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Getreidemarkt

Norddeutschland: Sorgen der Ackerbauern gehen weiter

Erosionsschäden auf Ackerfläche durch starken Regen
Jens Hottendorff, Rudolf Peters Landhandel; Vorsitzender BVA-Getreideausschuss
am
25.12.2017

Vornehmlich in Norddeutschland stellte die diesjährige Herbstaussaat eine Herausforderung dar. Witterungsbedingt wurde vor allem weniger Winterweizen ausgesät.

Die Herbstaussaat war witterungsbedingt insbesondere im Norden schwierig. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes, Wiesbaden, hat sich die Anbaufläche für Winterweizen deutlich verringert:

  • In Schleswig-Holstein wurde 27 Prozent weniger Winterweizen gedrillt.
  • In Niedersachsen verringerte sich die Fläche um zwölf Prozent.
  • In Mecklenburg-Vorpommern um zehn Prozent.
  • Nur in Sachsen (plus drei Prozent) und Bayern (plus zwei Prozent) wurde der Weizenanbau ausgedehnt.
  • Bundesweit nahm die Anbaufläche um 147.000 (4,7 Prozent) auf 2,98 Mio. ha ab.

Folgen noch nicht abzusehen

Winterweizen

Wie die Weizenbestände im Norden in den Winter gehen, steht dabei noch auf einem anderen Blatt.
Im nördlichsten Bundesland etwa stehen viele Weizenbestände auf Grund von Rekord-Niederschlägen in den vergangenen Wochen unter Wasser und verfaulen stellenweise bereits.
Insbesondere in den Küsten- und Elbmarschen Norddeutschlands konnten viele Flächen nicht bestellt werden. Die Bodenstrukturen befinden sich aktuell in einem desolaten Zustand. Auch eine ordnungsgemäße Bestellung im zeitigen Frühjahr wird wohl nicht möglich sein.

Braugerste: Größeres Angebot im kommenden Jahr?

Die Sommerbraugerstenanbaufläche in Hauptanbauregionen der EU wird zur Ernte 2018 deutlich ausgedehnt werden.
Hintergrund: Gute Aufgelder für Braugerste und schwierige Aussaatbedingungen im Herbst 2017 in Norddeutschland und Skandinavien.
Damit ist auch die Nachfrage nach Sommerbraugerstensaatgut deutlich gestiegen, die allerdings nicht immer gedeckt werden kann. Auf Grund des zu erwartenden höheren Angebots an Sommerbraugerste gehen die Notierungen der Ernte 2018 laufend zurück.
Landwirte in Niedersachsen haben bereits große Mengen zu attraktiven Preisen vorverkauft.

 

Deutschland wichtiger Getreideexporteur

Mit Drittlandsausfuhren von fünf bis sechs Mio. t Weizen gehörte Deutschland in den vergangenen Jahren zu den wichtigsten Getreideexporteuren. In der laufenden Vermarktungssaison stottert der Exportmotor allerdings. Händler rechnen bis zum Ende des Wirtschaftsjahres 2017/18 in etwa mit einer halb so großen Menge.
Das hat mehrere Gründe:

  • Nach einer Rekordernte drückt preisgünstiger russischer Weizen auf den Weltmarkt.
  • Internationale Getreidetender werden daneben vor allem auch von der Ukraine oder Rumänien bedient.
  • Erschwerend kommt hinzu, dass der seit dem Jahresbeginn 2017 wiedererstarkte Euro deutschen Weizen verteuert, der auf dem Weltmarkt in US-Dollar gehandelt wird.
  • Vor allem die traditionellen Handelspartner Deutschlands in Nordafrika und im Mittleren Osten versorgen sich aktuell mit russischem Weizen.

Erfahrene Exporteure gehen davon aus, dass sich das Geschäft im ersten Quartal 2018 etwas belebt, weil im Winter die Lieferungen aus Russland aufgrund der schwierigen Witterungsbedingungen erfahrungsgemäß deutlich zurückgehen dürften.

Noch viele Weizenpartien unverkauft

Die nordeuropäischen Länder sind mit wenigen Ausnahmen also nicht zum Zuge gekommen und haben noch einen beachtlichen Exportüberschuss, der bis zur kommenden Ernte abgewickelt werden muss.
50 bis 60 Prozent der hoflagernden Weizenpartien sollen noch unverkauft sein. Die Abgabebereitschaft der Landwirtschaft war bei den Geboten der vergangenen Wochen sehr gering, so dass der Markt seit der Ernte hauptsächlich aus Getreidepartien des Erfassungshandels versorgt worden ist.

Preisverfall beim Raps

Symbolbild zu Biokraftstoffen

Mit Wirkung zum 28. September 2017 hat die Europäische Kommission die Anti-Dumpingzölle auf argentinischen Biodiesel von 22 Prozent auf 4,5 Prozent reduziert.
Seitdem sollen annähernd 500.000 t Biodiesel aus Argentinien in die EU-Länder geliefert worden sein.
Dies hat entscheidend zu einem Preisverfall beim Raps beigetragen: Die Rapsnotierungen an der Matif haben seit Anfang November 2017 auf allen Terminen über 30 Euro/t verloren.

 

Fazit: Agrarstandort mit Verantwortung

Auch wenn die Marktverhältnisse zurzeit schwierig sind, hat der Agrarstandort Deutschland eine besondere Verantwortung für die Versorgung der steigenden Weltbevölkerung mit Nahrungsmitteln.
Als weltweit drittgrößter Im- und Exporteur von Agrarprodukten und Lebensmitteln ist die hiesige Agrarbranche mit den weltweiten Handelsströmen verflochten. Die internationale Arbeitsteilung ermöglicht eine effiziente und ressourcenschonende Produktion. Günstige klimatische Bedingungen und stabile politische Verhältnisse machen Deutschland zu einer der stabilsten Produktionsregionen für Getreide weltweit. 

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