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Getreide

Lukrative Prämie für Braugerste

von , am
16.07.2014

Die Braugerstenerzeuger blicken mit großer Zuversicht der kommenden Ernte entgegen, dank der frühen Aussaat, hoher Bestandesdichten und dem optimalen Witterungsverlauf mit gut verteilten Niederschlägen.

Bei der Braugerstenrundfahrt im Raum Edemissen hat sich wieder gezeigt, dass die Bauern diese Spezialfrucht hervorragend führen können. © Raupert

Die Braugerstenrundfahrt wurde in diesem Jahr in der Region Edemissen-Abbensen-Dedenhausen durchgeführt. Fünf Braugerstenschläge wurden angefahren und von etwa 60 Experten aus der Landwirtschaft, Beratung, Züchtung und Verarbeitungsindustrie begutachtet.

Gute Voraussetzungen


Die Bestände präsentierten sich auch bei der dominierenden Sorte Quench trotz der erhöhten Stickstoffgabe um 30 kg N/ha fast lagerfrei. Dadurch soll ein höherer Ertrag herausgekitzelt werden, ohne dass der Rohproteingehalt den Grenzwert von 11,5 % überschreitet. Die Voraussetzungen für eine gute Ernte sind in 2014 optimal. Die Aussaat war aufgrund des milden Winters sehr früh und lag zwischen dem 3. und 20. März. Insgesamt wurde wieder eine Fläche von etwa 18.000 ha mit Braugerste bestellt. Bundesweit ist Braugerste auf knapp 270.000 ha ausgedrillt worden. Aufgrund fehlender Spätfröste konnten die Saaten zügig aufwachsen und sich gut entwickeln. Die Bestände stehen dicht bis sehr dicht (870 bis über 1.000 Ähren/m2) und weisen eine hohe Bestockungsrate auf.

Bei der Sortenwahl sind die Bauern weitgehend der Empfehlung der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Niedersächsischen Braugerstenanbaus gefolgt und haben zu 80 % Quench und zu 20 % die 2012 zugelassene Sorte Overture ausgedrillt. Letztere Sorte ist nach Angaben des Geschäftsführers der AG, Andreas Lege, speziell aufgrund der Forderung der Verarbeiter nach einer Sorte mit anderen Lösungseigenschaften in die Empfehlung gerutscht. Vom Berliner Programm hatte Overture keine Verarbeitungsempfehlung erhalten. Diese Qualifikation konnte zwar die Sorte Solist vorweisen. Aufgrund des fehlenden Saatgutangebots im Frühjahr kam sie aber nicht für die Aussaat in Frage. Für 2015 soll genügend Saatgut zur Verfügung stehen. Von Solist sind 2014 knapp 80 ha zur Vermehrung angemeldet, von der führenden Sorte Quench etwa 400 ha und von Overture 57 ha in Niedersachsen.

Aus den Erfahrungen des Vorjahres, als man bundesweit eher mit zu geringen als zu hohen Rohproteinwerten zu kämpfen hatte, hat die Arbeitsgemeinschaft ihre Lehren gezogen.

Ganz im Sinne der Landwirte, durch eine Ertragssteigerung den Anbau der Braugerste wirtschaftlicher zu machen, war den Bauern eine Steigerung der Stickstoffmenge um 30 kg/ha bei Quench empfohlen worden. Diese Sorte setzt die höhere N-Menge in Ertrag um, ohne dass sich dies negativ auf die Rohproteingehalte niederschlägt. Die Verarbeiter profitieren davon auch, denn Rohproteinwerte unter 9 % sind nicht ideal. Auch mit der Sorte Overture laufen Versuche in dieser Richtung (+30 kg N/ha); die Ernte wird zeigen, ob auch hier eine höhere N-Menge problemlos empfohlen werden kann. Auswertungen aus den letzten drei Jahren bei der Sorte Quench zeigen, so Lege, dass bei +30 kg N/ha der Ertrag um 7 % in 2011 und 2013 gesteigert werden konnte, ohne dass die Rohproteinwerte kritische Bereiche erreichten.

Wachstumsregler?

Kritik kam auf der Rundfahrt auf, weil die Verarbeiter nach wie vor einen Einsatz von Wachstumsregulatoren aufgrund möglicher Rückstände im Rohstoff ablehnen. Hier wünschen sich die Züchter und die Landwirte eine Präzisierung, da nicht alle Wirkstoffe negative Eigenschaften aufweisen. Gerade vor dem Hintergrund der erhöhten N-Düngung dürfte das Thema Standfestigkeit wieder an Bedeutung gewinnen, denn das Lagerrisiko wird in Jahren mit Starkniederschlägen zunehmen. Um die Qualitäten auch unter solchen Bedingungen abzusichern, sei es an der Zeit, über neue Konzepte beim Einsatz von Wachstumsregulatoren nachzudenken, hieß es.

Bei der Rundfahrt zeigte sich, dass die Praktiker in der Region Edemissen oft bereits in der ersten Märzwoche die Aussaat vollzogen haben. Je nach Nmin-Werten wurden zwischen 80 und 120 kg Gesamt-N ausgebracht. Beim Pflanzenschutz hat sich in diesem Jahr aufgrund der feuchten Witterung eine zweimalige Fungizidmaßnahme durchgesetzt. Einsparungen konnten die Bauern dagegen bei der Beregnung vornehmen. Aufgrund der gut verteilten natürlichen Niederschläge war in der Regel ein dreimaliger Einsatz mit Wassermengen zwischen 75 und 90 mm zur Versorgung der Bestände ausreichend.

Vermarktungsfragen


Kurz vor der Haupternte geht der Blick naturgemäß auf die Preise. Eine kurze Situationsbeschreibung nahm in der Abschlussbesprechung auf dem Betrieb von Heinrich Edeler, Rittergut Ankensen, der Vermarktungsexperte der Agravis Raiffeisen AG, Alfred Reisewitz, vor. Seinen Angaben zur Folge haben sich die Landwirte richtig verhalten, die im Winter bereits die Vorvertragsangebote des Handels in Höhe von 195 bis 200 €/t angenommen haben. Insgesamt sollen bereits etwa 40 bis 50 % der Mengen unter Vertrag genommen worden sein.

Mit dem Absinken der Preise für die Leitkultur Weizen haben sich auch die Preise für Gerste nach unten angepasst. Für Futtergerste werden zurzeit um die 140 €/t geboten, für Braugerste liegen die Angebote derzeit bei rund 180 €/t (Winterbraugerste 165 €/t). Das bedeute eine lukrative Prämie für Braugerste von 40 €/t, hielt Reisewitz fest. Das werde so bleiben, bis feststehe, welche Qualität die Ernte 2014 bringt.

Für den Zeitraum bis Ende August/Anfang September erwartet der Experte durch agressive Preisangebote der Schwarzmeerländer zunehmenden Druck auf dem Getreidemarkt. Bei der Braugerste sollte man deshalb nicht in Panik verfallen, weil schon große Mengen per Vorvertrag fixiert seien. Im Frühjahr werde sich der Markt insgesamt wieder stabilisieren. Viel hänge bei der Braugerste naturgemäß von der Qualität der Ware ab. Hier werde das Erntewetter den letzten Ausschlag geben.

Fazit


In der Ernte sollte man besser keine Ware verkaufen. Auch der Vorsitzende der AG, Gerhard Rott, empfahl den Braugerstenerzeugern, erst noch abzuwarten und dann den Verkauf über mehrere Zeitpunkte zu verteilen.
Von Brauern und Mälzern kommen meist positive Signale. Durch die erfolgreiche Fußballweltmeisterschaft dürfte der Bierkonsum gestiegen sein, was gerade im Zusammenhang mit der Preisanhebung in diesem Jahr für Optimismus sorgt. Auch die Mälzer berichteten von einem "geschmeidigen Absatz". Insbesondere das Auslandsgeschäft laufe sehr gut.
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