Login
Pflanzenbau

LWK-Feldtag: Die Sorte macht den Unterschied

Aussaat
Carsten Rieckmann, LWK Niedersachsen
am
29.05.2019

Die Rahmenbedingungen im Pflanzenbau ändern sich. Da ist es sinnvoll, bei der Fruchtfolgegestaltung über Erweiterungen der angebauten Kulturen nachzudenken. Auch die Sortenwahl gewinnt an Bedeutung.

Die Fülle der Sorten-Neuzulassungen macht es dem Landwirt nicht einfacher, die für seinen Standort und die vorgesehene Nutzungsrichtung geeigneten Sorten auszuwählen. Dazu kommt die Frage, ob die heutigen Bestellverfahren bei der Getreideaussaat auch morgen noch Stand der Technik sind. Zu diesen Fragestellungen möchte die LWK Niedersachsen auf dem Feldtag in Poppenburg ihre Versuche und Demonstrationen vorstellen.

Wichtige Fragestellungen

Drastische Ertragseinbußen aufgrund von Trockenheit haben im vergangenen Jahr vielerorts deutlich gemacht, dass nicht auf allen Flächen auch alle Kulturen unproblematisch angebaut werden können. Unter Stressbedingungen wie in 2018 zeigten sich deutliche Unterschiede im Hinblick auf die Standortansprüche (hier vor allem Wasserbedarf) der Kulturen. Insbesondere auf den leichteren Standorten muss ernsthaft die Frage gestellt werden, ob statt Weizen- nicht  Roggenanbau die sinnvollere Anbaualternative wäre.

Anlehmiger Standort

Dies zeigte sich auf einem anlehmigen Standort mit 51 Bodenpunkten im Raum Gifhorn bei extremen Niederschlagsdefiziten im vergangenen Jahr sehr eindrucksvoll. Der Parallelanbau machte die unterschiedlichen Kulturansprüche an die Wasserversorgung drastisch deutlich. Die Erträge (ohne Beregnung) von Weizen lagen bei 34 dt/ha, bei Triticale bei 48 dt/ha und bei Roggen bei 59 dt/ha. Vor dem Hintergrund einer stärkeren Reglementierung der zur Verfügung stehenden Beregnungsmengen ist zu überlegen, welche Kulturen künftig weiter beregnet werden können bzw. sollten. So sichert ein Wechsel auf trockentolerantere Kulturen wie z.B. Roggen die Beregnungsmöglichkeiten für Hackfrüchte oder Braugerste.

Mit der Sortenwahl beginnt die Planung

Mit der Frage nach der richtigen Sorte beginnt für den Landwirt die Planung für das neue Anbaujahr. Nach der Ernte werden die Ergebnisse der Landessortenversuche (LSV) analysiert. Um die Beurteilung neuer, erstmalig geprüfter Sorten belastbarer zu machen, werden auch die Ergebnisse von Vorprüfungen wie Wert- und EU-Prüfungen sowie die Bundessortenversuche in die mehrjährige Auswertung und Ergebnisdarstellung mit einbezogen.

Die Ertragsleistungen der Sorten sind ein wichtiges Entscheidungskriterium. Zunehmend spielt jedoch auch die Robustheit gegenüber Krankheiten eine wichtige Rolle. Mit dem Wegfall wichtiger Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel ist die Sortengesundheit gefragter denn je. Durch die Prüfung der Sorten ohne bzw. mit optimiertem Fungizideinsatz können Rückschlüsse auf die Behandlungsnotwendigkeit der Sorten abgeleitet werden. 

Das Gros der niedersächsischen Qualitätsweizenproduktion findet in den intensiven Ackerbauregionen Süd- und Südosthannovers statt. Wichtige Entscheidungskriterien bei der Sortenwahl bilden dabei zusätzlich auch die entsprechenden Qualitätsparameter wie Fallzahl, Fallzahlstabilität, Backeigenschaften und Eiweißgehalt. Entsprechende Untersuchungen an den Prüfsorten geben auch hierzu belastbare Ergebnisse.

Getreide Einzelkornsaat?

Die gleichmäßige Verteilung von Pflanzen bei der Aussaat ist das Ziel einer jeden Bestandsetablierung. Während in Kulturen wie Rüben und Mais die Einzelkornsaat in der Praxis üblich ist, war für Getreide mit Saatstärken von 150 bis 450 Kö/m2 die Drillsaat das gängige Bestellverfahren. Neuere technische Entwicklungen in Richtung Einzelkornsaat sind seit einigen Jahren auch für Getreide in der Erprobung. Es gibt bereits einzelne Landtechnikanbieter mit praxisnahen Geräten.

Erste Ergebnisse im Versuchsmaßstab zeigen positive Ergebnisse, die es künftig auch unter Praxisbedingungen zu untermauern gilt. Inwieweit sich durch die Einführung der Einzelkornablage auch Einsparungen in der Saatstärke und mögliche Ertragsvorteile ergeben, ist Gegenstand von Versuchen, die ebenfalls auf dem Feldtag in Poppenburg begutachtet werden können.

Lesen Sie auch: Pflanzenbauer treffen sich in Nordstemmen

Auch interessant