Login
Getreideernte

Getreide: Preiskurve zeigt wieder nach oben

Thumbnail
Werner Raupert, LAND & Forst
am
27.07.2016

Die Getreideernte ist in dieser Woche richtig durchgestartet. Und der Spaßfaktor bei den Bauern wächst. Ein Kommentar von LAND & Forst-Redakteur Werner Raupert.

Noch vor wenigen Wochen sind alle von einer großen Getreideernte ausgegangen. Die Bestände haben geprotzt und waren meist gesund. Die Börse hatte darauf mit Tiefstpreisen reagiert und die Landwirte geschockt.

Erste Erntemeldungen aus dem Getreideland Frankreich ließen aber aufhorchen: Mengen und Qualitäten enttäuschen dort aufgrund der vielen Regenfälle. Und die Negativmeldungen aus dem Nachbarland reißen nicht ab: Bei Weizen wird oft nur noch Futterqualität geerntet bei Ertragseinbußen von bis zu 30 %. Das könnte die große Exportchance für unsere Weizenerzeuger sein, vorausgesetzt, die Qualitäten passen.

Wer kann, lagert sein Getreide ein

Auch hierzulande zeichnet sich ab, dass 2016 kein Hochertragsjahr wird. Die Gerste hat im Mittel nur 7,0 bis 7,5 t/ha gebracht und die Preise waren mit unter 120 €/t kaum kostendeckend. Die klare Empfehlung in der Ernte lautete: Wer kann, lagert ein.

Auch der Raps hat die Ertragserwartung bisher nicht erfüllt. Nur selten steht hier eine 5 vor dem Komma. Dazu kommt, dass die Ölgehalte stark schwanken (40 bis 46 %). Experten erwarten Ertragseinbußen von 10 bis 20 %. An der Matif in Paris fahren die Rapskurse Achterbahn: 352 €/t am 7. Juli, 364 €/t am 21. Juli und am Montag dieser Woche für August 2016 wieder 358 €/t. Es ist zurzeit ein reiner Wettermarkt.

Weizen: Qualitäten passen

Auch beim Weizen wird es wohl nichts mit der erhofften Rekordernte. Positiv ist aber, dass die Qualitäten passen. Fallzahlen von deutlich über den geforderten 250 Sekunden deuten zudem darauf hin, dass die ersehnten Aufgelder für Top-Qualitäten erreicht werden können. Auch der Rohproteingehalt dürfte die geforderten Normen wie z.B. bei A-Weizen von 13 % erfüllen.

Während der Handel bei der Preiserwartung auf die Bremse tritt, sind andere Marktexperten optimistischer. Gute Qualitäten werden ihrer Ansicht nach in Europa knapp werden. Entsprechend dürften die Preisaufschläge für gute Qualitäten nach oben klettern. Zurzeit werden aufgrund der wenig attraktiven Erlöse kaum Mengen gehandelt. Wer nicht verkaufen muss, wartet ab, zumal etwa 20 % des Weizens in Vorkontrakten fixiert sind.

Bei Brotweizen keine Tiefstpreise akzeptieren

Bei der Matif ging es bereits bergauf, am Montag wurden für September 2016 über 170 €/t notiert. Guter Brotweizen muss dementsprechend höhere Erlöse bringen. Der Handel will in der Ernte je nach Parität nur 134 bis 143 €/t und im Herbst 141 bis 149 €/t für B-Weizen zahlen. Demgegenüber raten unabhängige Experten dazu, keine Tiefstpreise zu akzeptieren. In der Ernte seien durchaus 150 bis 160 €/t drin, danach auch mehr.

Auch interessant