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Handarbeit

Mit niedersächsischen Süßkartoffeln auf den Markt

Ernte von Süßkartoffeln
am Montag, 22.10.2018 - 10:51

Fünf Landwirte aus dem Süden des Landkreises Gifhorn haben sich erstmals an den Anbau von Süßkartoffeln gewagt. Die rötliche Knolle erfordert viel Handarbeit.

Früher saßen sie zusammen in der Sandkiste, heute buddeln sie gemeinsam im Kartoffel-Acker - und dieses Jahr das erste Mal nach Süßkartoffeln. "Der Einzelhandel hat uns angesprochen, ob wir es nicht mal versuchen wollen, hier vor Ort bei uns auch Süßkartoffeln anzubauen", erzählt Bianca Lütje.

"Da wir immer an neuen Produkten interessiert sind und Süßkartoffeln selbst dufte finden, haben wir es einfach mal ausprobiert", so die Landwirtin aus Wasbüttel in Niedersachsen.

Mit Volldampf ins Süßkartoffel-Abenteuer

Seit 1992 baut sie zusammen mit ihrem Mann Ernst Lütje und der befreundeten Landwirtsfamilie Gaus aus Ohnhorst erlesene Speisekartoffeln unter dem Markennamen "Gaus-Lütje-Kartoffeln" an - auf insgesamt rund 100 Hektar.

Bianca und Ernst Lütje, Tina und Jochen Gaus sowie ihr Landwirtsfreund Ulrich Behrens sind dann im Frühjahr dieses Jahres mit Volldampf ins Süßkartoffel-Abenteuer gesprungen. Schließlich geht probieren über studieren.

40.000 Pflanzen-Stecklinge auf einen Hektar

Nach den Eisheiligen haben sie im Frühling 40.000 Pflanzen-Stecklinge auf einen Hektar ihres Ackerlandes südlich von Ohnhorst gepflanzt. Kinder, Lehrlinge, Familie, Freunde – alle fassten mit an und setzten die zarten Gewächse in die Erde.

Die Sorte, für die sie sich entschieden haben, heißt: Erato® Orange. Diese ähnelt nicht nur im Geschmack, sondern auch in der Optik den Süßkartoffeln, die man aus dem Supermarkt um die Ecke kennt. Diese haben aber einen irrsinnig langen Weg meist aus China, Israel oder Südamerika hinter sich.

Perfekter Sommer für Süßkartoffeln

Ernte von Süßkartoffeln

Das rötlich, wurzelige Gemüse, das zu den Windengewächsen gehört, ist kein naher Verwandter der uns allbekannten Erdäpfel. Denn im Gegensatz zur Kartoffel, die Sprossenknollen bildet, handelt es sich bei den Früchten der Süßkartoffel um verdickte Wurzeln.

Am Ende des diesjährigen extremen Sommers, der vielen Pflanzen arg zusetzte, aber den die Bataten sehr genossen haben, stand Ende September die erste Ernte an. "Für die Süßkartoffeln war es ein perfekter Sommer, sie mögen Kälte nämlich gar nicht", erklärt Tina Gaus-Gevers.

Zum Bewässern wurden Tropfschläuche genutzt, da die Dämme mit Folie abgedeckt waren. "Vom Wasserverbrauch ist es ähnlich wie bei den normalen Kartoffeln - es wurde wöchentlich beregnet", ergänzt Bianca Lütje.

Süßkartoffelernte ist Handarbeit

Im Hau-Ruck-Verfahren innerhalb von zwei Tagen und natürlich wieder mit vereinten Kräften buddelten rund 20 fleißige Mitarbeiter und Helfer im extrem staubigen Feld – denn Süßkartoffelernte ist Handarbeit. Der Kartoffelschwadleger hat sie zwar aus der Tiefe des Ackers hochgeholt, doch ausgebuddelt und eingesammelt werden sie per Hand.

"Süßkartoffeln sind sehr empfindlich, fast so wie Äpfel", erklärt Bianca Lütje. Wird die Schale beschädigt, können sie schnell faulen. So sind die Erntehelfer gemeinsam gekrochen, von den Chefs bis zu den Lehrlingen, alle auf den Knien durch die Erde, um die roten Prachtexemplare ohne Blessuren in schützende Körbe zu bergen. Rund 40 Tonnen kamen zusammen.

Mehr zum Thema lesen Sie in der LAND & Forst 42/18.

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