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Sonderkulturen

Der erster Eindruck ist "sehr gut"

von , am
04.09.2013

Immer mehr Biogaslandwirte sind bei Energiepflanzen experimentierfreudig. So auch Malte Kleyhauer aus dem Wangerland. Wir haben nach seinen Erfahrungen mit dem Riesen-Weizengras Szarvasi gefragt.

Auch im Landkreis Friesland steht das erste Szarvasi-Gras zur Nutzung in der Biogasanlage. © Behrens
Malte Kleyhauer, Biogaslandwirt aus dem Wangerland im Landkreis Friesland, ist mit seinem ersten Szarvasigrasbestand sehr zufrieden. "Wir haben beim ersten Schnitt in diesem Jahr Anfang Juli 10 t Trockenmasse von 0,8 ha Anbaufläche geerntet", so der Landwirt, der mit zwei Berufskollegen zusammen 2011 eine 500 kW-Biogasanlage in Betrieb genommen hat. Anders als in den meisten Biogasanlagen wird bei Kleyhauer grasbetont gefüttert. "Grassilage erreicht bei unseren festen Substraten einen Anteil von 70 %", so der Betreiber. Etwas Mais und Getreideganzpflanzensilage (GPS) runden die Nawaropalette ab. Neben Rindergülle und Rindermist wandert auch Hähnchenmist aus dem Betrieb eines der drei Betreiber in die Fermenter.

Aufmerksam wurde Kleyhauer auf das Szarvasigras schon im Januar 2011 anlässlich der Jahrestagung des Fachverbandes Biogas in Bremen.  "Wir haben dann bei einem Aussteller auf der EuroTier 2012 das erste Saatgut bestellt", so Kleyhauer "und im März 2012 angesät". "Ansäen" bedeutet in diesem Fall, 25 kg in die 0,8 ha einstriegeln. Da beim Pflanzenschutz noch eine Unsicherheit bezüglich der Verträglichkeit der Mittel bestand, hat sich der Betreiber anders beholfen, um den jungen Szarvasibestand vor Unkraut zu bewahren: "Wir haben im ersten Jahr das Szarvasigras immer dann mit einem Schröpfschnitt kurz gehalten, wenn wir unser anderes Gras geerntet haben". Dadurch konnte sich das Unkraut nicht entwickeln, das Szarvasigras aber umso besser. Das erste Nutzungsjahr dankt es dem Landwirten. Der Bestand mache einen sehr guten Eindruck, das Horstgras hätte sich in diesem Frühjahr so gut entwickelt, dass es dem Unkraut keine Chance gelassen habe. "Die Blattmasse sitzt beim Szarvasi unten und macht die Lücken dicht". Wenn das so bleibt, käme der Landwirt auch in Zukunft ohne Pflanzenschutz aus. Durch den dichten Szarvasibestand könne man kaum durchlaufen, weil das Gras auch fast 2 m hoch wird.

Gras noch blattgesund

Auch bezüglich der Blattgesundheit kann Kleyhauer bei seinem Szarvasi nicht klagen: "Man hört zwar, dass es Bestände mit Braunrostbefall gibt, aber nicht bei uns".  Der Boden, auf dem das Energiegras im Wangerland steht, gehört mit 70 Bodenpunkten zu den sehr guten Böden. Wasser und Nährstoffe sind reichlich vorhanden. Dass das Szarvasigras aber auch auf trockeneren Böden gut zurecht kommen kann, belegen Untersuchungen aus Ungarn.

Gute Winterhärte hat das Energiegras auch bewiesen. Kleyhauer: "Mit dem letzten Winter kam der Bestand hier bei uns gut zurecht". Das müsse es auch, denn das Saatgut sei teuer (17 €/kg). Zum ersten Schnitt hat der Biogaslandwirt 25 m3 Gärrest zu seinem Szarvasigras ausgebracht und zum zweiten Schnitt noch einmal 25 m3. Mehr brauchte es nicht. Denn: „Das Gras wächst wie der Teufel, 10 bis 15 cm pro Tag“, hat Kleyhauer festgestellt. Zwar käme der Bestand nach dem Schnitt (Kleyhauer hat bis auf 10 cm runter gemäht, teilweise war das Gras ins Lager gegangen) erst langsam in Gang, dann aber umso heftiger.
Und warum baut ein Landwirt, der schon genug Gras hat, noch mehr Gras an? "Szarvasigras ist ein weniger ernteintensives Gras bei guten Erträgen", begründet Kleyhauer. Mit zwei Schnitten im Jahr kann es das normale Gras von den Dauergrünlandflächen, wo vier Schnitte notwendig sind, gut ersetzen. "Aber auch beim Füttern der Anlage merken wir einen Vorteil. Wir sind schneller damit fertig, das spart Strom", so Kleyhauer weiter.
Das stengelige Szarvasigras  ließe sich gut im stehenden Bestand häckseln, besser zerkleinern und gut silieren. Es sei "rieselfähiger" als normales Gras. Theoretisch konnte aus dem Szarvasi von Kleyhauer eine Gasausbeute von 580 l/kg Trockenmasse erzielt werden, hat der Biogaslandwirt errechnen lassen. Wieviele Jahre Kleyhauer den Szarvasibestand nutzen wird, hängt vor allem vom Ertrag ab.
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