Login
Zuckerindustrie

Nordzucker: Schwere Zeiten für Rübenanbauer

Zuckerrübenernte
Thumbnail
Werner Raupert, LAND & Forst
am
15.12.2017

Die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind noch prächtig, doch dann werden mindestens zwei harte Jahre auf die niedersächsischen Rübenanbauer zukommen.

Mindestens zwei harte Jahre prognostizierte der Ende Februar 2018 ausscheidende Nordzuckerchef, Hartwig Fuchs den Rübenanbauern auf einem Hintergrundgespräch in Hannover. Ursachen sind aus seiner Sicht die in diesem Jahr völlig überzogenen Anbauflächen der Wettbewerber in Europa. Da die sehr große Rübenernte und die sehr hohe Zuckerproduktion den Bedarf in Europa von etwa 17 Mio. t Zucker um rund 3 Mio. t übertreffe, seien die Preise auf dem Weltmarkt schon um rund 50 % eingebrochen.

Rübenanbau-Lieferung-LKW

Diese Entwicklung wird nicht nur die Zuckerproduzenten, sondern auch die Rübenanbauer mit voller Härte treffen. Die Verbraucher werden dagegen von dem Preissturz nicht profitieren. Die Spanne teilen sich laut Fuchs die Lebensmittelindustrie und der Handel auf.

Fuchs und sein designierter Nachfolger, Dr. Lars Gorissen, wissen um die Brisanz, wenn die Rübenpreise zu stark abstürzen und die Anbauer auf andere Früchte ausweichen. Auch wenn der Rübenanbau nach Berechnung der Landwirte erst ab 30 Euro/t attraktiv wird, könne man schon aus Rücksicht auf die Aktionäre den Geldbeutel nicht nach Belieben öffnen.
Gorissen rechnet damit, dass sich die variablen Vertrags-Rübenpreise für die Kampagnen 2018/19 und 2019/20 eher zwischen 25 bis 30 Euro /t bewegen werden. Positiv sei aber, dass man durch mehrjährige Verträge mit besseren Preisen die Rohstoffversorgung für 2019 bereits zu über 50 % gesichert habe.

Harter Wettbewerb

Den harten Wettbewerb, den die Wettbewerber der Nordzucker selbst zu verantworten hätten, werden nach Einschätzung von Fuchs nicht alle Unternehmen überstehen.  Er rechnet damit, dass von den bisher 25 Herstellern nur etwa fünf bis sieben Unternehmen in Europa am Markt bleiben werden.
Für die Nordzucker AG, die schuldenfrei sei und über ein hohes Eigenkapital verfüge, würden sich daraus Chancen zur Fusion oder für Joint Ventures ergeben. Neben Europa bleibe bezüglich der Expansionsabsichten aber auch insbesondere Brasilien im Fokus. Dort habe man sich schon elf Rohrrohzuckerproduzenten näher angesehen und ein Kaufangebot abgegeben, was aber nicht angenommen worden sei.

Auch interessant