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Maisreifeprüfung – 3. Mitteilung

Niedersachsen: Ernte kann häufig schon beginnen

Silomais-Ernte-2018
Karl Gerd Harms, LWK Niedersachsen
am
22.08.2018

Die sehr warme Witterung führt überall zu einer ungewöhnlich frühen Silierreife. Jetzt gilt es, den optimalen Erntezeitpunkt nicht zu verpassen. Kontrollieren Sie Ihre Bestände.

Regen kam zu spät

Niederschläge der letzten Tage haben die Maisbestände wieder aufatmen lassen. Viele Bestände können nun noch die Stärkeeinlagerung abschließen und sind in Kürze erntereif. 

Doch bei starken Trockenschäden half der späte Regen auch nicht mehr. Im Gegenteil: kolbenlose und –arme Bestände mit viel abgestorbener Blattmasse beginnen nun infolge der Feuchtigkeit und des feuchtwarmen Mikroklimas in den Beständen, eine problematische Mikrobiologie zu entwickeln. Tote Blätter und unbefruchtete Kolbenanlagen fangen an, sich zu zersetzen.

Ein Beispiel für einen solchen Bestand ist die Maisreifeprüfung am Standort Borgholt (Tabelle). Hier sieht man deutlich den Effekt des Vollsaugens nach den Niederschlägen. Die TS-Gehalte sind hier von rund 25% vor dem Regen auf nun 18 % gefallen. Aus diesen Daten wird klar, warum kolbenlose und -arme Bestände so problematisch sind: Ihr TS-Gehalt ist nur schwer zu schätzen und führt sehr häufig zu Sickersaft, auch in größerem Umfang.

Um die Situation auf den eigenen Flächen abschätzen zu können, ist eine genaue Beobachtung erforderlich. Die Bestände sollten daher nicht nur von außen in Augenschein genommen, sondern auch durchlaufen werden. Hierbei ist auf die Kolbenausbildung zu achten.

Maisbestand-2018

Sind die Kolben durchschnittlich mindestens zur Hälfte befruchtet und gefüllt, kann von einem „normalen“ Silomais ausgegangen werden. Angesichts der vielfach relativ hohen TS-Gehalte im Erntegut sollte die Häcksellänge kurz gewählt werden, da die Verdichtung im Silo ansonsten nicht ausreichend sein wird. Der Einsatz von Siliermitteln der Wirkrichtung 2 ist gerade bei sehr trockenem und auch bei kolbenarmem Erntegut sinnvoll, eine Oberflächenbehandlung mit chemischen Siliermitteln reduziert Schimmelbildung und Kantenverluste.

Bei reduzierten Kolben muss man sich ebenfalls auf eine schlechte Verdichtbarkeit und gleichzeitiges Auftreten von Sickersaft einstellen. Sind nur Teilflächen betroffen, kann dieses Material im Futterstock untergemischt werden. Es sollte nach Möglichkeit nicht im Randbereich sowie in der untersten (Sickersaftbildung) und obersten Schicht (geringe Verdichtung/Nacherwärmung) eingelagert werden.

Region Nord

Im nördlichen Niedersachsen zeigen die Bestände mit einigermaßen normal entwickelten Kolben aktuell ein weitgehend normales Verhältnis von Kolben- zu Gesamt-TS-Gehalt. Die Silierreife wird bei frühen Sorten bereits gegen Ende August erreicht werden, während bei mittelfrühe Sorten ab etwa 5. September hiermit gerechnet werden kann. Mittelspäte Sorten folgen nach derzeitigen Ergebnissen nur wenige Tage später.

In Küstennähe werden die Erntetermine etwa sieben bis zehn Tage später erreicht.

Region Süd

In der Anbauregion Süd sind viele Bestände noch deutlich von der Trockenheit beeinflusst. Während hier die TS-Gehalte im Erntegut bereits bei z.T. deutlich über 32 bis 35 %, dem optimalen Silierbereich, liegen, zeigen die Gehalte der Kolben, dass die physiologische Entwicklung dem noch ein wenig hinterher ist. Am Standort Lohne lagen am 14.8. frühe Sorten allerdings mit über 55 % im Kolben auch physiologisch schon im Silieroptimum.

Alle anderen Standorte in dieser Region zeigten am 14.8. hohe, zum Teil sehr hohe Gesamt-TS-Gehalte bei gleichzeitig noch nicht ganz erreichter Kolbenreife. In dieser Woche dürften daher die meisten Bestände den optimalen Reifebereich erlangen. Lediglich mittelspäte Sorten sollten bei entsprechender Wasserversorgung noch bis mindestens Ende des Monats stehen bleiben.

Region Ost

Im östlichen Niedersachsen wird die Silierreife ebenfalls in dieser Woche von vielen Beständen erreicht werden. Auch hier sind die mittelspäten Sorten erst ab der Monatswende erntereif. Die TS-Gehalte in Kolben und Gesamtpflanze passen in den regelmäßig beregneten Beständen deutlich besser zusammen, so dass der Silomais von solchen Flächen in der Regel ohne Besonderheiten und mit guten Ertragserwartungen geerntet werden kann.

Auch der Höhenlagen-standort in NRW zeigt bereits jetzt, dass aktuell die frühen Sorten bereits erntereif sein können. Mittelfrühe Sorten kommen gegen Ende August in die Silierreife.

Die Maisreifeprüfung wird in der kommenden Woche nur noch für die Region Nord weitergeführt, da im Süden und Osten Niedersachsen bis dahin die meisten Bestände erntereif sein werden.

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