Login
Sortenversuche

Grünroggen trotzt der Trockenheit

Trotz später Saat nach der Trockenheit 2018 konnte der Futterroggen 2019 mit Ertrag und Qualität punkten.
Thekla-Karina Niehoff, LWK Niedersachsen
am
25.07.2019

Grünroggen kann als Winterzwischenfrucht Versorgungslücken im Futterplan schließen. Stimmt die Wasserversorgung, wird der nachfolgende Mais den Gesamtertrag der Fläche erhöhen. Ergebnisse der Sortenversuche 2019.

  • Grünroggen liefert zeitig im Frühjahr Grünfutter.
  • Der Anbau ist unkompliziert, das Futter zur Rinder- oder Biogasfütterung einsetzbar.
  • Grünroggen eignet sich gut für ein Zweinutzungssystem mit Mais, wenn genug Wasser im Boden ist.
  • Es sollten die speziell geprüften Grünschnittsorten gewählt werden.

Anspruchslose Kultur

Der Grünroggen ist ausgesprochen anspruchslos, winterhart und kann durch seine schnelle Wüchsigkeit sehr gut den eventuell im Boden noch vorhandenen Stickstoff verwerten. Eine Anbaufolge mit z.B. Mais braucht Standorte mit ausreichender Wasserversorgung, da der Grünroggen bedingt durch das hohe Massenwachstum auch einiges an Wasser verbraucht.

Die normalerweise ausreichend vorhandene Winterfeuchtigkeit kann der Grünroggen optimal nutzen. Es bleibt zu hoffen, dass die Herbst- und Winterniederschläge die Böden in diesem Jahr allerorts wieder auffüllen.

Unkompliziertes Anbaumanagement

Das Anbaumanagement des Grünroggens ist unkompliziert. Hinsichtlich der Pflanzenschutzintensität ist ein deutlich geringerer Aufwand im Vergleich zum Körnerroggen notwendig. Es ist maximal eine einmalige Herbizidmaßnahme (im Herbst) sowie – wenn überhaupt – eine Fungizidmaßnahme in der Schossphase und (eventuell damit kombiniert) eine wachstumsregulatorische Maßnahme einzuplanen. Oft ist auch gar keine Pflanzenschutz-Maßnahme erforderlich.

Niedersächsische Auswertung

In die niedersächsische Auswertung der Grünroggenprüfung fließen der Standort Obershagen im Landkreis Hannover und der emsländische Standort Werlte ein.

In Obershagen konnte der Versuch am 27. 9. termingerecht bei guten Bodenverhältnissen gedrillt werden. In Werlte wurde etwas später, am 10. 10. unter trockenen Bodenverhältnissen gedrillt. Zur Aussaat kamen jeweils 350 Körner/m², was für spätere Termine bei Grünschnittroggen–Populationssorten üblich ist.

 

Milder Winter sorgte für eine zügige Entwicklung

  • Die Sorten Turbogreen und Higreen hatten in Obershagen bereits Ende Februar eine Pflanzenlänge von 20 bis 25 cm bei sehr guter Massenbildung erreicht. Dadurch bedingt, verursachte leichter Schneefall Mitte Februar in diesen Sorten Lager. Zur Ernte konnten sich diese Sorten aber teilweise wiederaufrichten. Blattkrankheiten traten nicht auf.
  • Die Ernte erfolgte in Obershagen am 2. 5. und in Werlte am 13. 5. 19. Trotz relativ geringer Niederschlagsmengen konnten sehr gute Ergebnisse erzielt werden.
  • Die absoluten Trockenmasseerträge lagen mit im Mittel knapp 80 dt TM/ha in Obershagen und im Mittel über 100 dt TM/ha in Werlte weit über denen des Vorjahres und stellten das sehr hohe Ertragspotenzial des Grünroggens unter Beweis.

Spezielle Grünschnittroggensorten

Mittlerweile gibt es 13 speziell für die Nutzungsrichtung Winterzwischenfruchtanbau zugelassene Grünschnittroggensorten. Neben einem hohen Trockenmasseertrag sollte die Standfestigkeit ein weiteres Kriterium für die Sortenwahl beim Grünroggen sein.

  • Im Rahmen der Wertprüfung mit länderübergreifendem integrierten gemeinsamen Anhangssortiment wurden in 2019 zehn zugelassene Grünroggen-Sorten geprüft. Ergänzt wurde das Sortiment in Niedersachsen noch durch die Hybridsorte KWS Progas, die als GPS-Sorte zum Vergleich mitlaufen sollte und die Mischung aus den Sorten Protector und Terogrün, die aufgrund des höheren Rohproteingehaltes insbesondere für Fütterungszwecke interessant ist.
  • Die Sorte Vitallo, die bereits mehrjährig stabile Erträge liefert, günstige agronomische Eigenschaften aufweist und damit auch uneingeschränkt für den Anbau empfohlen werden könnte, wird leider nicht mehr vermarktet.
  • Die Sorten Protector, Turbogreen und Traktor zählen zu den mehrjährig geprüften Sorten, die sich unter niedersächsischen Bedingungen als sehr ertragsstark erwiesen haben und daher uneingeschränkte  Anbauempfehlung erhalten.
  • Die Sorte Spedogreen zeigt ebenfalls mehrjährig stabile Ertragsleistungen, auch in der bundesweiten Auswertung. Sie wird gleichfalls für den Anbau empfohlen.
  • Auch die Sorte Lunator wies besonders in diesem Jahr gute Ertragsleistungen auf und ist für den Probeanbau empfohlen.

In Tabelle 1 sind die Ergebnisse der Jahre 2018 und 2019 über die Standorte Obershagen und Werlte zusammengefasst. Tabelle 2 zeigt die diesjährigen in unseren Versuchen erhobenen Bonituren in den Merkmalen Pflanzenlänge und Lager, ergänzt um die entsprechende Einstufung der Lagerneigung durch das Bundessortenamt.
Der Versuch wird in den nächsten Jahren fortgeführt.

Stickstoff im Herbst?

Eine N-Düngung im Herbst in Höhe von maximal 30 bis 40 kg N/ha ist nur noch möglich, wenn der Grünroggen nach Getreide und bis zum 15.9. bestellt wird und der Boden weder langjährig organisch gedüngt (> 13 mg P/100g Boden) noch humusreich ist. Dies dürfte insgesamt ein eher seltenes Szenario sein.

 

Lesen Sie dazu auch: Hoher Futterwert oder hoher Ertrag?

Auch interessant