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Körnerleguminosen

Körnerfuttererbsen: Wie Sie den Anbau optimieren

Futtererbse-Koernerleguminosen
Ina Stute und Prof. Bernhard C. Schäfer, FH Südwestfalen, Soest
am
15.02.2018

Körnerleguminosen in der Fruchtfolge bieten viele positive Aspekte wie die Reduktion des N-Einsatzes. Was Sie über den Futtererbsenanbau wissen sollten.

Wenn es um die Standortwahl geht

Bezüglich des Bodens ist folgendes zu beachten:

  • Geringere Standortansprüche als Ackerbohnen.
  • Bevorzugung von humosen, tiefgründige Lehmböden. Die Anbauwürdigkeit ist jedoch auch auf lehmigen Sanden oder flachgründigen Verwitterungsböden gegeben, wenn die Wasserversorgung ausreichend ist.
  • Neutraler Boden mit pH-Wert von 6,2-7 wird bevorzugt.
  • Staunasse oder verdichtete Böden sind ungeeignet.
  • Steine und Unebenheiten des Bodens können Ernteprobleme verursachen.

Körnerfuttererbsen bevorzugen folgende Witterung:

  • Bessere Verträglichkeit von Trockenstress als die Ackerbohne
  • Hoher Wasserbedarf zur Blüte; Vorteilhaftigkeit von Trockenheit zur Reife im Juli und August

Wie Sie die Fruchtfolge gestalten sollten

  • Eingliederung in Fruchtfolge unproblematisch
  • Keine besonderen Anforderungen an die Vorfrucht
  • Pflanze selbst weist gute Vorfruchtwirkung für folgendes Wintergetreide auf, da die Bohnen-Ernterückstände als langsam fließende Nährstoffquelle genutzt werden, was tendenziell zu höheren Proteingehalten führen kann
  • Vermeidung weiterer Leguminosen in der Fruchtfolge oder der Selbstfolge zur Unterbrechung des Lebenszyklus von Krankheits-  und Schaderregern (Anbaupause von mindestens vier bis sechs Jahren sollte eingehalten werden)
  • Raps als Nachfrucht problematisch, da aufgrund des späten Erntetermins der Ackerbohnen das Risiko einer nicht termingerechten Aussaat steigt. Zudem ist die Ackerbohne Wirtspflanze der Weißstängeligkeit (Sclerotinia sclerotiorum). Raps ist jedoch in der Lage, den Stickstoff aus den Ernteresten besonders gut zu nutzen
  • Ausreichender Zeitraum zwischen der Ernte der Vorfrucht und der Aussaat der Ackerbohne (dieser kann für Stroh- und Unkrautmanagement sowie für fruchtfolgeübergreifende Maßnahmen wie Kalkung genutzt werden)
  • Empfehlung des Anbaus der Ackerbohne als Sommerung, da die Aussaat im Frühjahr erfolgt und die Abreife nach Ernte des Winterweizens, was zur Entzerrung von Arbeitsspitzen führt.
  • Zum Anbau der Winterform sollten zunächst Ergebnisse aus der Praxis abgewartet werden
  • Bekämpfung und Unterdrückung des Ackerfuchsschwanzes durch den Einbau als Sommerung
  • Die Ernterückstände haben ein günstiges C/N-Verhältnis und verrotten daher leicht.
  • Mulchsaatverfahren für Folgefrucht, wegen der guten Bodenstruktur nach Körnerleguminosen
  • Deutlich frühere Ernte (Mitte Juli bis Mitte August) beeinflusst die Auswahl der Nachfrucht
  • Die Anbaupause sollte mindestens sechs Jahre betragen

Was Sie bei der Sortenwahl beachten sollten

  • Anbau des Halbblattlosen Typs:  Fiederblätter sind zu zusätzlichen Ranken umgebildet, mit der Folge einer erhöhten Standfestigkeit
  • Auswahl einer standfesten Sorte, selbst bei geringeren Ertragseigenschaften, da die Standfestigkeit letztlich wesentlich den Anbauerfolg beeinflusst
  • Im Hinblick auf die Verwertung als Futter kann der sortenspezifische Rohproteingehalt und für die Verwertung als Saatgut die Tausendkornmasse von Bedeutung sein.
  • Zu betrachtete Ertragseigenschaften:  Rohproteingehalt und Tausendkornmasse. Bezogen auf den Rohproteingehalt können Sortenunterschiede bei bis zu 2 % liegen
  • Reifezeit maßgeblich, um eine etwaige Kollision mit der Weizenernte zu vermeiden
  • Tanningehalt: derzeit zugelassene Futtererbsen-Sorten sind tanninarm

Was Sie bei der Aussaat beachten sollten

Hier die optimalen Aussaatbedingungen für Körnerfuttererbsen:

  • Aussaat ab Mitte März möglich
  • Geringere Frosttoleranz als die Ackerbohne, daher Aussaat, wenn kein Spätfrost zu erwarten ist

Was sollten Sie bezüglich der Aussaatstärke und –verfahren bei Körnerfuttererbsen beachten:

  • Praxisüblich sind Aussaatstärken von 70-80 keimfähigen Körnern/m2
  • Empfohlene Saattiefe:  4-6 cm
  • Empfehlung zur Anwendung des Mulchsaatverfahrens
  • Variable Reihenweite: Bevorzugter Getreideabstand von 12 cm im konventionellen Anbau. Im ökologischen Anbau ist auch ein Reihenabstand von bis zu 30 cm üblich, um den Einsatz einer Maschinenhacke zu ermöglichen
  • Empfehlung zur Verwendung von zertifiziertem Saatgut, da  die Futtererbse für den Befall mit Auflauf- und Fußkrankheiten gefährdet ist

Was Sie zur Düngung wissen sollten

  • Keine zusätzliche Stichstoffdüngung nötig: Eine Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit erfolgt, da Leguminosen in ihren Wurzeln eine Symbiose mit stickstofffixierenden Knöllchenbakterien (Rhizobien) eingeht, ist eine Fixierung des Luftstickstoffs möglich, der unmittelbar von der Pflanze genutzt wird. Eine Rhizobien-Impfung des Saatgutes  ist lt. aktueller Versuche für die Knöllchenbildung auch nach langer Anbaupause nicht notwendig.
  • Positive Reaktion der Ackerbohne auf eine ausreichende Grundnährstoffversorgung. Diese sollten im Rahmen der für die Fruchtfolge abgestimmten Grunddüngung berücksichtigt werden.
  • Erbsen weisen jedoch einen höheren Molybdänbedarf als Ackerbohnen auf.

Was Sie gegen Unkräuter und Ungräser tun sollten

  • Unkrautbekämpfung im Vorlauf wichtig, da aktuell wenig geeignete Möglichkeiten der Unkrautbekämpfung im Nachauflauf zur Verfügung stehen, Gräserbekämpfung (Ausfallgetreide und Ungräser) mit den üblichen Präparaten möglich
  • Notwendigkeit der Vorauflaufbehandlung unter besten Voraussetzungen wie:
    - ein abgesetztes, feinkrümeliges und feuchtes Saatbett,
    - Strohbedeckungsgrad deutlich unter 40 % (sonst Einschränkung der Wirksamkeit des
       bodenwirksamen Herbizids)
  • Anwendung nur 5-7 Tage nach der Saat möglich, da es sonst zu Schäden an der Kultur kommen kann
  • Mechanische Unkrautbekämpfungen durch Verschütten oder Ausreißen kleiner Pflanzen ist unter trockenen Bedingungen möglich
  • Mechanische Unkrautbekämpfung ist wegen der Restverunkrautung und möglicher Pflanzenschädigungen (Rankenbildung) problematisch

Was Sie gegen Schadinsekten tun sollten

  • Erbsenblattlaus: Wuchsstauchungen und reduzierte Anlage von Blüten und Hülsen. Bekämpfung ist schwer möglich, da sie sich in den eingerollten Blättern befinden bzw. sich bei Erschütterung auf den Boden fallen lassen. Erbsenblattlaus gilt als Überträger des Nanovirus.
  • Larven des Erbsenwicklers: Schädigung des sich entwickelnden Samens innerhalb der Hülse. Chemische Bekämpfung ist mit einem Insektizid aus der Wirkstoffgruppe der Pyrethoride generell möglich, der Einsatzzeitpunkt ist jedoch schwer zu terminieren
  • Blattrandkäfer: Schadbild und Schadschwelle entsprechend denen bei der Ackerbohne

Was Sie gegen pilzliche Erkrankungen tun sollten

  • Brennfleckenkrankheit: Erkennbar an den bis zu 1 cm großen, hellbraunen oder grauen Flecken. Diese sind deutlich eingesunken und von einem dunklen, etwas erhöhten Rand eingefasst. Verwendung von Z-Saatgut hilft, den Befall zu verringern
  • Grauschimmel: Erkennbar zunächst auf den Blättern durch hellbraune Flecken. Diese gehen dann auf Stängel und Hülsen über und bilden dort einen weißlich grauen Pilzrasen aus. Eine chemische Bekämpfung des Erregers ist bei Befall nicht möglich
  • Fußkrankheiten: Erkennbar an Wuchsdepression, gelblicher Verfärbung der Blätter, ausgelöst meist durch Phoma-, Fusarium- oder Rhizoctoniaarten. Teilerfolge sind in der Bekämpfung durch Saatgutbeizung zu erzielen. Wichtig zum Schutz ist die Einhaltung von Anbaupausen

Körnerfuttererbsen: Wenn es um die Ernte geht

  • Ernte erfolgt Mitte Juli bis Mitte August und somit deutlich früher als bei der Ackerbohne
  • Ernte sobald die Hülsen hellbraun und die Körner hart sind (Kornfeuchte von 15-17%)
  • Vorteilhaftigkeit von Trockenheit zur Ernte, da hohe Niederschlagsmengen die die Lagergefahr erhöhen
  • In lagernden Beständen haben sich spezielle Halmheber am Tisch des Mähdreschers bewährt.
  • Zu geringe Kornfeuchten (<15%) bei der Ernte führen zu Bruchkorn.
  • Lagerfähigkeit bei Kornfeuchten von 12-14% gegeben
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