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Landwirtschaftskammer

Maisreifeprüfung in Niedersachsen: Bessere Bestände reifen normal ab

Mais-Reifepruefung-Niedersachsen
am Freitag, 17.08.2018 - 08:53

Der Wassermangel wirkt sich auch auf die Maisbestände negativ aus. Das zeigen die Ergebnisse der Reifeprüfung durch die LWK Niedersachsen.

Die Trockenheit fordert ihren Tribut, auch von den Maisbeständen. Die Ergebnisse der Probebeerntung der Landwirtschaftskammer zeigt deutliche Einflüsse des Wassermangels.

Flächendeckend hat es inzwischen endlich mehr oder weniger Niederschläge gegeben. Sie dürften dem Mais vielfach noch helfen, eine einigermaßen normale Abreife zu erreichen.

Nachfolgend können Sie die Ergebnisse der Maisreifeprüfung 2. Mitteilung als Tabelle und Grafik herunterladen.

Kolbenarm/kolbenlos

Dies gilt leider nicht für kolbenarme bis kolbenlose Bestände. Diese werden sich aktuell durch die Niederschläge mit Wasser vollgesogen haben und können erstmal nicht gehäckselt werden. Es muss mit sehr niedrigen Trockensubstanz(TS)-Gehalten gerechnet werden.

Gleichzeitig beginnen die abgestorbenen Blätter sich zu zersetzen. Schwärzepilze sorgen dafür, dass ein muffiger Geruch entsteht.

Der Standort Borgholt zeigt TS-Gehalte eines kolbenarmen bis kolbenlosen Bestandes. Die TS-Gehalte differenzieren zwischen den Reifegruppen so gut wie gar nicht, weder bei den kaum vorhandenen Kolben, noch in der Restpflanze.

Solche Bestände sollten nach einigen trockenen Tagen und vor den nächsten Niederschlägen kurz gehäckselt werden, um eine weitere Wertminderung durch Verholzung, eine schlechtere  Silierbarkeit und weitere Zersetzungsprozesse zu vermeiden.

Bestände mit Kolben

Bestände mit Kolben, wenn auch nicht vollständig besetzt, können sich noch weiterentwickeln. Hier sollte nicht überstürzt reagiert werden, da diese Pflanzen mit dem Regen weiterhin Zuwachs in Form von Stärke umsetzen können. Erst wenn kaum mehr grüne Blätter vorhanden sind, sollte auch hier über eine vorzeitige Ernte nachgedacht werden.
 

Reifeentwicklung

Bedingt durch die hohen Temperaturen und die intensive Sonneneinstrahlung der letzten Monate ist der Mais in seiner physiologischen Entwicklung sehr weit. Selbst relativ spät gesäte Hauptfruchtbestände haben kaum Entwicklungsrückstand, solange der Wassermangel nicht zu groß wurde.

Dies lässt sich gut an den ermittelten Kolben-TS-Gehalten der zweiten Maisreifeprüfung ablesen, denn der Kolbenwert ist am wenigsten durch Trockenheit zu beeinflussen. Der bereits am 20. April gesäte Mais am Standort Lohne-Wietmarschen ist der Region Süd mit rund 7 % Vorsprung im Kolben um etwa eine Woche voraus. Dieser Standort spiegelt die Reifesituation in der Grafschaft und dem südlichen Emsland wider.

Hier zeigt sich, wie an fast allen Standorten, ein deutlicher Trockenheitseinfluss durch die schon sehr hohen TS-Gehalte in der Gesamtpflanze (siehe Tabelle, rote  Zahlen). Während die Kolbenwerte noch keine Silierreife zeigen, weist der Gesamtwert bereits zu hohe TS-Gehalte aus.

Durch die Niederschläge ist zu erwarten, dass sich die Pflanzen, besonders die Stängel, wieder mit Wasser vollsaugen und sich so die Gesamt-TS-Gehalte ein Stück weit reduzieren und normalisieren. Dies würde den Beständen guttun, denn so könnte die Kolbenentwicklung einigermaßen ungestört abgeschlossen und noch Ertrag und Qualität gebildet werden.

Region Süd

Für die Region Süd kann bei besser wasserführenden Standorten bereits ab etwa 20.8. bei frühen Sorten mit der Silierreife gerechnet werden. Mittelfrühe Sorten werden noch bis zum 25.8. brauchen, um die angestrebten Kolben-TS-Gehalte zu erreichen. Bei mittelspäten Sorten sollte die Ernte, je nach weiterer Witterung, etwa zum Monatswechsel angestrebt werden.

Region Ost

Im östlichen Niedersachsen wird Silomais häufig beregnet. Dies gilt auch für die Standorte der Maisreifeprüfung, wodurch zu erklären ist, warum die TS-Gehalte in Obershagen so „normal“ sind. Rechnet man hier sowohl die Kolbenentwicklung als auch die Gesamtentwicklung hoch, kommt man zum selben Reifetermin.

Am Standort Soltau zeigt sich hingegen schon erneut Wassermangel. Hier sollte unter Umständen über eine weitere Beregnung nachgedacht werden, da mittelfrühe und mittelspäte Sorten noch drei bis vier Wochen Entwicklung vor sich haben (ab Probenahmetermin).

Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen zeigt sich der Standort Rockstedt bei Zeven am weitesten entwickelt. Nach dem Entwicklungsstand der Kolben ist mit der Silierreife für frühe und mittelfrühe Sorten ab Anfang bzw. Mitte September zu rechnen. Jedoch sollte bei anhaltendem Wassermangel nicht mehr allzu lange gewartet werden, da die Gesamt-TS-Gehalte dann vermutlich über 40 % steigen und die Verdichtbarkeit schwieriger wird.

Selbst in der Marsch (Standort Otterham) zeigen sich ungewöhnlich hohe TS-Werte für die Gesamtpflanze (Tabelle), ähnlich wie am Sandstandort Ankelohe. Bei weiterhin einigermaßen normaler Entwicklung kann in Küstennähe, ausgehend vom Kolben, bei frühen Sorten ab Mitte September mit dem Erreichen der Silierreife gerechnet werden.

Sollten hier mittelfrühe Sorten angebaut worden sein,  werden diese etwa eine Woche später erntereif sein. Zwischen Marsch und Geest zeichnet sich, auch abhängig vom Saattermin, ein Entwicklungsunterschied von etwa einer Woche ab.

Bestände genau beobachten

Die Bestände sind jetzt genau zu beobachten. Zum Teil findet man innerhalb einer Fläche größere Abreifeunterschiede. Nach der Ernte besonders kolbenarmer Bestände muss mit verstärktem Auftreten von Gärgasen gerechnet werden. Die Abdeckung sollte entsprechend schwer sein (Gärgashaube nicht ablassen, gesundheitsschädlich).