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Pflanzenschutz

Erschreckende Ergebnisse

Anwalzen
Dr. Dirk M. Wolber, PSA der LWK Niedersachsen
am
30.08.2018

Herbizidresistenzen schreiten im Wintergetreide deutlich voran. Damit wird der Handlungsspielraum immer enger. Einfache Lösungen gibt es nicht mehr. Was tun?

  • Eine verzögerte Aussaat reduziert den Auflauf von Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Trespe und Weidelgräsern. Eine veränderte Fruchtfolge verschafft mehr Zeit zur Bodenbearbeitung.
  • Der Pflugeinsatz hilft das Samenpotenzial zu mindern.
  • Bei hohem Ackerfuchsschwanz-Samenpotenzial sind zu extensive Bodenbearbeitung und sehr frühe Aussaattermine unbedingt vermeiden.
  • Ein gut abgesetztes Saatbett bewirkt ein rasches Auflaufen der Ungräser. Anwalzen unterstützt den Effekt und verbessert auch die Wirkung der Bodenherbizide.
  • Der vollständige Verzicht auf den Pflug ermöglicht eine Generationsfolge bei Samenunkräutern/-gräsern, die Folge ist ein erhöhtes Resistenzrisiko.
  • Ein Wirkstoffwechsel über die Fruchtfolge ist erforderlich, um langfristig Herbizidresistenzen zu vermeiden.
  • Bedeutung von pflanzenbaulichen Maßnahmen zur Unkrautbekämpfung nimmt eher zu.

Auch in diesem Herbst sollten die meisten Getreideflächen, mit Ausnahme von spätgedrilltem Weizen, durch eine Herbizidmaßnahme behandelt werden.

Pflugeinsatz überdenken

Die enormen Ackerfuchsschwanzbestände (teilweise auch Windhalm) kann eine Frühjahrsbehandlung mit einem ALS-Hemmer allein nicht bewältigen. Auch werden die Folgen eines Pflugverzichts nach Getreidevorfrucht und ortsüblich zu frühen Saatterminen immer deutlicher. Hier werden im kommenden Frühjahr mehr Ackerfuchsschwanz, Windhalm, Rispen und Trespen anzutreffen sein.

  • Frühere Untersuchungen haben gezeigt, dass allein der Pflugeinsatz bereits einen erheblichen Bekämpfungserfolg ermöglicht.
  • Eine erwartete Bestandesdichte von Ackerfuchsschwanz kann durch den Pflug bis zu 25 % reduziert werden.
  • Ein „gut abgesetztes Saatbett“ reduziert die erwartete Bestandesdichte sogar um 75 % und
  • ein standorttypischer, nicht verfrühter bis leicht hinausgezögerter Saattermin reduziert die verbleibende Bestandesdichte nochmals bis zu 70 %.
  • Wird eine „ausreichend bedeckende Saatdichte bzw. Sorte“ gesät, wird die restliche Ungrasdichte nochmals um 50 % reduziert.

Durch die Kombination einer intensiven Bodenbearbeitung (Stoppelbearbeitung, Pflügen und Walzen) wird dem Ungrasbesatz ein sogenanntes Scheinsaatbett geschaffen, sodass die erste „Welle“ des Ackerfuchsschwanzes dann nach der Keimruhe gleichmäßig und frühzeitig aufläuft.

Resistenzen nehmen zu

Auf den niedersächsischen Standorten, die seit Jahren intensiv in engen Getreidefruchtfolgen bewirtschaftet werden, brechen zukünftig ganze Wirkstoffgruppen bei der Gräserbekämpfung weg. Insgesamt wurden bis zum Jahr 2017 im Pflanzenschutzamt der LWK Niedersachsen 616 Samenproben von Ackerfuchsschwanz im „Biotest“ auf metabolische Herbizidresistenz und bei Bedarf auf weitergehende Target-site Resistenz (TSR) untersucht.

Das aktuelle Ergebnis ist erschreckend: Auf knapp 50 % der Standorte wurde eine mittlere bis starke ALS-Resistenz gegenüber Atlantis nachgewiesen, Tendenz deutlich zunehmend. Besonders die typischen Marschstandorte erfahren eine extreme Resistenzzunahme von Ackerfuchsschwanz gegenüber fast allen Wirkstoffgruppen. Auch andere Herbizide aus der Gruppe der ALS-Hemmer sind betroffen.

Wie hoch ist die Gefahr?

Eine Herbizidresistenz wird oft erst erkannt, wenn es zu spät ist. Eine Bestätigung des Verdachtsfalls erfolgt mittels des Biotests anhand von Unkrautsamen oder aufwendigen Untersuchungsverfahren und kostet zusätzlich wertvolle Zeit, die dann für Gegenmaßnahmen besonders fehlt, wenn bereits mehrere Wirkstoffgruppen ihren Dienst versagen.

Ein mögliches Herbizidresistenz-Gefährdungspotenzial lässt sich anhand der Tabelle  für den eigenen Betrieb abschätzen. Eine besondere Gefährdung ist zu beobachten, wenn kaum ein Fruchtwechsel in der Fruchtfolge vorliegt und so ein sehr hoher Getreideanteil vorherrscht, wie z.B. beim „ewigen“ Weizenanbau auf Fehmarn, und der Unkrautbesatz im Herbst bereits exorbitant ansteigt.

Im Herbst 2018 sind mehrere Packs mit Preisvorteilen im Handel verfügbar. Der Wirkstoff Flufenacet ist mittlerweile in mehreren Herbiziden enthalten, neben dem Cadou SC, das bisher nur im Pack (Cadou-Forte-Set, Boxer-Cadou-SC-Pack oder der Fertigformulierung Cadou Forte) erhältlich war, ist es nun auch im Fence (von der Firma Lotus verfügbar) oder im Franzi (von der Firma Nufarm) verfügbar und somit auch als Einzelkomponente mit anderen Herbiziden mischbar.

 

Mehr zum Thema und zu den verfügbaren Herbizid-Packs lesen Sie in der aktuellen LAND & Forst, Ausgabe 35.

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