Login
Getreideanbau

Niedersachsen: Einstieg in den Dinkelanbau wagen

Dinkelanbau
Thumbnail
Werner Raupert, LAND & Forst
am
19.07.2019

Der Dinkelanbau bietet interessante Möglichkeiten für Ackerbauern, so auch im südlichen Niedersachsen.

Enge Fruchtfolgen auflockern, aber womit bloß, lautet derzeit eine große Frage unter den Ackerbauern. Jetzt öffnet sich für einige Landwirte in der Region Südhannover eine Tür mit dem Anbau von Dinkel.

Diese Frucht steht bei den Verbrauchern hoch im Kurs.

Dinkel erobert die Supermärkte

Dinkel erobert langsam aber sicher die Regale der Supermärkte. Er gilt als ausgesprochen gesund, bekömmlich und vielseitig einsetzbar. Die Nachfrage der Konsumenten ist riesig, doch das bevorzugte regionale Angebot noch eher klein. Der Wunsch der Verbraucher kann aber von den niedersächsischen Bauern erfüllt werden. Nur zugreifen müssen sie.

Das Vertragsangebot der Mühle Rüningen bei Braunschweig und des Landhandels Weiterer aus Algermissen scheint jedenfalls für die Bauern attraktiv zu sein. So sehr, dass Anbaupioniere wie Landwirt Carsten Künnecke aus Listringen bei Hildesheim diesen Schritt bisher nicht bereut haben.

Vermarktung und Prämien: Qualitäten müssen passen

Dinkel ist ein enger Verwandter des Weichweizens. Aber es gibt doch gravierende Unterschiede. So ist z.B. der Rohproteingehalt mit 15 bis 16 % mindestens auf der Höhe eines Top-Eliteweizens. Diese Kultur enthält nachgewiesenermaßen mehr Mineralstoffe und Vitamine als der beste Weizen.

Für die Bauern sind die Fragen wichtig, welche Anforderungen der Anbau dieser Nischenfrucht stellt und was der Abnehmer für die Ware zahlt:

  • Der Preis für qualitativ einwandfreie Ware orientiert sich an der Matif-Weizennotierung in Paris.
  • Die Mühle packt dann noch eine attraktive Prämie drauf, die den Anbau interessant macht.
  • Unter dem Strich erzielt der Bauer somit einen Preis, der deutlich über dem von Brotweizen liegt, bestätigte Landhändler Stephan Weiterer. Das sollte Anreiz genug sein.
  • Die Vermarktung und die Prämien sind aber nur garantiert, wenn die Qualitäten passen.

Dinkel: Sehr hohe Qualitätsanforderungen

Rund 200 Anbauer aus Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben bereits die attraktive Offerte der Mühle und des Landhändlers angenommen und sind 2016 in den Anbau eingestiegen. Für die Aussaat im Herbst 2019 hat der Landhändler schon über 3.000 ha unter Vertrag. Gerechnet wird im Mittel mit Erträgen von 75 bis 80 dt/ha.

Die Qualitätsanforderungen sind sehr hoch. So benötigt man mindestens eine Fallzahl von 240 sec. Da die Kultur von Natur aus meist Fallzahlen über 300 sec aufweist, haben die Praktiker bisher keine Probleme gehabt, diese Forderung zu erfüllen, vorausgesetzt sie haben ihren Dinkel nach Erreichen der Druschreife sofort bzw. möglichst innerhalb von zwei Tagen gedroschen.

Dieser zeitliche Druck ist nachzuvollziehen, denn Futterdinkel hat laut Salzer keinen Markt und ist, wenn überhaupt, nur mit hohen Preisabschlägen zu vermarkten.

Spezielles Problem bei der Ernte

Bei der Ernte taucht aber ein spezielles Problem auf, was den Dinkelanbau von anderen Getreidearten deutlich unterscheidet. Dinkel besitzt wie Gerste eine mit dem Keimling verwachsene Spelze. Geerntet werden die sogenannten Dinkelvesen.  Das sind Ährchen, die meist zwei Körner enthalten.

Die Spelzen machen etwa 20 bis 25% des Vesengewichts aus. Der Anbauer muss aufgrund des hohen Volumens (40 kg/hl) nicht nur langsamer (1,5 bis 2 km/h) beim Dreschen fahren, sondern aufgrund der großen Masse viel öfter abtanken und mehr Hänger zur Abfuhr bereitstellen. Dementsprechend muss auch der Lagerraumbedarf etwa doppelt so hoch sein wie beim Weizen.

Wer Interesse am Dinkelanbau hat, kann sich mit seinen Fragen direkt an die Anbauberater der Firma Weiterer wenden. Das Projekt ist nach Angaben von Steffen Salzer langfristig angelegt, sodass sich Einsteiger auch mit kleineren Anbauflächen an die neue Frucht herantasten können.

Ackercatering: Wenn am Feld der Hunger kommt

Auch interessant