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Pflanzenschutz

Herbizide in Mais: Was zu beachten ist

Mais-Pflanzenschutz-Herbizide
Dr. Josef Kuhlmann, LWK Niedersachsen
am
11.04.2019

Mittelfristig fehlen Herbizid-Wirkstoffe für Mais. Was die LWK Niedersachsen zum nachhaltigen Pflanzenschutz empfiehlt.

Neue Herbizid-Wirkstoffe im Mais wird es mittelfristig wohl nicht geben. Deshalb müssen Landwirte neue Wege im Kampf ums Unkraut im Mais ausprobieren.

Auch mit bestehenden Wirkstoffen gibt es immer wieder Probleme, zum Beispiel mit Abbauprodukten (Metabolite) einiger Herbizidwirkstoffe im Gütemessnetz einiger Wasserversorgungsunternehmen. Unter anderem ist davon der Wirkstoff S-Metolachlor in Mais betroffen, der in den Bodenherbiziden Dual Gold und Gardo Gold enthalten ist.

In einigen Wasserschutzgebieten ist der Wirkstoff deshalb vor kurzem per Auflage NW 301 durch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit verboten worden. 

Kostenneutrale Ersatzlösungen

Zum Glück stehen hier kostenneutrale Ersatzlösungen für die Unkrautbekämpfung zur Verfügung. Packs wie z.B. Laudis Aspect Pack, Successor Top 2.0 Pack, Spectrum Gold Duo- und Spectrum Gold Triple Pack oder auch das neue Elumis Triumph Pack bieten sich als Alternativen an.

Wirkstoffrotation sinnvoll

Die Lösung des Problems der Pflanzenschutzmittel-Wassereinträge liegt unseres Erachtens nicht in dem schnellen Verbot von Wirkstoffen, sondern in einer sinnvollen Wirkstoffrotation (Grafik) in den betroffenen Gebieten. Diese sollte in Niedersachsen über die Beratung umgesetzt werden.

Eine weitere Einschränkung der ohnehin schon knappen Wirkstoffpalette birgt die große Gefahr einer Umschichtung des Problems auf die verbleibenden Wirkstoffe – ganz abgesehen von der Förderung von Herbizidresistenzen als weitere mögliche unangenehme Begleiterscheinung.

Wenn eine Wirkstoffrotation oder andere anspruchsvolle Beratungsempfehlungen wirklich funktionieren sollen, bedarf es einer gemeinsamen Anstrengung aller Akteure in der Region. Offizialberatung, Industrieberatung, Handelsberatung, Privatberatung und das Marketing in der gesamten Vermarktungskette müssen an einem Strang ziehen. Hier tauchen allerdings oft Unstimmigkeiten auf. Dann ist das Werkzeug einer konkreten Anwendungsauflage deutlich wirksamer.

Spritzfolgen zunehmend wichtig

Die zurzeit zur Verfügung stehende Wirkstoffpalette bietet auch in schwierigen Situationen (z.B. enge Fruchtfolgen, humusreiche Böden, Spezialunkräuter) weitreichende Lösungen. Sehr entscheidend ist es, bei starkem Unkrautdruck und vor allem frühen Saatterminen günstige Applikationstermine in der Jugendentwicklung des Maises nicht zu verpassen. Hier gewinnen Spritzfolgen eine zunehmende Bedeutung (Grafik).

Bestimmte Bedingungen beachten

Um optimale Wirkungen der Maßnahmen zu erreichen und die Maispflanze nicht zu schädigen, sind verschiedene Bedingungen zu beachten: 

  • Spritzfolge: erste Behandlung im Zwei-Drei-Blattstadium der Kultur mit mindestens 50 % der zugelassenen Aufwandmenge. Eine gezielte Nachbehandlung im Fünf-Sechs-Blattstadium ist zwingend erforderlich und sollte nicht unterlassen werden, auch wenn der Bestand zu dem Zeitpunkt noch relativ unkrautfrei erscheint.
  • Einmal-Behandlung: Diese hat unter norddeutschen Verhältnissen nach wie vor in Fruchtfolgen mit weniger als 50% Maisanteil ihre Bedeutung, vor allem bei späterer Aussaat und damit schnellerem Reihenschluss. In Jahren mit hohen Niederschlägen im Juni kommen die Bodenherbizide voll zur Wirkung und Nachspritzungen sind häufig überflüssig (Grafik unten).
  • Mit der Option auf nur eine Durchfahrt sollte das Vier-Blattstadium der Kultur als optimaler Bekämpfungstermin angestrebt werden. Es sollten mindestens 75 % der Aufwandmengen der Herbizidpacks zum Einsatz kommen. Höher sollten die Aufwandmengen nicht sein, wenn blattaktive Herbizide zugemischt werden (z.B. Sulfonylharnstoffe). Besonders bei trockener Witterung nach der Behandlung sind Nachkontrollen und je nach Bedarf gezielte, preisgünstige Nachbehandlungen zu empfehlen.

Einmalbehandlung bei Fruchtfolge-Auflockerung

In Gebieten, in denen der Maisanbau erst in den letzten Jahren Einzug gehalten hat und damit eher zur Fruchtfolge-Auflockerung beiträgt, ist die Unkrautbekämpfung wenig problematisch. Hier sind Einmalbehandlungen mit blattbetonten Herbiziden in aller Regel ausreichend, weil eine Dauerwirkung wegen geringem Nachlauf von Unkräutern nicht erforderlich ist.

Wenn Ackerfuchsschwanz eine Rolle spielt, wird in aller Regel ein Sulfonylharnstoff ergänzt. In Fruchtfolgen mit Zuckerrüben und Mais ist  zu beachten, dass auf Flächen, wo der Wirkstoff Mesotrione  (Calaris, Callisto) eingesetzt wird der direkte Nachbau von Zuckerrüben nicht ermöglicht ist.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 15/19.

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