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Kartoffelanbau

Wie Sie den intensiven Kartoffelanbau nachhaltiger machen

Kartoffelernte
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
04.03.2019

Nachhaltigkeit und Vorsorge sind entscheidend für den wirtschaftlichen Kartoffelanbau. Tipps gab es auf dem Kartoffeltag in Haren.

Die Zunahme von Quarantäneschädlingen in den intensiven Kartoffelanbauregionen im Emsland zeigt, dass hier in der Vergangenheit die Warnungen der Beratung in den Wind geschlagen wurden. Fruchtfolge scheint für manchen intensiven Kartoffelanbauer nicht so wichtig zu sein. Doch sind Themen wie Nachhaltigkeit und Vorsorge in Zukunft entscheidend für einen wirtschaftlichen Kartoffelanbau. Das zeigte jüngst der Kartoffeltag der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK), Bezirksstelle Emsland, in Haren/Ems.

Die Referenten von links:  Dr. Rolf Peters, Dr. Hendrik Hanekamp, Ekkehard Fricke, Markus Ostermann (VLF Meppen), Dr. Michael Klindtworth und Dr. Vinzenz Bauer (Bezirksstell Emsland).

Vier Vorträge gaben Einblick in die Herausforderungen im Kartoffelanbau von morgen. Dr. Hendrik Hanekamp von der Bezirksstelle Emsland wies auf die starke Konzentration des Kartoffelanbaus im Emsland und der Grafschaft hin. Hier wachsen etwa 30 % der niedersächsischen Knollen. Von den zehn Top-Kartoffel-Gemeinden kommen neun aus dem Emsland mit durchschnittlich 32 % Kartoffelanteil an der Ackerfläche. Sechs Gemeinden entlang der niederländischen Grenze erreichen auch über 35 % Kartoffelanteil.

Herausforderung Pflanzenschutz

Beim Pflanzenschutz stehen Mittel nicht mehr zur Verfügung bzw. laufen aus.

  • Eine einschneidende Veränderung bringt das Zulassungsende von Reglone mit sich. Das Mittel zur Krautabtötung darf nur noch in diesem Jahr eingesetzt werden. Zurzeit gibt es laut Hanekamp keine brauchbare Alternative zu Reglone. Die einzige Möglichkeit: Kraut abschlegeln und anschließend Quickdown oder Shark applizieren.
  • Mit dem Zorvec Enicade Nzep gibt es eine Neuzulassung bei den Krautfäulemitteln. Auch der Wirkstoff ist neu. Empfohlen wird ein Spritzabstand von zehn Tagen. Besonders in kritischen Phasen soll der Wirkstoff „sehr potent“ sein, so Hanekamp. Mit 15 g/ha ist die Menge sehr gering. „Eine tolle Leistung der Forschung“, betonte der Pflanzenschutzberater. Als Solowirkstoff ist er sehr resistenzgefährdet. Deshalb das Mittel nur im Wechsel mit anderen Wirkstoffen anwenden. 
  • Es wurde eine Notfallzulassung für Para Sommer (gegen Blattläuse als Virusüberträger) in Vorstufen- und Basispflanzgut erteilt.

Problem Durchwuchskartoffeln

Duchwuchskartoffeln im Mais

Auf vielen Flächen ist es 2018 durch die Trockenheit zur Kindelbildung gekommen. Die kleinen Knollen drohen als Durchwuchskartoffel dieses Jahr Ärger zu bereiten. Eine wichtige Maßnahme des integrierten Pflanzenschutzes ist daher, diese Knollen im Mais zu bekämpfen.

Durch zu enge Fruchtfolgen und unzureichenden Anbau von resistenten Kartoffelsorten haben sich emsländische Kartoffelanbauer einen resistenten neuen Kartoffelzystennematoden herangezüchtet. Er wird bereits auf etwa 30 ha jedes Jahr nachgewiesen. Es gibt keine resistenten Sorten dagegen. Gegenmaßnahmen: mindestens drei Jahre Anbaupause und nur Pflanzgut von befallsfreien Flächen verwenden.

Herausforderung Landtechnik

  • Eine schonende Technik entlang der gesamten Arbeitskette ist relevant für die spätere Verarbeitung der Knollen. Damit wies Dr. Michael Klindtworth von Grimme auf die Tatsache hin, dass manche Kartoffel in einer anderen Verarbeitungsschiene landet als ursprünglich geplant war.
  • Die  Zunahme von Witterungsextremen wie Trockenheit und Starkregenereignisse beschäftigt auch den Kartoffeltechnikhersteller aus Damme. So können Querdämme den Verlust von Boden nach Starkregen verhindern und ein Feuchtereservoir für Trockenphasen anlegen.
  • Die Unsicherheit bei den Mitteln zur Krautabtötung lässt das Krautabschlegeln wieder in den Fokus rücken.  Allerdings muss für das Krautabschlegeln auch entsprechende Zeit eingeplant werden.
  • Bei der Ernte steht die Steigerung der Ernteleistung für die Praktiker im Vordergrund.  Eine Möglichkeit dazu bietet das Überladen statt Anhalten, was die Flächenleistung um 10 bis 25 % steigern kann.  
  • Ein größerer Schritt, den erste Praktiker in der Region beschreiten, ist der vierreihig arbeitende Selbstfahrer.

Herausforderung Wasser

Mit 50 bis 100 mm negativer Wasserbilanz im Jahr gehört das Emsland laut Ekkehard Fricke von der LWK zu den klassischen Trockenregionen Niedersachsens. Durch das Dürrejahr 2018 ist diese mittlere negative Wasserbilanz noch um das Vierfache überschritten worden.

  • Da der Wasserbedarf immer doppelt so hoch ist wie das Angebot, war die Beregnung 2018 absolut notwendig und immer wirtschaftlich. Der Ertrag konnte in Beregnungsversuchen der LWK im Schnitt um ein Drittel gesteigert werden.
  • Da oft nicht mehr als 80 mm Wasserkontingent den Betrieben zur Verfügung stehen, müssen diese die Wirtschaftlichkeit der Beregnung je Kultur genau betrachten, um das zusätzliche Wasser bestmöglich zu verteilen.
  • Die Beregnung steigert zudem die Ausnutzung der Nährstoffe (vor allem von Stickstoff) und verbessert daher die Nährstoffbilanzen. Ein Aspekt, der durch die Düngeverordnung immer wichtiger wird.
  • Letztlich profitiert auch die Qualität der Kartoffeln von der Beregnung, was wiederum bei deren Vermarktung mehr Verlässlichkeit bedeutet.
  • Da Fricke davon ausgeht, dass der Wasserbedarf bei steigenden Ertrags- und Qualitätsansprüchen weiter zunehmen wird, gilt es, Beregnungssysteme mit geringem Wasserverbrauch bei optimaler Platzierung der Wassergaben in der Praxis zu etablieren. Daher wird zurzeit durch die Landwirtschaftskammer und den Fachverband Feldberegnung e.V. das sehr wassersparende Verfahren der Tropfbewässerung getestet. 

Herausforderung Pflanzgut

Durch den Trockenstress in 2018 sind viele Kartoffeln physiologisch schneller gealtert. Darauf wies Dr. Rolf Peters von der  PotatoConsult UG hin. Das bedeutet, dass daraus gewonnenes Pflanzgut in diesem Jahr schneller keimen wird. Es ist daher wichtig, nicht zu früh zu pflanzen bzw. beste Bedingungen für den Pflanzenaufgang zu schaffen, rät Peters.

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