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Anbauversuche

Grünlanderneuerung: Abwägen zwischen den Ansprüchen

Gruenlandumbruch
Dr. Manfred Kayser (Uni Göttingen/Vechta), Dr. Matthias Benke (LWK Niedersachsen), Dr. C. Buchen und Prof. H. Flessa (Thünen-Institut für Agrarklimaschutz, Braunschweig)
am
01.08.2019

Produktives Grünland muss gepflegt werden. Hier Ergebnisse niedersächsischer Forscher zu umweltschonendem Management.

Futterbaubetriebe brauchen produktive Grasnarben und müssen diese zum Teil erneuern. Das aber hat Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Niedersächsische Wissenschaftler haben dazu jetzt zweijährige Feldversuche durchgeführt.

Der Fokus: Lachgasverluste (N2O-Emissionen) und Nitratdynamik (NO3--Verluste) nach verschiedenen Verfahren der Grünlanderneuerung und des Umbruchs. Untersucht wurden zwei Standorte mit Maisanbau. Beteiligt waren das Thünen Institut für Agrarklimaschutz, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die Universität Göttingen.

Die Versuchsergebnisse sind nachfolgend kurz zusammengefasst. Details zum Versuchsaufbau lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 31/19:

  • Grünlandumbruch führt zu zeitlich begrenzten, stark erhöhten N2O-Emissionen.
  • Die Höhe der Emission ist standort- und witterungsabhängig.
  • Der Landwirt kann die Emissionen durch den Zeitpunkt des Umbruchs und durch eine möglichst rasche und effiziente Stickstoffbindung im nachfolgenden Aufwuchs verringern.

Risiko: Nitrat

  • Die Nmin-Tiefenprofile (0 bis 90 cm) zeigen ein stark erhöhtes Risiko der Nitrat-Auswaschung nach der Zerstörung der alten Grasnarbe.
  • Die Zersetzung der Grasnarbe führt zu einer schnellen und starken Stickstoffmineralisation bei gleichzeitig nicht ausreichender Aufnahme durch die neuen Pflanzen, da der nachfolgende Aufwuchs noch nicht etabliert ist.
  • Eine zusätzliche Stickstoffdüngung verschärft in dieser Phase das Problem des Nitratüberschusses.
  • Die Ergebnisse belegen die Problematik der erhöhten Nitrat-Auswaschung nach Grünlandumbruch insbesondere auf leichten Böden. Bei der Grünlandverbesserung durch Nachsaat unter Erhalt der alten Grasnarbe tritt dieses Problem nicht auf. Aus Sicht des Grundwasserschutzes ist dies die günstigste Variante.

Bedeutung für die Praxis

    Massive Narbenschäden, daraus resultierende verminderte Erträge sowie die Gefahr von Verschmutzungen des Erntegutes lassen sich ausgleichen durch eine Erneuerung des Grünlands. Die niedersächsischen Wissenschaftler formulierten folgende Hinweise an die Praxis:

    • Zuerst gilt es, das Grünlandmanagement zu verbessern und anzupassen, statt Fehler durch zu häufige Neuansaaten ausgleichen zu wollen.
    • Zu einem guten Grünlandmanagement zählt die regelmäßige Nachsaat mit leistungsfähigen Zuchtsorten.
    • Grünlanderneuerungen müssen als Managementmaßnahme weiterhin möglich sein.
    • Unter Berücksichtigung von standörtlichen und klimatischen Bedingungen gilt das auch für eine Neuansaat.
    • Grundsätzlich sind alle Möglichkeiten zu nutzen, um die ökologischen Folgen so gering wie möglich zu halten.
    • Aufwand, Folgen und Nutzen einer Grünlanderneuerung müssen wohl abgewogen werden.
    • Die ökologischen Folgen bei der Erneuerung können durch ein konsequent angepasstes Management begrenzt werden. Beispiel: die Berücksichtigung der erhöhten N-Mineralisation bei der Düngung und möglichst rasche Etablierung der neuen Grasnarbe.
    • Im Dauergrünland bleibt es weiterhin schwierig, die Erträge durch Erneuerung nachhaltig zu steigern oder langfristig die Narbenzusammensetzung zu ändern – trotz der technischen Möglichkeiten und des züchterischen Fortschritts.
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