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Kartoffeln

Mehr Kartoffelgeld ins KPW-Gebiet

von , am
21.01.2014

Das Unternehmen AVEBE will nun auch in Deutschland den Anbau von Stärkekartoffeln mit Qualitätsprämien attraktiver gestalten und die Erzeugerpreise erhöhen. Die Bauern beurteilen das Modell noch skeptisch.

Im vergangenen Jahr standen viele Kartoffelschläge in einigen Regionen Niedersachsens länger unter Wasser. Das hat Ertrag und Qualität gekostet. © AVEBE, Zillmer
Den Frust der Landwirte über die zurzeit unzureichenden Erlöse für Stärkekartoffeln haben teilweise auch die Verantwortlichen der AVEBE auf den Regionalveranstaltungen im Bezirk Prignitz-Wendland (KPW) in der vergangenen Woche zu spüren bekommen. Allen Beteiligten ist klar, dass bei längeren Andauern des unbefriedigenden Preisniveaus ein Ausstieg der Landwirte aus der Kartoffelstärkeproduktion oder eine Reduzierung des Anbaus wahrscheinlicher wird.

Schritt für Schritt

Um einigermaßen wirtschaftlich klar zu kommen, müssen nach Angaben eines Praktikers aufgrund der hohen Produktionskosten mindestens 8,00 bis 9,00 €/dt gezahlt werden. Bisher erhalten die Bauern nur Preise um rund 7,20 €/dt. Noch halten die meisten Bauern still, weil sie wissen, dass auch der Industrie eine gewisse Übergangszeit für Strukturbereinigungen eingeräumt werden muss. Wenn aber mittelfristig keine gravierende Verbesserung eintritt, dürfte der überlebensnotwendige Rohstoff für die Fabriken in Niedersachsen bald knapp werden.

Die AVEBE-Verantwortlichen wissen um diese Brisanz und stoßen derzeit viele Dinge an, um die wirtschaftliche Lage des Unternehmens und der Lieferanten zu verbessern. Allen ist jedoch klar, dass sich Verbesserungen nur Schritt für Schritt durchsetzen lassen. Wie Axel Zillmer, Agro-Abteilung, in Bahnsen berichtete, waren bis Anfang Januar 305.000 t Stärkekartoffeln und 139.000 t Waxy-Kartoffeln verarbeitet worden. Die mittleren Stärkegehalte haben bei 19,30 % (Vorjahr 19,4 %) bzw. 17,00 % bei Waxy-Ware gelegen.
Der Anteil der Kartoffeln mit über 19 % Stärke habe bei 60 % gelegen, bei Waxy erzielten rund 50 % der Lieferanten einen Stärkegehalt von mehr als 17 %. Der durchschnittliche Tara-Wert habe 6,5 % betragen und das A-Volumen sei bisher zu 95 % erfüllt worden. Alle Kartoffeln seien abgenommen worden. Wenn im März noch ausreichend Rohstoff vorhanden sei, soll zudem in Dallmin eine Zwischenkampagne laufen. Die dafür nötige Mengenabfrage bei den Bauern werde in Kürze starten.

Zillmer berichtete den Bauern, dass das erste Jahr ohne EU-Beihilfen für die AVEBE sehr schwer gewesen sei. Dennoch habe man den Leistungspreis (Kartoffelgeld + Transport + Genossenschaftsergebnis)) von 71,94 €/t in 2011/12 auf 77,36 €/t in 2012/13 bei 19 % Stärke steigern können. Beim Bauern seien davon im Durchschnitt 72 €/t (Vj. 63 €/t) Kartoffeln angekommen. Rechne man hier noch das Transportgeld von 6 €/t hinzu, seien es sogar 78 €/t. Damit habe das Unternehmen die weggefallenen Verarbeitungsbeihilfe von rund 5 €/t ausgleichen können.

Zillmer sagte den Bauern zu, dass in dieser Kampagne alle angelieferten Kartoffeln zum A-Preis abgerechnet werden, solange das A-Volumen nicht voll beliefert sei. Dies sei für die Anbauer von Vorteil, die 2013 eine große Ernte eingebracht haben. Zurzeit werde das freie A-Volumen aus dem B-Volumen aufgefüllt, was ebenfalls als A-Stärke abgerechnet werde. Reichen die B-Mengen nicht, um das A-Volumen aufzufüllen, sollen auch noch C-Mengen hinzugenommen und zum A-Preis abgerechnet werden.
Der Anbauberater stellte aber auch klar, dass die durch die Saldierung frei gewordenen B-Mengen nicht durch C-Mengen aufgefüllt werden. Ebenso würden die nach Auffüllung des A-Volumens noch übrig bleibenden C-Mengen auch nur als C-Stärke und nicht als B-Stärke bezahlt.

Neues Preiselement

Als weiteres Zeichen des Unternehmens, den Bauern höhere Auszahlungspreise zukommen zu lassen, wertete Zillmer die Einführung einer Qualitätsprämie. Bisher werden vom Unternehmen bei der Bezahlung nur Menge, Stärkegehalt und Lieferzeitpunkt bezahlt; jetzt soll noch eine Qualitätsprämie, die in Holland schon länger seitens der EU erlaubt und eingeführt ist, ab der Kampagne 2014/15 auch in Deutschland gezahlt werden. "Bessere Partien sollen zukünftig auch mehr Geld bekommen", betonte der AVEBE-Vertreter. Ziel sei es, dadurch die Verunreinigungen in der Stärke zu vermindern.

Die Qualitätsprämie wird seinen Angaben nach vom Lieferzeitpunkt abhängig sein. Je später die Lieferung, desto höher der Zuschlag zur Prämie. Die Zahlung soll auf Basis der Tonne Netto Kartoffel erfolgen. Die Partien müssen frei von Fäulnis, kranken Knollen, Frost und Trockenfäule sein. Ist eine Partie frei von diesen Mängeln gibt es die Höchstpunktzahl, treten Mängel auf gibt es weniger bzw. gar keine Punkte. Maximal können durch eine Bewertungskommission 100 Punkte vergeben werden. Von 91 Punkten an werde eine zusätzliche Prämie ausgeschüttet.

Da im KPW-Gebiet bisher Qualitäten um 95 Punkte erreicht werden, sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Lieferanten aus dieser Region zukünftig mehr Geld erhalten werden. „Wir wollen mehr Kartoffelgeld nach KPW verschieben“, betonte Zillmer. Dies belegte er mit Zahlen aus dem Werk Lüchow aus 2012/13, wo 88 % der Frachten über 91 Punkten gelegen haben. Der Durchschnittswert aller Frachten habe 95,4 Punkte betragen.
Im Gegenzug werde das Unternehmen aber den Tara-Beitrag nicht ab 10 %, sondern schon ab 4 % erheben. Steine sollen gesondert betrachtet werden. Der KPW-Durchschnitt im Tarabeitrag liegt zurzeit inklusive Steine bei 6,3 %, Steine allein bei 0,65 %. Der Stärkegehalt wird seinen Angaben nach keinen Einfluss auf die Höhe der Prämie haben. Entscheidend bei diesem System ist, dass nicht mehr Geld ausgezahlt wird. Anbauer, die bessere Qualität produzieren erhalten das Geld, was den Lieferanten schwächerer Qualitäten, vor allem aus Holland, abgezogen wird.

Ergebnisse LSV 2013

Dr. Hinrich Hüwing, Bezirksstelle Uelzen, berichtete auf der Versammlung über Ergebnisse des LSV Stärkekartoffeln. In 2013 sind seinen Angaben nach sehr heterogene Knollen- und Stärkeerträge auf den verschiedenen Standorten aufgetreten. Als Spitzensorte habe sich 2013 Axion erwiesen, die hohe Stärkeerträge bei relativ geringen Schwankungen über alle Standorte aufweise. Negativ sei allerdings aber, dass sie relativ virusanfällig sei. Mungo habe zwar noch höhere Erträge erzielt, weise aber dafür größere Schwankungsbreiten über die Jahre und Standorte auf.

Mehrjährige Ergebnisse belegen laut Hüwing, dass Axion, Amado, Burena und Mungo immer über relativ 110 liegen. Für normale Standorte sei auch Kuras noch eine Option, sie werde aber zukünftig an Bedeutung verlieren. Weiter empfahl er auch Eurogrande aufgrund der hohen Knollenerträge. Für den Probeanbau würden sich Euroresa, Signum und Euroluna anbieten.

Der Kammerexperte wies die Anbauer darauf hin, dass das Risiko eines Befalls mit zystenbildenden Nematoden - vor allem Globodera Pallida - auch im ehemaligen Gebiet der LWK Hannover zunehme. Im Raum Uelzen hätten 2012 etwa 14 von 74 untersuchten Flächen Befall aufgewiesen. Über alle Landkreise liege der Befall bei rund 19 %. Hier müsse zukünftig verstärkt auf Sorten mit hoher Resistenz und hoher Toleranz gesetzt werden. Hüwing empfahl die Sorten Axion, Amado, Euroflora und Eurotango. Für den Probeanbau kämen Signum und Euroluna in Frage.

Wieviel N düngen?

In Stickstoff-Steigerungsversuchen habe sich herausgestellt, dass der Stärkeertrag bei höheren Knollen- und stagnierenden Stärkegehalten weiter ansteige. Auch durch das Splitting der N-Düngung seien Mehrerträge möglich. Die Basisempfehlung verbleibt laut Hüwing bei 160 kg N/ha mit den üblichen Korrekturwerten.

Die Kammer hat auch Metribuzin-Verträglichkeitsversuche mit den Sorten Axion und Avarna durchgeführt. Dabei wurden VA-Varianten ohne Metribuzin (Boxer + Bandur) und VA-Varianten mit Metribuzin (Boxer + Sencor) durchgeführt. Ferner wurde eine Kombination aus VA- und NA (Boxer + Sencor im VA/ Sencor im NA) verglichen. Bei einer Bonitur am 23. Mai wurden bei beiden Sorten optisch noch keine Symptome festgestellt. Am 20. Juni wurden bei Avarna in den Metribuzin-Varianten leichte bis mittlere Schäden ermittelt. Auch der Knollenertrag sei insbesondere durch die VA + NA-Anwendung erheblich abgesunken, meinte Hüwing.

Axion habe zwar optisch keine Symptome gezeigt, der Knollenertrag sei aber dennoch gegenüber der Kontrolle stark abgefallen. Die Theorie, "es wächst sich wieder aus", stimmt also nicht, stellte Hüwing klar, da die Pflanzen das Wurzelwachstum reduziert hätten. Fazit: Weder bei Avarna noch bei Axion sollten Metribuzin haltige Herbizide eingesetzt werden.  

Sortenempfehlungen

Ulrike Ziervogel berichtete auf der Tagung über Sortenergebnisse auf dem AVEBE-Versuchsfeld Jelmstorf. Ihrer Aussage nach zählen zu den besten zehn Stärkesorten der Sortendemonstration Axion, Euroresa, Mungo, Euroluna, Eurogrande, Avarna, Avenue, Prestige, Amado und Stärkeprofi. In die Empfehlung für die Auspflanzung 2014 stellte sie im Frührodebereich (Anfang September) die Sorten Mungo, Skonto, Euroflora, Seresta, Kuba und Axion. Für die Spätrodung (Oktober) empfahl sie Axion, Euroresa, Avarna, Euroluna, Kuras und Burana. Als Lagerkartoffeln kommen ihrer Aussage nach Axion, Kuras, Amado, Euroflora, Mungo und Eurogrande in Frage.

Stefan Seegers, von der AVEBE Tochter Averis-Saatzucht, empfahl für das KPW-Gebiet die Sorten Seresta (früh), Axion (mittelspät) sowie Avarna und Avenue (spät).
Axion falle positiv auf, weil die Sorte trotz der guten Resistenzen nicht mit Mindererträgen reagiere und zudem zwei Wochen eher geerntet werden könnte als vergleichbare Wettbewerbssorten. Ab Anfang September liege sie bereits auf der Höhe der frühen Stärkesorten. Da die Sorte bereits für 2014 ausverkauft sei, empfahl Seegers den Bauern, schon jetzt mehrjährige Lieferverträge für das Frühjahr 2015 und folgende abzuschließen.
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