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Was den Öko-Ackerbau ausmacht

von , am
12.06.2013

Wer als Ackerbauer auf ökologische Wirtschaftsweise umstellen möchte, muss im Vorfeld genau abklären, ob dies der richtige Weg für seinen Betrieb ist. Nutzen Sie dafür die folgende Checkliste.

Getreidehacke und Sägerät im Front- bzw. Heckanbau. © Rasch

Eine durchdachte Vernetzung aller relevanten Faktoren ist unabdingbar, weil eine direkte und schnell wirkende Beeinflussung, etwa durch chemische Mittel, nicht erlaubt ist. Im Öko-Anbau sind alle betrieblichen Arbeiten eingebunden in ein Gesamtsystem, das muss beachtet werden.

Alle Faktoren arbeiten im biologischen Produktionssystem in gegenseitiger Abstimmung. Der direkte Eingriff über Düngung und schnell wirkenden Pflanzenschutz muss weitgehend durch Vorbeuge und natürliche Regelmechanismen ersetzt werden. Dabei sind der Erhalt und die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit ein grundlegendes Ziel.

Entscheidend bei der Umstellung ist der Übergang von der direkten Ernährung der Pflanzen mit leicht-löslichen Nährstoffen auf die indirekte Ernährung über das Bodenleben. Dieser Umstand zieht Änderungen der Fruchtfolge nach sich. Die Förderung und Pflege des Bodenlebens hat oberste Priorität. Das bedeutet, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln eine gute Bodengare mit einem ausreichenden Porenvolumen und gleichzeitig organischer Substanz aufzubauen.

Sie stammt einerseits aus Gülle, Mist, Jauche oder Kompost, die von bester Qualität und daher durch aerobe Verrottung, Belüftung, Kompostierung sowie Güllezusätze optimal aufbereitet sind. Unverzichtbar ist zudem die organische Substanz aus den Pflanzenwurzeln, allen voran von Leguminosen. Sie sammeln nicht nur mit Hilfe der Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft, auch ihr Wurzelsystem ist wertvoll für die Bodenfruchtbarkeit.

Fruchtfolgen anpassen

Der Humusvorrat des Bodens stellt eine Art Puffer für die Versorgung der Pflanzen dar und ist daher einer der wichtigsten Parameter der Bodenfruchtbarkeit.

Wie ändert sich nun die Fruchtfolge? Welche Kulturen kann ich anbauen? Diese Fragen interessieren Umstellungswillige zuerst. Ausgangsituation ist häufig eine enge, getreidereiche Fruchtfolge im konventionellen Betrieb, ergänzt durch Mais, Raps, Zuckerrüben oder Kartoffeln. Das sind humusneutrale oder mit den Hackfrüchten humusabbauende Kulturen. Humusaufbauende Früchte fehlen oft, dazu zählen z. B. Leguminosen.

Die Notwendigkeit humusmehrender Früchte wird deutlich, wenn man bedenkt, dass in einem Prozent Humus in den obersten 30 cm bis zu 2.500 kg Stickstoff und dazu etwa die zehnfache Menge Kohlenstoff/ha gebunden ist. Da im Biolandbau der Stickstoff oftmals der begrenzende Faktor ist, vereinen die Leguminosen die Vorteile von Stickstoff- und gleichzeitig Humusmehrung.

Eine geeignete Fruchtfolge, in die Leguminosen als Haupt- oder Zwischenfrucht eingebunden sind, ist somit eine zentrale Aufgabe bei der Umstellung.

Immer Kleegras

Tragendes Fruchtfolgeglied im Biolandbau ist Kleegras: Rot- und Weißklee, Luzerne und Gräser. Die Leistung von Klee(gras) ist primär die Stickstoffbindung, Unkrautunterdrückung und Bodenverbesserung. Eine monetäre Nutzung kann darüber hinaus noch erfolgen, z. B. durch eine Saatgutvermehrung oder den Verkauf des Aufwuchses an Tierhalter oder Biogasanlagen.

Auch Körnerleguminosen wie Ackerbohnen, Erbsen, Wicken und Lupinen, sollten als Haupt- und als Zwischenfrüchte ausreichend in die Fruchtfolge eingebaut werden. Als Untersaaten zum Beispiel in Getreide kommen vor allem die niedrig wachsenden Kleearten Weißklee, Gelbklee, Hornschoten- und Erdklee in Frage.

Unkraut regulieren

Neben einer veränderten Fruchtfolge taucht bei umstellungswilligen Landwirten in der Regel die berechtigte Frage auf: Wie mache ich das ohne Herbizide? Am Anfang steht das Vorbeugen durch die richtige Fruchtfolge, in der sich Winterung und Sommerung, Halmfrucht und Blattfrucht abwechseln. Eine Grundbodenbearbeitung mit dem Grubber und/oder Pflug schafft ein unkrautfreies Saatbett. Je später der Saatzeitpunkt im Herbst, umso weniger Probleme bereiten Ackerfuchsschwanz, Kamille und andere Unkräuter. Nach der Saat kann "blind" gestriegelt werden. Dabei erfasst der Striegel vor dem Aufgang der Saat die feinen Keimfäden der Unkräuter. Ab dem Drei-Blatt-Stadium im Getreide, mit neuen Striegelentwicklungen auch schon im Zwei-Blatt-Stadium - können Hackstriegel oder Egge die kleinen Unkräuter herausreißen oder zuschütten. Diese Technik wird auch in anderen Kulturen angewandt, z.B. in Erbsen, Bohnen, Raps oder Mais. Zu einem späteren Zeitpunkt kann nochmals gestriegelt werden, um wieder angewachsene Unkräuter erneut loszureißen oder auch das Klettenlabkraut oder Wicken "herauszukämmen".

Die Striegeltechnik stößt jedoch manchmal an ihre Grenzen, vor allem bei Gräsern wie Windhalm, Ackerfuchsschwanz, Flughafer, bei Kamille und Hederich. Hier bietet ein Getreidehackgerät beste Dienste. Dabei muss allerdings der Reihenabstand des Getreides erweitert werden, beispielsweise auf 20 cm, um dann mit einer 12 cm breiten Gänsefußschar durchhacken zu können.

Die Arbeitsbreite der Drillmaschine muss identisch sein mit der Arbeitsbreite des Hackgerätes. Getreidehackgeräte sind heute meist 3, 4, oder 6 m breit. Optimal ist die Kombination aus Hacke und Striegel, also im Front- oder Zwischenachsanbau das Hackgerät und im Heck der Striegel. In den Reihenkulturen Mais, Ackerbohnen, Kartoffeln, Sonnenblumen oder Gemüse werden neben den verschiedensten Hackgeräten auch Häufelgeräte, Bürstenmaschinen sowie die Abflammtechnik eingesetzt.

Pflanzengesundheit

Zunächst muss natürlich auch für diesen Aspekt die Fruchtfolge stimmen. Dann kann die Pflanzengesundheit durch geeignete Sortenwahl gesteuert werden. Darüber hinaus sollte sich die Pflanzengesundheit in erster Linie durch einen gesunden Bodenaufbau mit aktivem Bodenleben von selbst einstellen. Dennoch sollen ein paar problematische Beispiele aufgeführt werden. Da im Öko-Anbau nur ungebeiztes Saatgut zugelassen ist, kann selbst ein geringer Befall mit Weizensteinbrand eine ganze Partie untauglich machen. Um nur befallsfreien Weizen auszusäen, sollte das Saatgut deshalb vor der Aussaat immer auf Steinbrandsporen untersucht werden. Bei Bioland Z-Saatgut ist diese Untersuchung ebenso wie der Kaltkeimtest auf Keimfähigkeit Standard. Eine andere Möglichkeit bietet der Einsatz von Tillecur, ein auf Meerrettich/Senföl basierendes, zugelassenes Mittel, das gegen die Steinbrandsporen sehr hohe Wirkungsgrade erzielt. Bei Kartoffeln stellen sowohl Krautfäule als auch Drahtwurm und Rhizoctonia eine Herausforderung für den Biobauern dar. Um der Phytophthora vorzubeugen, ist ein optimaler Bodenaufbau von entscheidender Bedeutung, auch die Sortenwahl und die Pflanzgutvorbereitung spielen eine Rolle. Gute Keimstimmung ist Voraussetzung, besser ist die professionelle Vorkeimung. In Ausnahmefällen ist bei manchen Verbänden Kupfer als Pflanzenschutzmittel bis zu 3 kg/ha und Jahr zugelassen.
Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, dass auch eine ganze Palette von Nützlingen und Gegenspielern auf dem Markt ist. Diese Palette wird ständig vergrößert, um die Risiken im Ökolandbau zu verringern. Durch das Anlegen von Hecken oder mit Nützlingsstreifen im Acker kann der Landwirt dazu beitragen, seine eigene Nützlingspopulation aufzubauen.

Interessenten sind herzlich eingeladen zur Umstellungsveranstaltung für den Einstieg in den Bio-Ackerbau am Donnerstag, den 20. Juni 2013 von 10.30 bis 15.30 Uhr in der Landgaststätte "Zur Post", Marktstraße 2 in 29693 Ahlden (Aller).
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