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Feldtag

LWK-Feldtag: Altes Wissen wieder neu entdecken

Feldtag-Fruchtfolgen
am Mittwoch, 29.05.2019 - 12:05

Lange Zeit war die Gestaltung von Fruchtfolgen vorwiegend ökonomisch. In einseitig ausgerichteten Fruchtfolgen kam es oft zu pflanzenbaulichen Problemen. Was nun?

Es wird Zeit, eingefahrene Gleise zu verlassen und auf mehrgliedrige Fruchtfolgen umzusteigen. Doch die Wahl der Fruchtfolge hängt von weit mehr Faktoren ab als nur von der kurzfristigen monetären Betrachtung.

Grund genug, sich zurückzubesinnen. Zu enge oder zu einseitig ausgerichtete Fruchtfolgen können zu phytosanitären Problemen führen, die mit Hilfe von Pflanzenschutzmaßnahmen nur unzureichend oder gar nicht bekämpft werden können.

Zu den sogenannten Fruchtfolgekrankheiten und Fruchtfolgeschädlingen zählen beispielsweise

  • Schwarzbeinigkeit,
  • Halmbruch und bodenbürtige Viren im Getreide;
  • Kartoffelkrebs; Zystennematoden;
  • Maiszünsler und Maiswurzelbohrer;
  • Kohlhernie, Sclerotinia und Verticillium im Raps;
  • Rhizoctonia in Mais, Kartoffeln und Rüben und noch einige mehr.

Der drohende Wegfall einiger Pflanzenschutzwirkstoffe und immer mehr Anwendungsauflagen verschärfen die Probleme.

Starker Ackerfuchsschwanzbesatz in einem Winterweizenbestand, Feldausschnitt

Besonders dort, wo bereits Herbizidresistenzen zum Beispiel beim Ackerfuchsschwanz oder anderen Unkrautarten auftreten, wird deutlich, dass hier nur noch über die Fruchtfolge in Verbindung mit Bodenbearbeitung und Saatzeit reagiert werden kann.
Auf einigen Marsch-Standorten ist die Resistenzentwicklung beim Ackerfuchsschwanz sogar schon so weit fortgeschritten, dass nur noch über mehrjährigen Ackerfutterbau der Besatz wieder reduziert werden kann.

Finanzielle Verluste sind in solchen Fällen unvermeidbar und können sehr schmerzhaft sein. Damit es erst gar nicht so weit kommt, muss vorher gehandelt werden.

Situation entspannt sich

  • Durch den Wechsel von Sommerungen und Winterungen wird der Selektionsdruck auf sommer- oder winterannuelle Ungräser und Unkräuter reduziert. Gleichzeitig wird verhindert, dass sich ein einseitiger Besatz zum Beispiel mit Ackerfuchsschwanz aufbaut.
  • Auch der Wechsel von Halm- und Blattfrüchten bringt pflanzenbauliche Vorteile. Durch den Verzicht von engen Getreidefolgen wird der Krankheitsdruck (z.B. Halmbruch) reduziert, und Fungizidmaßnahmen können eingespart werden.
  • Viele Blattfrüchte wie Raps oder Leguminosen hinterlassen zudem eine gute Bodenstruktur. Die lässt einerseits eine reduzierte und schonende Bodenbearbeitung zu und ermöglicht andererseits eine gute Wurzelentwicklung mit hoher Nährstoffausnutzung. Die Erträge von Getreide nach Blattvorfrucht liegen dementsprechend auch häufig deutlich über denen des Stoppelgetreides.
  • Mit Blick auf den Erhalt der Bodenstruktur ist weiterhin darauf zu achten, dass humuszehrende Kulturen wie Rüben, Kartoffeln oder Silomais nicht in zu dichter Folge stehen. Für eine ausgeglichene Humusbilanz können ebenso der Verbleib des Strohs auf dem Acker wie der Zwischenfruchtanbau sorgen. Letzterer kann in erosionsgefährdeten Lagen auch einen wertvollen Beitrag zum Schutz vor Bodenverlust leisten sowie Nährstoffe vor Auswaschung schützen.

Zwischenfrucht einbauen

Auch die Wahl der Zwischenfrucht muss dabei im Kontext der Fruchtfolge gesehen werden. Um phytosanitäre Probleme zu vermeiden, sollte auf Kreuzblütler wie Senf in Rapsfruchtfolgen (Kohlhernie) oder auf Phacelia in Kartoffelfruchtfolgen (viröse Eisenfleckigkeit) verzichtet werden.

Bei der Gestaltung der optimalen Fruchtfolge müssen natürlich auch die betriebswirtschaftlichen Aspekte beachtet werden. Gibt es für Leguminosen keine lukrativen Absatzmöglichkeiten, so ist die Integration in die Fruchtfolge trotz der unbestrittenen pflanzenbaulichen Vorteile nicht ohne weiteres möglich. Ebenso müssen betriebliche Restriktionen zum Beispiel bei der benötigten Futteranbaufläche beachtet werden.

Trotzdem muss klar sein: Langfristig zu enge und einseitige Fruchtfolgen können deutlich höhere finanzielle Verluste verursachen als die kurzfristig vermeintlich weniger lukrative Erweiterung der Fruchtfolge und Integration von Arten mit geringen Deckungsbeiträgen.