seetzen, Milchviehhalter in Varel, Landkreis Friesland von seinen Grünlandflächen:In den letzten sieben Wochen gab es bei uns nur 12 mm Niederschlag. Zwei Kilometer weiter kann es zwar schon etwas besser aussehen, aber bei uns ist es einfach zu wenig Auf meinen Grünlandflächen musste ich beim zweiten Schnitt schon deutliche Mindererträge hinnehmen, Berufskollegen berichten sogar von Totalausfällen auf sandigen Böden. Wo der Mais früh in den Boden gekommen ist, sieht er zurzeit noch recht gut aus. Je nach Standort fangen die ersten Maisblätter aber schon an, sich einzurollen. Hier wäre jetzt dringend Wasser nötig, um eine Katastrophe abzuwenden.

Beim Getreide und Raps rechnen wir Bauern in der Region mit der schlechtesten Ernte seit 30 bis 40 Jahren. Das liegt nicht nur an der akuten Trockenheit, sondern auch an der starken Nässe im Herbst. Wintergetreide konnte entweder gar nicht gesät werden oder ist vom Winter stark geschädigt. Einige Milchviehhalter haben das Glück, dass sie noch Reserven vom vergangenen Jahr mit der weit überdurchschnittlichen Grasernte haben. Das ist aber nicht bei allen der Fall.“

    Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 27/2018 auf Seite. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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