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Getreide

Nur niedrige Prämien für Braugerste

von , am
12.03.2013

"Anbau und Perspektiven der Braugerstenproduktion" - so lautete das Motto der Infoveranstaltung der AG zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus. Wir waren für Sie vor Ort.

Braugerste
Im Jahr 2012 setzten die in Deutschland ansässigen Brauereien und Bierlager insgesamt rund 96,5 Mio. hl Bier ab. Dies war die niedrigste Menge seit der Wiedervereinigung und ein Rückgang von 1,8 Mio. hl gegenüber 2011. © fotolia

Über 130 Landwirte konnte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des niedersächsischen Braugerstenanbaus, Gerhard Rott, zur Informationsveranstaltung der AG und der fünf Erfassungsbetriebe aus Handel und Genossenschaften in Nienhof im Landkreis Celle begrüßen. Christian Schulz-Hausbrandt, Privatbrauerei Wittingen, zeigte in seinem Referat auf, dass der Biermarkt in Deutschland in den letzten Jahren stetig rückläufig ist. Lediglich in Jahren mit Großereignissen (WM 2006) und/oder mit für den Bierabsatz günstigen Witterungsverhältnissen kann der Trend unterbrochen werden. Von 2011 auf 2012 ging der Bierabsatz bundesweit um knapp 2 % zurück, in Niedersachsen /Bremen war sogar ein Einbruch von rund 6,5 % festzustellen, berichtete der Brauexperte.

Ursache hierfür sei die in Bremen ansässige weltweit größte Brauereigruppe AB-Inbev , die teilweise die Produktion des Becks Bieres ins Ausland verlagert hat. Weltweit, vor allem in Afrika, Asien und Südamerika, sei die Entwicklung des Bierabsatzes mit einer jährlichen Steigerung von etwa 1,5 % dagegen noch positiv, leider aber ohne Auswirkung auf den europäischen oder gar deutschen Biermarkt.

In Deutschland haben die Brauereien mit Überkapazitäten zu kämpfen, die laut Schulz-Hausbrandt zu einem ruinösen Preiskrieg führen. Zwar versuchten einige Brauereinen mit Preiserhöhungen ihre Rentabilität zu verbessern, dagegen stehe allerdings ein Aktionsanteil mit besonders günstigen Angeboten von 70 bis 80 %. Trotzdem sieht der Brauer für den deutschen Biermarkt Chancen im Export. Hier sei ein leichter positiver Trend zu erkennen, weil das Reinheitsgebot und besondere Bierspezialitäten das Potenzial für deutsches Bier hoch halten. Auch die nationale Entwicklung beurteilte er optimistisch, weil neuere Bierspezialitäten eine hohe Wertigkeit besitzen, das alkoholfreie Bier und auch Fassbrause stärker nachgefragt werden.

Situation am Malzmarkt

Die Situation am Malzmarkt erläuterte Thomas Zahn, Malzfabrik Cargill Salzgitter. Die Qualität der niedersächsischen Braugerstenernte 2012 bewertete er als gut, allerdings habe Schimmelbefall zeitweilig für Probleme gesorgt. Die Malzfabrik Cargill in Salzgitter verarbeitet zu 70 % niedersächsische Braugerste. Aufgrund der Anbauempfehlung der Arbeitsgemeinschaft handelt es sich dabei nahezu ausschließlich um die Sorte Quench. Dies bedeutet ein enges Qualitätsspektrum, das die Mälzer zum Import anderer Gersten veranlasst. Nur so seien die unterschiedlichen Malzspezifikationen der Brauer zu erfüllen.

Den niedersächsischen Braugerstenpreis auf Import-Parität aus Dänemark und Frankreich hält Zahn für marktgerecht, auch wenn dadurch die lokalen Mälzereien gegenüber den Konkurrenten außerhalb der Region benachteiligt werden. Die deutschen Mälzereien verfügen über eine Kapazität von über 2 Mio t. Bei einer Produktion von zu erwarteten 1,6 Mio. t und einem Malzbedarf von etwa 1,4 Mio. t liegt die durchschnittliche Auslastung der Mälzereien derzeit lediglich bei 75 %. Diese Entwicklung  werde zu einem weiteren Strukturwandel in der Malzindustrie führen.

Der Marktexperte der Agravis, Alfred Reisewitz, gab einen Überblick über die Getreideernte weltweit und den Getreidebilanzen 2011/2012. Hieraus leitete er ab, dass die Getreidepreise globalen Einflüssen ausgesetzt sind und damit auch die hiesigen Preise von den großen Getreidebörsen in Chicago oder Paris bestimmt werden. "Leitwährung" sei dabei der Winterweizen, dessen Preisentwicklung sich auch die Sommerbraugerste nicht entziehen könne.

Die Getreideernte 2012 in Deutschland bilanzierte Reisewitz wie folgt: Trotz 600.000 ha Flächenverluste durch Auswinterungsschäden bei Weizen und Gerste sei gegenüber 2011 eine um 8,5 % höhere Ernte mit guten bis sehr guten Qualitäten erzielt worden. Bei Weizen habe ein größerer Abfluss über den Export stattgefunden, während bei Roggen eine deutliche Marktüberversorgung festzustellen gewesen sei mit der Folge entsprechend unbefriedigender Preise. Bei Gerste konnten die Märkte trotz der Exporte ausreichend versorgt werden.

Überschusssituation

Die Marktsituation bei Braugerste in Deutschland und der EU ist laut Reisewitz geprägt worden durch eine stark angestiegene Anbaufläche nach Auswinterungen. Der Zuwachs in Deutschland betrug 180.000 ha, in Frankreich 300.000 ha und in Skandinavien 200.000 ha. Dadurch seien Produktionszuwächse in Deutschland von 0,8 Mio. t und in der EU von 2,0 Mio. t entstanden. Die bisherige durchschnittliche bis leicht defizitäre Bilanz sei in eine Überschusssituation umgekehrt worden. In Niedersachsen seien die Auswinterungsschäden in den typischen Braugersten-Anbaugebieten relativ gering gewesen, sodass sowohl die Fläche als auch die Produktion nur geringfügig angestiegen seien.

Der Braugerstenbedarf in Deutschland liegt bei etwa 1,62 Mio. t. Bei einer inländischen Erzeugung in 2012 von 1.7 Mio. t und einem Import von 0,34 Mio. t beträgt der Überschuss 0,42 Mio. t, berichtete der Marktexperte. Die Folge dieses Überschusses seien historisch niedrige Prämien für Braugerste (5 bis 10 €/t) gegenüber der Futtergerste in der laufenden Kampagne. Allerdings könnte die Braugerstenbilanz 2013/14 nach einem zu erwartenden Flächenrückgang in 2013 im nächsten Frühjahr wieder ausgeglichen sein. Laut Reisewitz könnte eine Braugerstenprämie von 25 bis 30 €/t über dem Futtergerstenpreis nach der minimalen Prämie im laufenden Jahr erzielt werden. Hilfreich wäre dabei ein nachhaltiges und verlässliches Bekenntnis der Brauindustrie zum Rohstoff Braugerste.

Hinweise zur Produktion

Andreas Lege, LWK Niedersachsen, stellte die Landessortenversuchsergebnisse vor. Diese anbautechnischen Ergebnisse sind neben den verarbeitungstechnischen Versuchsergebnissen die Grundlage für die Sortenempfehlung der Arbeitsgemeinschaft. Bereits im vierten Jahr hat die Sorte Quench überdurchschnittliche Erträge erzielt und wird erneut uneingeschränkt für den Anbau 2013 empfohlen. Diese Sorte hat einen genetisch fixierten niedrigeren Eiweißgehalt, der auch eine etwas höhere Stickstoffgabe zur Ertragssteigerung erlaubt, ohne die Qualität negativ zu beeinflussen. Hier sollte aber mit Bedacht gedüngt werden, da die Witterungseinflüsse sich ganz entscheidend auf den Erfolg auswirken können.

Die Veranstaltung hat sehr deutlich die sehr enge Verzahnung aller Partner der Wertschöpfungskette aufgezeigt. Um die Vermarktung als Braugerste sicherzustellen ist es notwendig, die spezifischen Interessen der Partner der Wertschöpfungskette zu kennen und in die Entscheidungen zum Anbau und Verarbeitung der Braugerste einzubeziehen. Diese Aufgabe erfüllt die Arbeitsgemeinschaft und ist damit unverzichtbar.
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