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Kartoffelernte

Ernte fällt nur mäßig aus

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Werner Raupert, LAND & Forst
am
28.09.2016

Hinsichtlich des Ertrages und der Qualität der Kartoffelernte besteht in Deutschland ein erhebliches Nord-Süd-Gefälle. Der Anteil an grünen Knollen, Wachstumsrissen und Rodebeschädigungen ist wesentlich höher als in normalen Jahren.

Für die Kartoffelanbauer ist 2016 kein leichtes Jahr. Etwa 10 % der Speisekartoffelernte könnten 2016/17 im Futter landen und nicht in der Tüte, prognostizierte der Präsident des Deutschen Kartoffelhandelsverbandes (DKHV), Thomas Herkenrath, auf der 65. Kartoffelherbstbörse in Hamburg.

Die witterungsbedingten Ernteverluste in Verbindung mit den schwierigen Rodebedingungen auf unberegneten, schweren Böden sind seinen Angaben nach gerade in den mittleren und südlichen Anbaugebieten deutlich zu spüren. In Niedersachen und dem nördlichen Europa könnte dank der Beregnung auf den leichteren Böden aber eine gute Ernte eingefahren werden

Kartoffelbörse: DKHV-Präsident Thomas Herkenrath im Kreise der Heidekartoffelkönigin Steffi (2.v.l.), der Heidekartoffelprinzessin Julia (l.) und der bayerischen Kartoffelkönigin Johanna I.

Die entscheidende Zahl, an der sich in den nächsten Monaten die Kartoffelbranche preislich orientieren wird, gab der Präsident dieses Jahr persönlich bekannt: 10,2 Mio. t Kartoffeln, so lautet die Prognose, die der Sachverständigenausschuss von Bund und Ländern zur „Besonderen Ernte- und Qualitätsermittlung“ aufgrund der vorliegenden Rodeergebnisse errechnet hat. Die Daten sind noch vorläufig, da noch nicht alle Zahlen vorliegen.

Neuer Tiefstand

Im Ergebnis wird die Ernte nach jetzigem Stand 1,9 % niedriger als das Ernteergebnis von 2015 mit etwa 10,4 Mio. t ausfallen. Die Anbaufläche erreichte 2016 nach den vorläufigen Ergebnissen der Bodennutzungshaupterhebung mit rund 235.500 ha einen neuen Tiefstand.

Die wichtigsten Anbauregionen für Kartoffeln sind Niedersachsen mit einem Flächenanteil von 43 %, Bayern mit 17 % und Nordrhein-Westfalen mit 12 %. Auf Niedersachsen allein entfällt eine Anbaufläche von 102.400 ha (Vorjahr rund 106.000 ha).

Im Bundesdurchschnitt werden etwa 432 dt/ha geerntet. Dies sind 1,4 % weniger als im Vorjahr. Die höchsten durchschnittlichen Hektarerträge werden mit rund 472 dt/ha aus Niedersachsen gemeldet. Im Vorjahr waren es noch 481 dt/ha.

Ernte häufig verschoben

Die Rodebedingungen sind in diesem Jahr alles andere alles optimal, bemerkte der DKHV-Präsident. Durch die Trockenheit sind viele Rodearbeiten in der Hoffnung auf Niederschläge verschoben worden. Die große Frage, die zurzeit noch nicht beantwortet werden kann, lautet daher, wieviel Mengen von der errechneten Zahl tatsächlich ins Lager gehen. Viele Kartoffeln weisen nach der langen Trockenheit Risse auf, andere sind durch Starkniederschläge frühzeitig freigespült und grün geworden.

In Niedersachsen brechen aufgrund der Hitze und langen Trockenheit nach Angaben von Jörg Eggers, Europlant, vor allem die späten Sorten ein. Die Qualität der bisher geernteten Partien beurteilte der Experte als sehr gut. Auffällig sei, dass die Industriekartoffeln 2016 deutlich weniger Ertrag liefern.

Auskömmliche Preise

Der ehemalige DKHV-Präsident, Dieter Tepel, geht davon aus, dass gute Qualitäten in diesem Jahr preislich honoriert werden. Zurzeit erhalten die Erzeuger für Speiseware je nach Kochtyp und Sortierung Preise zwischen 14 bis 19 €/dt. Dieses Niveau könnte man angesichts der nicht üppigen Versorgung halten, hoffte Tepel.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 39/2016, Seite 26. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

 

 

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