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Grünlandbewirtschaftung

Moorgrünland zwischen Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit

Gruenland-Moor-Naturschutz-Gruenlandtag-Milchviehhaltung
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
26.09.2017

Beim Deutschen Grünlandtag ging es in diesem Jahr um Moorbewirtschaftung und Klimaschutz. 90 Fachleute diskutierten am Dümmer Konzepte für Betriebe und Umwelt.

Der Familienbetrieb Schmedt im niedersächsischen Stemwede-Dielingen am Dümmer war einer der Betriebe, die für die Teilnehmer beim Deutschen Grünlandtag ihre Tore öffneten. Joachim Schmedt , seine Frau Marion, Sohn Dominik und die Altenteiler Irmgard und Günter bewirtschaften den Hof gemeinsam. Die Produktionsgrundlage des 340 ha Betriebes bilden

  • 850 Mastschweine,
  • 500 Rinder,
  • 110 ha Acker und
  • 230 ha Dauergrünland.

Das Besondere: 210 ha Grünland liegen im Naturschutzgebiet am Dümmer und 20 ha davon werden unter AUM-Maßnahmen (Agrarumweltmaßnahmen) bewirtschaftet.

Moorgrünland unter Auflagen verpachtet

Waren früher die Flächen am Dümmer noch in privater Hand der Landwirte und wurden intensiv bewirtschaftet, kaufte das Land Niedersachsen ab 1985 2.500 ha auf freiwilliger Basis zum Schutz des Moorgrünlandes am Dümmersee auf. Unter Auflagen wurden sie dann günstig an die Landwirte zurückverpachtet.

Beweidung nach Abstimmung mit Naturschutz

Heute weiden Schmedts Rinder überwiegend auf den Weiden des Naturschutzgebietes von etwa April bis November, allerdings nach Abstimmung mit der Naturschutzbehörde.

Joachim Schmedt berichtete auf dem Grünlandtag von einer schwarzen Null für seinen Betriebszweig Mutterkuhhaltung auf Naturschutz-Moorgrünland. Durch Prämienoptimierung versucht der Betriebsleiter, sein Betriebszweigergebnis zu verbessern.

Schweinehalter gegen Grünlandbauern

Hier wünscht er sich allerdings, dass nicht auch Schweinebetriebe die volle Flächenprämie für Grünland bekommen und das Naturschutzgrünland am Dümmer ebenfalls vom Land für 50 €/ha pachten können.

Schmedt stellte fest: „Die machen uns Grünlandbauern dann Konkurrenz um die Fläche, gegen die wir nicht ankommen können“.

Mutterkuhbetriebe auf Moorgrünland brauchen Prämie

Dass Mutterkuhbetriebe auf Moorgrünlandflächen ohne Prämien nicht auf einen grünen Zweig kommen, zeigte Dr. Stefan Weber von der LMS Agrarberatung GmbH Rostock  anhand seiner Berechnungen auf. Politik und Gesellschaft müssen wissen, dass eine flächendeckende Grünlandbewirtschaftung ohne Prämien damit nicht möglich ist.

Fallen die Prämien weg, werde das einen starken Strukturwandel in der Landwirtschaft auslösen. Auch müssen laut Weber wirtschaftliche Nutzungsalternativen für die Moorbewirtschaftung entwickelt werden.

Mineralische Düngung auf Moorgrünland stärker eingeschränkt

Auch die neue Düngeverordnung macht den Bewirtschafter von Moorgrünland Sorgen:

  • Das Regelwerk sieht besonders bei der Düngebedarfsermittlung für Moorgrünland höhere Abzüge bei der Stickstoffdüngung vor.
  • Damit schränkt sie dort die mineralische Düngung stärker ein als auf anderem Grünland.

Thomas Dosch vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unterstrich in seinem Eingangsreferat, dass sein Ministerium zusammen mit der Landwirtschaftskammer Niedersachsen jetzt nach einer Lösung für diese benachteiligten Grünlandbetriebe sucht.

Generell sieht Dosch die Grünlandbewirtschaftung durch nicht ausreichende Rentabilität immer noch im Nachteil. Durch eine Weideprämie von 60 € für Rinder und 20 € für Schafe und Ziegen will das Landwirtschaftsministerium in Hannover die Weidebetriebe ab 2018 weiter stärken. Allerdings muss Brüssel noch seinen Segen dazu geben.

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