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Ostfriesland: Unkraut im Mais mechanisch bekämpfen

Oekomais-Striegeln
© Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst ,
am
04.05.2018

Der Maisanbau in Ostfriesland ist bekannt für eine vergleichsweise einfache Herbizid-Strategie. Das könnte sich in Zukunft ändern. Was die Mechanik leisten kann.

Die Unkrautregulierung im Mais wird künftig schwieriger werden, so auch in Ostfriesland. Das hat folgende Gründe:

  • Schwer bekämpfbare Unkräuter und Ungräser nehmen zu.
  • Die Einmalbehandlung mit Herbiziden reicht an etlichen Maisstandorten nicht mehr aus.
  • Funde von nicht relevanten Metaboliten von Pflanzenschutzmitteln im Gütemessnetz der Wasserversorger haben Beratung und Öffentlichkeit sensibilisiert.

Metabolitfunde aus Herbiziden nehmen zu

    Die Metabolitfunde sind für den Menschen nicht bedrohlich. Trotzdem müssen sie ernst genommen werden. „Die Diskussion um Pflanzenschutzmittel und Wasserqualität wurde in Niedersachsen ausgelöst. Unter anderem werden Metabolite des Wirkstoffs S-Metolachlor im Gütemessnetz der Wasserversorger gefunden“, so Geert-Udo Stroman, Pflanzenbauberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Aurich.

    Er nennt folgende Gründe:

    • Die Wirkstoffe werden  sehr häufig auf vielen Maisäckern durch die Präparate Dual Gold und Gardo Gold eingesetzt.
    • Man könnte davon sprechen, dass hier ein Wirkstoff „überstrapaziert“ wird.
    • Dass Wirkstoffe regelrecht „verbrannt“ werden, ist auch in anderen Kulturen (z.B. Getreide) ein Problem. Resistente Unkräuter sind die Folge.

    Neue Herbizidstrategien

      Um aber die wichtigen Pflanzenschutzwirkstoffe für den Maisanbau erhalten zu können, untersucht Stroman mit seinem Team in Feldversuchen neue Herbizidstrategien:

      • Eine davon ist die Halbierung bzw. die Substitution des Einsatzes von S-Metolachlor (Mtc.) bzw. Terbuthylazin (Tba.), indem andere Wirkstoffe herangezogen werden (Rotationsprinzip).
      • Eine zweite Strategie ist die mechanische Unkrautbekämpfung kombiniert mit einer S-Metolachlor bzw.Terbuthylazin freien Herbizidspritzung.
      • Eine dritte die reine mechanische Unkrautregulierung, wie sie in Ökobetrieben praktiziert wird.

      Ökobetrieb macht es vor

        Einer, der nur Mechanik im Mais einsetzen darf, ist Sebastian Brune vom Demeter-Betrieb Johannshof in Großefehn. Der Landwirt und Mitglied der Betriebs-GbR setzt seine Striegeltechnik auch in Stromans Versuchen ein.

        Der Johannshof baut auf seinen 110 ha Ackerland in Fruchtfolge seit vier Jahren Silomais für die Mastrinder an. Brune ist es bisher immer gelungen, einen guten Maisertrag zu erzielen.

        Doch von einem Gedanken muss sich der Landwirte frei machen: Der Acker wird nie ganz unkrautfrei sein. Durch die Fruchtfolge können sich allerdings auch nicht die Problemunkräuter wie im konventionellen Maisanbau herausselektieren.

        Fruchtfolge muss sein

        Unkrautbekaempfung-Mais-mechanisch
        Demeter-Landwirt Sebastian Brune aus Großefehn im Landkreis Aurich hat sich für einen Striegel mit separat einstellbaren feinen Zinken entschieden. © Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst

        Brune hat sich für einen  Striegel von Treffler entschieden. „Unsere Maisflächen sind leichte humose Sandböden mit maximal 35 Bodenpunkten, da brauche ich Technik, die zärtlich mit dem Boden umgeht“, so Brunes Begründung.

        Was das heißt? Jeder einzelne Striegelzinken kann so eingestellt werden, dass er den Boden nicht aufwühlt. „Sonst haben wir hier den Treibsandeffekt“, so der Landwirt. Im Maschinenschuppen stehen auch noch eine Rollhacke und ein Gerät aus Amerika, der Rotary Hoe, den Brunes Schwiegervater angeschafft hat.

        Sebastian Brune gibt folgende Tipps:

        • „Die Technik alleine ist nicht entscheidend für den Erfolg, sondern oberstes Gebot ist die Fruchtfolge. Der Mais steht auf dem Johannshof immer nach einer Winterung.
        • Das Zweitwichtigste: Der Termin der mechanischen Unkrautbekämpfung. „Wir müssen auch schon fahren, wenn wir nichts sehen“, so Brune.
        • Der Ökolandwirt striegelt etwa fünf Tage nach dem Maislegen „blind“, und zwar zweimal im Vorauflauf.
        • Abstand der Striegeleinsätze: drei bis vier Tage. Hängt von der Witterung ab.
        • Ist diese warm und feucht, muss früh erneut gestriegelt werden.
        • Die Unkräuter müssen im Fädchenstadium erwischt werden. Sind sie zu groß (zwei Keimblätter), wird es schwierig.
        • Wenn die Maispflanzen spitzen, ist Ruhe auf dem Acker angesagt. „Wir striegeln erst wieder, wenn der Mais das Dreiblatt-Stadium und damit eine feste Verwurzelung im Boden erreicht hat, vorher ist er zu empfindlich“, so Brune. 
        • Damit die Maispflanzen dem Unkraut davon wachsen können, muss die Sorte über eine sehr gute Jugendentwicklung verfügen. Ein Zuchtziel, auf das im Ökomaisanbau genau geachtet wird.
        • Bisher hat Brune keine Unterfußdüngung eingesetzt. In diesem Jahr plant er aber den Einsatz von Litho Physalg G18 mit 18 % Phosphor, ein Unterfußdünger, der im Ökoanbau zugelassen ist.
        • Die Rollhacke kommt erst zum Einsatz, wenn der Mais 30 cm Höhe erreicht hat. Die rotierenden Hackzinken lassen sich so einstellen, dass das Unkraut auch in der Maisreihe verschüttet wird bzw. die Erde von der Maisreihe weggearbeitet werden kann. „Es ist eine große Kunst, auch hier im richtigen Moment zu hacken“, weiß Brune. Es muss trocken sein. Das Unkraut darf nicht zu groß sein. Aber, das kann man im Ökomaisanbau schaffen.

        Erste Versuche der Landwirtschaftskammer Aurich

          Geert-Udo Stroman sammelt derzeit erste Versuchsdaten zum Einsatz der Hacktechnik bzw. zur Kombination von Hacke und Spritze im konventionellen Maisanbau:

          • Eine Variante enthält nur die mechanische Unkrautbekämpfung.
          • Zwei weitere Varianten kombinieren die Hacke (zweimal Blindstriegel, EC 01-07 und EC 12/13) mit der Spritzung (Tba-haltige Bodenkomponente bzw. Mtc- und Tba-freie überwiegend blattwirksame Komponenten in EC 15/16). 
          • Zwei chemische Varianten, die ähnlich aufgebaut sind wie die oben beschriebene, erfolgten zum üblichen Termin in EC 13, bei der die Rollhacke in EC 15/16 optional eingesetzt werden könnte.

          Ergebnisse zur Unkrautwirkung

            Bonitiert wurde die Wirkung auf Unkräuter und -gräser an zwei Terminen (16.6.2016 und 15.7.2016). Als Unkräuter und Ungräser traten  Weißer Gänsefuß, Schwarzer Nachtschatten, Jährige Rispe, Hühnerhirse, Vogelmiere und Kleinblütiges Franzosenkraut auf (dominante Unkräuter in der unbehandelten Kontrolle). Es zeigte sich:

            • Bei der ersten Bonitur lag die rein mechanische Unkrautwirkung bei 67 %.
            • Die Kombination von mechanischer Vorbehandlung mit einer folgenden Spritzung steigerte die Wirksamkeit auf 82 bis 90 %.
            • Die reinen Herbizidkombinationen wiesen erwartungsgemäß die höchste Wirkung auf (etwa 98 % Wirkungsgrad).
            • Bei der späteren Bonitur nahm der Unkrautdeckungsgrad deutlich zu (über 90 % in der Kontrolle).
            • Die rein mechanische Variante ließ mit einem Wirkungsgrad von 30 % deutlich nach, weil ein letzter Hackgang fehlte. Es traten Verluste beim Mais von 5 % auf.
            • Die Kombination von Hacke und Spritze verhinderte einen weiteren Neuauflauf der Unkräuter.
            • Die Kombination von mechanischer und chemischer (ohne die Bodenwirkstoffe SMetolachlor und Terbuthylazin) Unkrautbekämpfung schnitt gut ab.

            Hack- und Striegeltechnik noch nicht ausgereizt

              Stroman sieht bei der Hack- bzw. Striegeltechnik noch nicht alle Möglichkeiten ausgereizt. Auch die Erfahrung des Landwirts ist entscheidend für den Erfolg der Maßnahme. Durch eine leicht erhöhte Pflanzenzahl je Hektar könnte der Verlust an Maispflanzen durch die Hacke ausgeglichen werden.

              Im Versuchsjahr 2017 konnten Wirkungsgrade bei den mechanischen Varianten in zwei Versuchen bei etwa 70 % erzielt werden.

              Höhere Kosten

              Auf jeden Fall erhöht die Anzahl der Hackdurchgänge von drei bis fünf die Kosten für den Pflanzenschutz (um bis zu etwa 60,- €/ha). Der Pflanzenbauberater appelliert an die Landtechnikhersteller, mehr moderne Hacktechnik zur Verfügung zu stellen.

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