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Zwischenfrüchte

Es gibt gute "Lückenfüller"

von , am
14.06.2013

Ertrag, Energiekonzentration und Silierfähigkeit bestimmen die Anbaueignung von Zwischenfrüchten für die Futternutzung. Große Bedeutung haben die Weidelgräser. Neue Arten stehen in der Entwicklung. Nachfolgend ein Überblick.

Deutsche Weidelgrassorten spielen bei den Zwischenfrüchten aufgrund ihrer flexiblen Nutzungsmöglichkeiten eine dominierende Rolle. © Berendonk
Von den verschiedenen Zwischenfruchtarten für die Futtergewinnung haben die Weidelgräser heute die größte Anbaubedeutung. Viele Zwischenfruchtarten, die früher wegen ihres Futterwertes als Futterpflanzen genutzt und im Herbst das Landschaftsbild auflockerten, haben heute nur noch geringe Anbaubedeutung. Hierzu zählen vor allem Stoppelrüben, Winterraps, Winterrübsen, Alexandriner- und Perserklee. Gerade diese Arten finden aber heute im Zuge zahlreicher Anstrengungen zur Förderung der Biodiversität auf den Ackerflächen eine gewisse Renaissance.
 
Der Vorzug der Weidelgräser ist, dass sie sich gleichermaßen zur Beweidung, Frischverfütterung und insbesondere zur Silierung eignen. Gräser sind zudem auch ein idealer Gemengepartner für Kleegrasgemenge und weisen unter Fruchtfolgegesichtspunkten kaum Unverträglichkeiten auf. Sie zeichnen sich durch ein sehr gutes Nährstoffaneignungsvermögen aus und gewährleisten gleichzeitig einen wirksamen Boden- und Wasserschutz sowohl im Herbst als auch über Winter.  Zwar erzielen Raps, Rübsen, Markstammkohl oder Stoppelrüben einen vergleichbaren, teils sogar höheren Futterwert, die Verwertung dieser Zwischenfrüchte als Silage stößt im Gegensatz zu den Weidelgräsern wegen ihrer meist sehr geringen Trockensubstanzgehalte von unter 15 % und der schlechten Eignung zum Anwelken aber sehr schnell an ihre Grenzen. Als Ergänzungsfutter zur Frischverfütterung oder Beweidung können sie aber auch heute mit begrenzten Anteilen die Futterration im Herbst gezielt sehr gut erweitern.
 
Sollen Zwischenfrüchte als Biomasse zur Energiegewinnung genutzt werden, ist neben dem Ertrag und Methanbildungspotential primär die Siliereignung entscheidend.  Auch für die Biomasseproduktion eignen sich daher von den klassischen Zwischenfruchtarten bevorzugt die Gräser.
 
In der Praxis werden Zwischenfrüchte in der Regel nach Saatbettvorbereitung und Blanksaat angebaut. Wenn die Zwischenfrucht nach zügiger Entwicklung einen reinen Tisch hinterlässt, kann am einfachsten anschließend die Hauptfrucht mit reduzierter Bodenbearbeitung bestellt werden.  Bei Arten mit rascher Anfangsentwicklung (Raps und Rübsen) ist auch Mulch- oder Direktsaat möglich. Die Saat in ein gut vorbereitetes Saatbett ist vor allem für Feinsämereien zu empfehlen. Damit wird zugleich Auflaufgetreide und Unkraut intensiver bekämpft. Die Anforderungen an ein feinkrümeliges und gut abgesetztes Saatbett werden umso größer,  je geringer das Tausendkorngewicht des Saatgutes ist. Vor allem für die Feinsämereien (Gräser, Klee, Markstammkohl, Stoppelrüben ist eine flache Saatgutablage wichtig. Drillsaat garantiert hier einen gleichmäßigen und zügigen Aufgang.
 
Zunächst grenzt der mögliche Saatzeitpunkt der einzelnen Arten ihre Anbaueignung ein. Die Palette der für den Zwischenfruchtanbau zur Verfügung stehenden Arten ist umso umfangreicher, je früher die Vorfrucht das Feld räumt. Frühe Saattermine sichern im Allgemeinen hohe Erträge und bieten eine größere Auswahl an Arten und Sorten.
 
Die klassische Unterteilung des Zwischenfruchtanbaus nach der Anbauzeit in Sommer- oder Winterzwischenfruchtanbau ist heute fließend. Gerade bei den Gräsern überwiegt die kombinierte Nutzung, bei der die Zwischenfrucht nach der Getreideernte bis Anfang August gesät wird, um dann im Herbst vor Winter einen guten Herbstaufwuchs zu liefern. Anschließend lässt man den Bestand als effektive Winterbegrünung den Winter überdauern, um dann im Frühjahr ungefähr Ende April noch einen ertragsstarken Frühjahrsaufwuchs z. B. vor Silomais zu ernten. 
 
Zwischenfrüchte wie Stoppelrüben, Raps und Rübsen,  aber auch die Weidelgräser haben beim Anbau zur Futternutzung einen sehr hohen Stickstoffbedarf, wenn das Ertragspotential ausgeschöpft werden soll. Ist die Stickstoffversorgung der Zwischenfrüchte wie z. B. im ökologischen Landbau ein Engpass, kann auch die Beimengung von Leguminosen erforderlich sein. Als geeignete Leguminosengemenge haben sich die Kleegrasmischung "Standardmischung A6" oder auch das Grobleguminosengemenge aus 40 kg/ha Sommerwicken + 50 kg/ha Futtererbsen + 2 kg Futterraps bewährt. Beim Anbau dieser vergleichsweise sehr teuren Mischungen sollte die Aussaat möglichst noch im Juli erfolgen. Beim Kleegras bietet es sich aber auch an, die Aussaat bereits bei Vegetationsbeginn mit reduzierter Aussaatstärke als Untersaat zu etablieren, um Saatgutkosten zu sparen und einen Wachstumsvorsprung nach der Hauptfruchternte zu erzielen.
 
Düngung
Im Rahmen der Düngeverordnung ist neben den ordnungsrechtlichen Regelungen der Bedarfsgrundsatz zu beachten. Die Zwischenfruchtdüngung sollte möglichst zur Saat erfolgen.
 
Organische Düngung und N-Düngung
 
Zwischenfruchtgräser und Kreuzblütler haben einen vergleichbar hohen Stickstoffdüngerbedarf, wenn sie zu Futterzwecken angebaut werden und eignen sich gut für den Einsatz von Gülle. Um Ammoniakverluste bei der Ausbringung auf unbestelltem Ackerland zu reduzieren, besteht die Verpflichtung, die Gülle unverzüglich nach der Ausbringung in den Boden einzuarbeiten. Bei Ernte im Ansaatjahr gilt eine Futterzwischenfrucht jedoch als Hauptfrucht im Sinne der Düngeverordnung und unterliegt nicht der Obergrenze von 40 kg Ammonium-N oder 80 kg Gesamt-N je ha. Gemäß den gesetzlichen Vorschriften darf hingegen zu Gründüngungszwischenfrüchten eine Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern im Herbst nur bis in Höhe des aktuellen N-Düngebedarfs erfolgen und dürfen nicht mehr 40 kg Ammonium-N (inklusiv Ausbringungsverluste) oder 80 kg Gesamt-N zu verabreicht werden. Die Düngung muss  spätestens bis 15. September erfolgt sein.
 
Eine etwaige mineralische Ergänzungsdüngung muss stets unter Berücksichtigung organischer N-Gaben erfolgen. Zumeist ist daher eine mineralische Ergänzungsdüngung nur im Frühjahr zu Winterzwischenfrüchten zum Zwecke der Futterproduktion erforderlich.
 
Grunddüngung
 
Anders als Stickstoff müssen Grundnährstoffe nicht gezielt zur Kultur gedüngt werden. Es genügt, wenn die Nährstoffdefizite über die Fruchtfolge ausgeglichen werden. Gründüngungszwischenfrüchte bleiben bei der Grunddüngung unberücksichtigt, weil die darin gebundenen Nährstoffe der Folgefrucht wieder zur Verfügung stehen.
 
Artenwahl
 
Im Folgenden werden einige wichtige Aspekte des Anbaus der verschiedenen Zwischenfruchtarten für die Biomasseerzeugung und Futternutzung kurz erläutert. Besonders bei den Weidelgräsern gibt es recht unterschiedliche Möglichkeiten der Nutzung als Futterpflanze oder für die Biogaserzeugung. Die Anbauempfehlungen für die übrigen Arten sind kurz steckbriefartig zusammengefasst.

Einjähriges und Welsches Weidelgras

Obwohl Weidelgräser im Zwischenfruchtanbau oft auch nur sehr niedrige Trockensubstangehalte von 15 % aufweisen, eignen sie sich dennoch recht gut zur Silagegewinnung, weil ihr Aufwuchs anders als bei den übrigen Zwischenfruchtarten im Herbst in der Regel noch ausreichend angewelkt werden kann.
 
Für den Zwischenfruchtanbau kommen von den Weidelgräsern zwei Arten, das Einjährige und das Welsche Weidelgras in Frage. Sie unterscheiden sich insbesondere dadurch, dass das Einjährige Weidelgras im Ansaatjahr zum Schossen und Ährenschieben gelangt, während das Welsche Weidelgras erst nach einer Überwinterung Ähren bildet.
 
Der Herbstaufwuchs des Einjährigen Weidelgrases ist daher rascher in der Anfangsentwicklung, trockensubstanz- und strukturreicher als der sehr blatt- und energiereiche Aufwuchs des Welschen Weidelgrases, wobei beim Einjährigen Weidelgras aber auch sehr große Sortenunterschiede in diesem Merkmal existieren.  Ein weiterer Unterschied zwischen den Weidelgrasarten ist die Winterfestigkeit. Welsches Weidelgras ist winterhart, Einjähriges Weidelgras wintert in der Regel aus. Einjähriges Weidelgras eignet sich daher primär für den klassischen Sommerzwischenfruchtanbau zur Silagebereitung im Herbst oder auch zur Verwertung in der Biogasanlage, wenn der Bestand nicht anschließend zur nachfolgenden Frühjahrsnutzung überwintern soll.
 
Beim Einjährigen Weidelgras ist die Neigung zur Ährenbildung ein wesentliches Sortenkriterium. In der Regel bringen die früh schossenden Sorten des Einjährigen Weidelgrases einen strukturreicheren Aufwuchs und sind auch früher schnittreif als die späteren Sorten. Sie werden bevorzugt zur Erzeugung von Biomasse für die Biogasanlagen oder zur Gewinnung strukturreicher Silagen empfohlen, während Ansaaten mit spätschossenden Sorten für die Gewinnung energiereicher Silagen oder für Bestände mit gutem Nachwuchsvermögen, ggf. auch zur Nachweide empfohlen werden.
 
Ein weiteres wichtiges Qualitätskriterium ist die Rostresistenz der Sorten. Werden Zwischenfrüchte zur Futternutzung im Herbst angebaut, ist dieses Merkmal von besonderem Wert. Gerade im Herbst, wenn sich das Wachstum der Pflanzen allmählich verzögert, steigt die Gefahr der stärkeren Rostausbreitung. Sowohl beim Einjährigen als auch Welschen Weidelgras werden nur Sorten mit mindestens mittlerer Rostresistenz von der Landwirtschaftskammer empfohlen.
 
Soll der Weidelgrasbestand über Winter stehen bleiben, sei es zur weiteren Nutzung Ende April/Anfang Mai als Winterzwischenfrucht oder auch zur ganzjährigen Nutzung im Hauptfruchtfeldfutterbau ist es in beiden Fällen nicht zweckmäßig, das auswinternde Einjährige Weidelgras als Zwischenfrucht auszusäen, sondern dann verdient das winterfeste Welsche Weidelgras den Vorzug. Mindererträge des Welschen Weidelgrases im Herbst werden durch höhere und sicherere Erträge im ersten Aufwuchs im Frühjahr bei weitem ausgeglichen. Die Aussaatkosten verteilen sich auf mehrere Nutzungen und die längere Standzeit bewirkt einen effektiven Boden- und Wasserschutz.
 
Wenn der Bestand nach Winter nur noch einen Aufwuchs, z. B. vor Silomais liefern soll, sind vor allem Sorten mit hohem Ertragsvermögen im ersten Aufwuchs von Interesse. Die Landwirtschaftskammer empfiehlt für diese Nutzung die Standardmischung A1 WZ
eine Mischung aus ausschließlich erstschnittbetonten Sorten des Welschen Weidelgrases.  Der Zusatz WZ steht für Winterzwischenfruchtanbau. Für die Qualitätsstandardmischung A1 WZ werden folgende Sorten empfohlen: Dolomit (t), Gisel (t), Lipsos (t), Alamo, Taurus (t), Fabio (t), Barmultra II (t), Dorike (t), Goldoni (t), Litonio (t), und die neuen Sorten Udine (t), Bartrento (t) und Lascar.
 
Soll das Welsche Weidelgras kombiniert als Sommerzwischenfrucht mit ganzjährige Folgenutzung im nächsten Jahr angebaut werden, ist das Augenmerk für die Sortenempfehlung auf eine ganzjährig hohe Leistung zu richten, d. h. die Sorten müssen sich auch durch gutes Nachwuchsvermögen auszeichnen. Als geeignete Mischung für diese Nutzungsdauer wurde die Qualitätsstandardmischung A1 in der klassischen Zusammensetzung mit ertragsstarken erstschnitt- und nachwuchsbetonten Sorten entwickelt. Die Sorten sind nach ihrem Ertragsvermögen im Gesamtertrag rangiert.
 
Bei den Weidelgräsern wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte in der Züchtung tetraploider Sorten erzielt. Sie zeichnen sich in der Regel durch höhere Zuckergehalte aus als diploide Sorten, erreichen allerdings meist auch nur 1-3 % geringere Trockensubstanzgehalte. Tetraploide Sorten sind nicht grundsätzlich ertragsstärker als diploide Sorten, aber es ist nicht zu verkennen, dass bei den neuen leistungsstarken Sorten der überwiegende Teil einen tetraploiden Chromosomensatz aufweist. In der Tabelle 3 und 4 sind die tetraploiden Sorten jeweils durch ein "t" gekennzeichnet. Wichtig ist dieses Merkmal für die Bemessung der Aussaatstärke. Da tetraploide Sorten ein deutlich höheres Tausendkorngewicht aufweisen als diploide Sorten, müssen sie mit höherer Saatstärke ausgesät werden. Bei den tetraploiden Sorten ist in der Regel eine Saatstärke von 50 kg/ha notwendig, bei diploiden Sorten reichen 40 kg/ha aus.
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