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"Erträge gut - Erlöse ernüchternd"

von , am
22.10.2014

Der Großteil der Ernte 2015 ist bis auf Körnermais, Zuckerrüben und Gemüse gelaufen. Daher ist es an der Zeit, Bilanz zu ziehen.

Noch läuft die Ernte 2014: Hier sind Drescherfahrer Andreas Marczok und Schlepperfahrer Andreas Gerken in Langwedelmoor bei Verden bei der Körnermaisernte. © Raupert

Wie der Präsident der LWK Niedersachsen, Arendt Meyer zu Wehdel, auf der Erntepressekonferenz der Kammer am Mittwoch vergangener Woche im Mühlencafe Oldendorf bei Zeven bemerkte, haben die Bauern durch eine relativ gleichmäßige Niederschlagsverteilung und damit Wasserversorgung profitiert. Ab Ende Juli habe es dann aber regional zu viel geregnet, sodass für viele Landwirte insbesondere die Getreideernte zur Geduldsprobe wurde. Und das hatte Folgen: "Die Qualität des geernteten Getreides litt, und hohe Trocknungskosten schlugen zu Buche", berichtete Meyer zu Wehdel.

Bilanz Getreide

Mit den Erzeugerpreisen können die Landwirte aber nur bedingt zufrieden sein, betonte der Kammerpräsident. So wurden für Getreide und Raps deutlich weniger gezahlt, die Preise für Kartoffeln seien sogar abgestürzt. Ähnliche Entwicklungen werden auch bei Zuckerrüben, Mais und im Ökolandbau erwartet. Diese negative Entwicklung wurde auch nicht durch leicht nachgebende Betriebsmittelpreise für Diesel und Dünger kompensiert, da sich die Pflanzenschutzmittel verteuert hätten.

In Niedersachsen wurden dieses Jahr 816.000 ha Getreide angebaut. Das ist eine leichte Zunahme von 0,5 % gegenüber dem Vorjahr. Die Ernte fiel mit 6,6 Mio. t um 4 % höher aus als 2013. Der Winterweizen ist mit knapp 407.000 ha (+3 %) nach wie vor die dominierende Getreideart. Die Erträge beliefen sich auf 3,6 Mio. t und stiegen damit noch einmal um 6 % gegenüber dem schon sehr guten Vorjahr. Rund 20 % des Weizens erreichte aber keine Brotgetreidequalität. Und der durchschnittliche Proteingehalt, der die Backqualität bestimmt, blieb deutlich unter dem Vorjahreswert, betonte der Präsident.

Neben dem speziellen Problem Gelbrost treffen die Bauern die schlechten Preise. Für Weizen erzielten die Landwirte im Durchschnitt 169,50 €/t. Das sind noch einmal 8 % weniger als im Vorjahr, als der Preis auch schon um 23 % gefallen war. Die Notierungen sind laut Kammer jetzt wieder so niedrig wie im Frühjahr 2010.

Und die Tendenz zeigt weiter nach unten, denn auch die sich abzeichnende gute Körnermaisernte setzt das Futtergetreide unter Preisdruck. Im September fielen die Preise für Futterweizen in Südniedersachsen teilweise schon unter 120 €/t. Was des einen Leid ist, ist des anderen Freud: Veredlungsbetriebe und Mischfutterwerke können sich derzeit günstig mit Futtergetreide eindecken. Das ist angesichts der indiskutablen Schweinepreise zumindest ein kleiner Lichtblick, bemerkte Meyer zu Wehdel.

Die Wintergerste ist mit 141.000 ha das zweitwichtigste Getreide auf Niedersachsens Feldern. Ihre Anbaufläche hat gegenüber dem Vorjahr noch einmal um knapp 10 % zugenommen. Die Gesamternte in Höhe von 1,1 Mio. t nahm um 18 % gegenüber 2014 zu. Für Futtergerste erzielten die Landwirte 149,40 €/t, 10 % weniger als im Vorjahr, für Braugerste 176,90 €/t, das ist ein Minus von 15 %. Winterroggen kommt in Niedersachsen auf 135.000 ha (-10,4 %) und Triticale auf knapp 80.000 ha (+6,8 %). Die Erntemengen beliefen sich hier auf 960.000 t (-12,4  %) bzw. 595.000 ha (+12,7 %).

Raps und Kartoffeln

Die geschilderten Probleme und Entwicklungen sind im Ökologischen Landbau ähnlich wie in der konventionellen Landwirtschaft: Auch hier zog ein ungewöhnlich hoher Gelbrostbefall besonders an Weizen, Dinkel und Triticale Ertragseinbußen von 10 bis regional 50 % nach sich. Die Auswirkungen auf die Preise sind noch nicht absehbar.

Die Anbaufläche von Winterraps ist nach dem starken Anbau des Jahres 2013 wieder um 8 % zurückgegangen und liegt bei rund 128.000 ha. Der höhere Rapsertrag konnte die geringere Anbaufläche aber nicht ausgleichen. Die Erntemenge blieb mit 540.000 t um 4,5 % unter dem Vorjahreswert. Auch der Rapsmarkt steht unter Preisdruck. Im Mittel erzielten Landwirte 334 €/t (-14 %). Grund dafür ist insbesondere die erwartet hohe Sojaernte. Hinzu kommt eine im Januar 2015 anstehende Umstellung in der Mineralölwirtschaft: Sie muss künftig keine festen Mengenquoten für die Beimischung von Biodiesel mehr einhalten, sondern ist nur allgemein verpflichtet, Treibhausgase zu mindern, erläuterte der Kammerpräsident.

Die Kartoffel-Anbaufläche wurde um knapp 3 % auf jetzt rund 105.000 ha ausgedehnt. Rund ein Drittel der Anbaufläche wird mit Speisekartoffeln bestellt, auf zwei Dritteln stehen Industrie-, Futter- und Pflanzkartoffeln. Die Kartoffelerträge sind rekordverdächtig. Sie liegen im Durchschnitt bei 48,5 t/ha und übertreffen damit um rund 8 % das Mittel der letzten fünf Jahre und um knapp 13 % das geringe Vorjahresergebnis. Auch hier wiesen die Erträge je nach Standort und Niederschlagsverteilung erhebliche Schwankungen auf. Die hohen Hektarerträge und die leicht vergrößerte Anbaufläche führen zu einer Erntemenge in Niedersachsen von über 5,1 Mio. t. Das sind gut 16 % mehr als 2013 und 3 % mehr als im Mittel der letzten fünf Jahre.

Weniger erfreulich ist die Reaktion des Marktes: Da auch deutschlandweit und in weiten Teilen Westeuropas eine sehr große Kartoffelernte eingefahren wurde, sind die Preise auf ein Niveau deutlich unterhalb der Gestehungskosten gesunken. Für Partien mit leichten Qualitätsmängeln finden sich kaum noch Käufer, ebenso wie für vertragsfreie Verarbeitungskartoffeln.

Zur Haupternte erzielten die Landwirte für mängelfreie Speisekartoffeln im Durchschnitt nur 6,20 €/100 kg, vor einem Jahr waren es noch 21,25 € (-70 %). Für vertragsfreie Verarbeitungskartoffeln fielen die Erzeugerpreise zeitweise auf nur 1 bis 3 €/dt. Im ökologischen Landbau zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Kartoffeln haben zumeist gute Erträge gebracht, und die Erlöse geraten stark unter Druck. Von einer Halbierung der Preise ist die Rede.

Zuckerrüben und Mais

Bei den Zuckerrüben wurde die Anbaufläche gegenüber dem Vorjahr um rund 3,5 % auf gut 101.000 ha gesteigert. Auch die Rübenerträge sind überdurchschnittlich. Sie liegen bereits jetzt bei 75 t/ha. Außerdem sind die Zuckerrüben mit 17,6 % Zuckergehalt schon jetzt sehr süß. Da europaweit eine gute Ernte erwartet wird, steht der Rübenpreis unter Druck.

Mais, flächenmäßig die wichtigste Kulturpflanze in Niedersachsen, wächst in 2015 auf etwa 610.000 ha (+2,5 %). Dabei nahm der Körnermais um 14 % auf nun 78.000 ha ab, dafür wuchs die Silomaisfläche um rund 28.000 ha auf etwa 530.000 ha. Etwa drei Fünftel oder gut 300.000 ha, wird an Rindvieh verfüttert, gut 200.000 ha werden als Gärsubstrat in Biogasanlagen eingesetzt.

Insgesamt kann man von guten, zum Teil sogar sehr gut Silomaiserträgen berichten. Auch beim Mais zieht das einen Preisrutsch nach sich. Im vergangenen Jahr konnte Silomais noch mit Gewinn verkauft werden, in diesem Jahr wird das kaum gelingen. Das wiederum ist gut für die Betriebe, die Futter zukaufen müssen. Viele nutzen die günstigen Preise, um jetzt ihre Futterreserven kostengünstig anzulegen.

Auch bei Körnermais werden gute Erträge erwartet. Der Marktpreis ist bereits jetzt gefallen, er bewegt sich voraussichtlich um 15 €/dt. Energiemais sei für die Biogasanlagen nach wie vor die dominierende Ackerfrucht. Das Ziel des EEG 2012, alternative Kulturen besonders zu fördern, wurde nicht erreicht. Um mehrjährige Kulturen wie z. B. die Durchwachsene Silphie oder Wildpflanzenmischungen sei es ruhig geworden, weil ihr Anbau nicht wirtschaftlich ist.

Grünland


Vor dem Hintergrund der durch die GAP-Reform vorgeschriebenen Anbaudiversifizierung ist in diesem Herbst eine stärkere Nachfrage nach Getreide festzustellen, das als Ganz-Pflanzen-Silage - kurz GPS - angebaut wird. Aus Sicht der Landwirtschaftskammer ist dies eine sinnvolle Ergänzung: Einerseits wird eine Winterkultur in maisbetonte Fruchtfolgen integriert, andererseits wird das Anbaurisiko durch unterschiedliche Kulturen verringert.

Eine gute Alternative sind auch Zuckerrüben, die bereits in vielen Biogansanlagen erfolgreich eingesetzt werden.
In Niedersachsen gibt es etwa 710.000 ha Grünland. Das sind immerhin 100.000 ha mehr als Mais. An dieser Zahl kann man erkennen, dass das Grünlanderhaltungsgebot greift, bemerkte Meyer zu Wehdel. Der erste Aufwuchs überzeugte qualitativ nicht. Der Futterwert lag aufgrund der ungünstigen Witterung zum Erntezeitpunkt deutlich unterhalb des Optimums.

Fazit
  • Erntemengen regional sehr hoch,
  • breite Schwankung bei
  • Qualitäten,
  • Erzeugerpreise auf breiter Front eingebrochen.
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