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Krankheit

Kartoffelkrebs: Ein ernst zu nehmender Schaderreger

Schlepper-Kartoffelroder-Ernte
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
28.01.2019

Gegen Kartoffelkrebs hilft nur strenge Hygiene. Hier neue Erkenntnisse der Pflanzenschutztagung in Bad Fallingbostel.

Krebs-Wucherungen an Kartoffelknollen

Im vergangenen Jahr wurden Dauersporangien des Kartoffelkrebses in der Anhangserde einzelner Kartoffelpartien gefunden - ein heißes Eisen gerade in Kartoffel-Hochburgen rund um Uelzen, Lüneburg oder Celle. Dauersporangien sind die Überdauerungsform des pilzlichen Erregers.

Das Problem ist, dass diese Dauersporangien, die jedes bis zu 300 bewegliche Zoosporen enthält und über die eine erneute Infektion der Kartoffeln erfolgen kann, extrem langlebig (20 bis 40 Jahre), widerstandsfähig sowie kälte- und hitzetolerant sind. Zusätzlich können Dauersporangien die Passage durch den Magen-Darmtrakt der Nutztiere überleben.

Infektionsbedingungen und Sortenanfälligkeit

Die Infektion geht vom Boden aus, berichtete Dr. Luitpold Scheid, Pflanzenschutz-Experte der Bezirksstelle Uelzen der LWK Niedersachsen, auf der Pflanzenschutztagung in Bad Fallingbostel. Knollen, Stolonen, Stängelgrund und Blätter können im Gegensatz zu den Wurzeln infiziert werden.

Die Größe der typischen Wucherungen, die sich nach dem Eindringen der Zoosporen in den Wirtszellen bilden, hängt von den Infektionsbedingungen und der Sortenanfälligkeit ab und schwankt von Stecknadel- bis Faustgröße.

Strenger auf die Hygiene achten

Um eine weitere Ausbreitung zu stoppen, appellierte Scheid an die Bauern, strenger auf die Hygiene zu achten. Das ist deshalb von Bedeutung, weil sich der Pilz über an Maschinen und Kartoffeln anhaftende Erde verbreitet. Dieses kann auch über mit Dauersporangien besetzten Erdanhang bei organischen Düngern geschehen oder über Gärreste, wenn belastete Erde mit in die Anlage gelangt ist.

Auch über Klärschlamm, Abfallerden, Erosion mit Wind und Wasser oder über die Ausscheidungen der Tiere nach der Verfütterung von Kartoffelabfällen ist eine Verbreitung möglich. Unbedenklich scheint dagegen die Verwertung von Kartoffelfruchtwasser zu sein.

Möglichst wenig Erdanhang bei Maschinen und Pflanzkartoffeln

Kartoffelkrebs

Aus diesen Gründen ist es ratsam, auf möglichst wenig Erdanhang insbesondere beim überbetrieblichen Einsatz von Maschinen und Geräten zu achten. Auch Pflanzkartoffeln sollten möglichst wenig Erdanhang aufweisen. Fremde Erden sollten ebenfalls nicht mehr aufgenommen werden.

Die Bauern sollten ferner auf die Herkunft der organischen Dünger achten und weitgestellte Fruchtfolgen einhalten. Kartoffeldurchwuchs ist laut Scheid konsequent zu bekämpfen.

Wirkungsvolles Mittel: Anbau von resistenten Kartoffelsorten

Ein sehr wirkungsvolles Mittel ist der Anbau von resistenten Kartoffelsorten. Die Möglichkeiten sind aber bisher begrenzt. Das Problem ist, so der Berater, dass von den 335 Kartoffelsorten nur 15 Sorten die erforderliche Mehrfachresistenz aufweisen.

Davon verbleiben aber nur sieben Sorten, die gegen die hier auftretenden Rassen 2, 6 und 18 resistent sind. Eine weitere Sorte ist gegen die Rassen 1, 6 und 18 resistent.

Resistenz gegenüber dem Kartoffelkrebs

Über eine vom Julius-Kühn-Institut ermittelte breite Resistenz verfügen die Wirtschaftskartoffelsorten Django, Gandawa (EU), Kuba, Transit und Triton sowie die Speisesorten Megusta und Stefanie.

Stärkekartoffelanbauern steht eine gewisse Zahl an ertragsstarken Sorten zur Verfügung, die niederländischen Ergebnissen zur Folge eine ausreichende Feldresistenz gegenüber dem Kartoffelkrebs besitzen. Hier sind u.a die Sorten Saprodi und Signum zu nennen, die gleichzeitig eine hohe Nematodenresistenz und Nematodentoleranz aufweisen. Auch Sorten wie Euroviva oder Avatar verfügen über eine hohe Feldresistenz gegenüber dem Kartoffelkrebs.

Mehr zum Thema Kartoffelkrebs lesen Sie in der LAND & Forst 05/19.

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