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Kartoffeln

Nassfäule im Lager ernst nehmen

von , am
30.10.2013

Erste Rückmeldungen aus der Praxis zeigen, dass der Nassfäuledruck in diesem Jahr sehr hoch ist. Welche Vorsichtsmaßnahmen Sie ergreifen sollten, haben wir für Sie zusammengefasst.

Wer im Winter und im Frühjahr keine unliebsamen Überraschungen erleben will, sollte seine Kartoffeln im Lager regelmäßig kontrollieren. © gaugele
Entscheidend ist, regelmäßig Qualitätskontrollen im Lager durchzuführen. Dafür ist im Lager für ausreichende Helligkeit zu sorgen. Wichtig sind Kontrollen auch an den schwer zugänglichen Stellen im Lager, denn wo man schlecht hinkommt, ist auch der Luftaustausch erschwert. Ebenso sollten Knollen aus der oberen Stapel-/Kistenschicht bis in 50 cm Tiefe kontrolliert werden. Erdbehaftete Knollen sollten zur besseren Beurteilung gewaschen werden. Unsichere Proben sind warm zu stellen. Auch Lentizellen und Beschädigungen sind potenzielle Gefährdungsstellen, heißt es im aktuellen Newsletter der Versuchsstation Dethlingen.

Nur eine vollständige Abtrocknung zählt. Finden Sie bei Ihren Kontrollen noch Kondensationsschichten, nicht vollständig durchgetrocknete Erde, Kartoffeln mit ersten Fäulnissymptomen oder sogar schon deutlich feuchte Knollen, hat die weitere Abtrocknung der Partie oberste Priorität, unabhängig davon in welcher Lagerungsphase sich die Kartoffeln gerade befinden! Mit der Messung des elektrischen Leitwiderstandes besteht eine wirkungsvolle Möglichkeit, die weitere Abtrocknung der Kartoffeln zu verfolgen.

Zwangsbelüftung

Am effektivsten ist eine Abtrocknung mit kälterer Außenluft, da diese Luft über ihr Sättigungsdefizit und den Temperaturanstieg im Stapel Feuchtigkeit abführen kann. Die Differenz der Zuluft sollte dabei möglichst konstant 2 °C betragen und die tägliche Abkühlung auf maximal 1 °C begrenzt werden, um über mehrere Tage lüften zu können.

Sind die Temperaturdifferenzen der Außenluft ausgereizt oder wird die Partie für die später geplante Verwertung zu kalt, kann über einen halbtäglichen Wechsel von Anwärmen und Abkühlen der Kartoffeln die Abtrocknung fortgeführt werden. Dafür sind folgende Details wichtig:

Technische Voraussetzungen zum Umluftbetrieb "rückwärts" schaffen,
am Tage Saugen von wärmerer Außenluft / angewärmter Luft über die Oberfläche in den Stapel/die Kiste, Lufterwärmung auf 2 bis 5 °C und maximal 15 °C begrenzen,
nachts herkömmliche Abtrocknungsbelüftung von unten über 2 °C kältere Außenluft,
Wechselspiel bei sehr feuchten Partien mehrere Tage wiederholen und Widerstandsmessung zur Erfolgskontrolle nutzen.

Raumbelüftung

Hierbei gibt es im Lager nur geringe Einflussmöglichkeiten, da der Wärme- und Feuchtigkeitsaustausch sehr langsam im Randbereich der Kisten vor sich geht. Deshalb:
mobile Saug- und Druckbelüftungssysteme nutzen, Großkisten am Palettenboden gegebenenfalls provisorisch abdichten, Auslagerung der Kisten unter Vordach oder Durchfahrt und Wind für Trocknung nutzen, gefährdete Kisten/Partien in einer Lagersektion mit ausreichendem Abstand aufstellen und neben Außenluft in kurzen Intervallen Umluft nutzen, spätere Auslagerung fauler Knollen macht mehr Arbeit als jetzt Kisten um zu stapeln.
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