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LWK-Feldtag in Poppenburg: Integrierter Pflanzenschutz immer wichtiger

Pflanzenschutz-Spritzen
Dr. Christoph Brandfaß, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Northeim
am
28.05.2019

Vorfrucht, Sorte, Bodenbearbeitung: Beim LWK-Feldtag in Poppenburg bei Hildesheim geht es auch um Integrierten Pflanzenschutz.

Durch den Wegfall vieler Pflanzenschutzmittel erlangen pflanzenbauliche Maßnahmen eine immer größere Bedeutung in der Bestandsführung. Vorfrucht, Sorte und Bodenbearbeitung werden wichtiger. Das ist ein Thema auf dem Feldtag der LWK-Niedersachsen in Poppenburg bei Hildeheim am 6. Juni.

Im Sinne des Integrierten Pflanzenschutzes ist es unerlässlich, solche Maßnahmen verstärkt einzusetzen. So können allein durch die Verschiebung des Saattermins im Winterweizen Pflanzenschutzmittel eingespart werden.

Im Bereich der Beikrautregulierung sorgt eine Verschiebung des Aussaattermins des Winterweizens für einen geringeren Unkrautauflauf im Herbst. Besonders wichtig wird dieser Effekt bei der Kontrolle von Ackerfuchsschwanz, der sehr gut an frühe Aussaattermine angepasst ist.
Dies wird auch deshalb wichtiger, weil die chemische Kontrolle des Ackerfuchsschwanzes auf immer mehr Standorten schwieriger wird. Das liegt einerseits an stark zunehmenden Resistenzen bei dem Ungras und andererseits an immer weniger verfügbaren Pflanzenschutzmitteln aufgrund von regulatorischen Einschränkungen.

Striegeln zur mechanischen Unkrautbekämpfung

Eine zunehmende Bedeutung erhält auch im konventionellen Weizenanbau der Einsatz des Striegels zur mechanischen Unkrautbekämpfung. Das gilt besonders dann, wenn der konventionelle Pflanzenschutz an seine Grenzen stößt.

Auch bei der Schädlingsbekämpfung sind deutliche Effekte der Saatzeitverschiebung zu erwarten. So werden regelmäßig besonders die Weizenfrühsaaten noch im Herbst von Getreideblattläusen beflogen und müssen gegebenenfalls durch den Einsatz von Pyrethroiden vor der Übertragung von Verzwergungsviren geschützt werden.

Resistenzen nehmen zu

Mit Blick auf die Krankheitskontrolle fördern frühe Saattermine eine Krankheitsentwicklung schon im Herbst. Besonders zu nennen ist hier neben Septoria tritici der Erreger des Halmbruches. Dessen Infektionen werden gefördert, wenn Sporen in schon bestocktem Weizen über einen längeren Zeitraum bei moderaten Temperaturen mithilfe von Regenspritzern in die Blattscheiden gespült werden.

Auch bei diesem Erreger ist die chemische Bekämpfung nicht nur teuer, sondern in den letzten Jahren auch regelmäßig nicht zufriedenstellend in der Wirkung gewesen. Deshalb sollte ein erhöhtes Halmbruchrisiko von vornherein vermieden werden. Bei der Kontrolle von Septoria tritici sind es wie beim Ackerfuchsschwanz wieder die wegfallenden Wirkstoffe und die zunehmenden Resistenzen, die die chemische Kontrolle immer schwieriger werden lassen.

Neben dem Saatzeitpunkt spielt hier auch die Krankheitsresistenz der Weizensorten eine immer wichtigere Rolle im Rahmen des Werkzeugkastens des integrierten Pflanzenschutzes.

Pflanzenschutz auf notwendiges Maß begrenzen

Üppige Weizenbestände erfordern einen deutlich höheren Aufwand bei der Wachstumsregulierung als normal entwickelte Bestände. Auch hier hat der Saattermin einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Intensität der Bestandesentwicklung und Bestandesführung.

Hinsichtlich der Erträge zeigt ein mehrjähriger Vergleich von Frühsaaten und normalen Aussaatterminen auf einem Lehmstandort keine Unterschiede. Im Rahmen der Ertragsoptimierung sollte der Pflanzenschutz auf das notwendige Maß unter Berücksichtigung aller Möglichkeiten der Bestandesführung begrenzt werden.

Technik im praktischen Einsatz

Pflanzenschutz-Maschinenvorfuehrung

Die praktische Demonstration auf dem Feldtag mit einem Pflanzenschutzgerät soll deutlich machen, wie Einträge in Gewässer oder angrenzende Flächen verhindert werden können. Gezeigt werden in Poppenburg abdriftmindernde Technik, der Einsatz von Randdüsen, Düsenschaltungen vom Fahrersitz aus und das Erkennen der daraus resultierenden Möglichkeiten, um Verwehungen von Spritzflüssigkeit aus der Kulturfläche zu vermeiden.

Gemäß § 12 PflSchG dürfen Pflanzenschutzmittel nicht in oder unmittelbar an oberirdischen Gewässern angewendet werden. Für das Dienstgebiet der LWK Niedersachsen gilt, dass zur Böschungsoberkante von Gewässern ein mindestens 1 m breiter Streifen nicht behandelt werden darf.

Wenn bis zur Böschungsoberkante gesät und die Fahrgasse entsprechend angelegt worden ist, müssen die äußeren zwei Düsen geschlossen werden. Zusätzlich wird die dritte Düse durch eine Randdüse (asymmetrischer Spritzfächer) ersetzt.

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