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Kartoffelanbau

Kartoffelzystennematoden: Bauern haben alle Warnungen ignoriert

Kartoffeln in Blüte auf dem Acker
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Werner Raupert, LAND & Forst
am
23.09.2016

Weiße Kartoffelzystennematoden sind in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim ein großes Problem. Das Pflanzenschutzamt hat jetzt die Notbremse gezogen.

Viele Kartoffelerzeuger in den Landkreisen Emsland und Grafschaft Bentheim haben über mehrere Jahre alle Appelle der Beratung zur Bekämpfung des weißen Kartoffelzystennematoden ignoriert. Jetzt müssen sie mit den Folgen leben. 

Am 15. September hat das Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen die Notbremse gezogen und eine Allgemeinverfügung über Maßnahmen zur Bekämpfung des Weißen Kartoffelzystennematoden erlassen. Die Anordnungen (siehe LAND & Forst, Ausgabe 37/16) betreffen die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim.

Kartoffelanbau ohne passende Fruchtfolge

In dieser intensiven Anbauregion hat der Kartoffelanbau mit rund 31.000 ha eine zentrale Bedeutung. Viele Betriebsleiter haben diesen Anbau jedoch zu intensiv betrieben und Fruchtfolgeaspekte völlig ausgeblendet. Arnold Krämer, Leiter der Bezirksstelle Emsland, hatte bereits  auf dem Kartoffeltag in Haren diese Fehlentwicklungen offengelegt.

Danach hat der Kartoffelanbau in einzelnen Gemeinden wie Haren (Ems) mit rund 40 %, Niederlangen mit 36,6 % oder Twist mit 35,5 % einen Anteil an der Ackerfläche erreicht, der sich in keinster Weise mit den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis vereinbaren lässt. Hier wurde teilweise trotz aller Warnungen seitens der Beratung aufgrund kurzfristiger ökonomischer Vorteile ein viel zu enger und intensiver Kartoffelanbau praktiziert.

Falsche Sortenwahl beim Kartoffelanbau

Unbemerkt vom Auge des Beobachters ist es im Untergrund durch falsche Sortenwahl nicht nur zu einer Selektion des Weißen Kartoffelzystennematoden (Globodera pallida) gekommen. Mittlerweile ist zusätzlich nach Angaben des Experten der LWK Niedersachsen, Dr. Stefan Krüssel, noch eine Pathotypenverschiebung von Pa 2 auf Pa 3 zu bemerken. Auch die anderen Kartoffelanbauer in Niedersachsen können sich nicht zurücklehnen. Die Entwicklung hin zu G. pallida ist im ganzen Land zu beobachten.

Die schärfste Waffe, den Befallsgrad zu reduzieren, ist eine weite Fruchtfolge. Sie blieb stumpf, weil viele Kartoffelbauern nicht auf befallsfreie Flächen vor Ort bzw. in Nachbarkreise ausgewichen sind. Eine andere Waffe ist die Auspflanzung hoch resistenter Sorten. Aufgrund fehlender Untersuchungsergebnisse von eigenen Flächen verpuffte auch dieses Mittel. Doch damit nicht genug: Im September 2014 hat man im Emsland einen völlig neuen Virulenztyp nachgewiesen, den „Emsland-Typ“.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst Ausgabe 38/2016 auf Seite 7. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

Einen Kommentar zur Problematik lesen Sie hier...

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