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Grünland

Pflege - Jetzt sollte es losgehen

von , am
04.03.2014

Die Temperatursumme von 200° C für Grünland ist in weiten Teilen Niedersachsens erreicht. Es wird Zeit für die Pflegemaßnahmen. Was beim Saisonstart unbedingt zu beachten ist, haben wir nachfolgend zusammengefasst.

Das Abschleppen der Grasnarbe sollte etwa sechs bis acht Wochen vor dem ersten Schnitt auf gut abgetrockneten Böden erfolgen, um unnötige Verschmutzungen des Futters zu vermeiden. © Kalzendorf
Die anhaltend sehr milden Temperaturen der vergangenen Wintermonate lassen einen frühzeitigen nachhaltigen Vegetationsbeginn erwarten. Die Vorbereitungen für Pflege und Düngung des Grünlandes müssen nun beginnen, denn Grünlandpflege sowie Nachsaaten und Düngungsmaßnahmen zum ersten Aufwuchs sollten bis zum Vegetationsbeginn bei günstiger Witterung und abgetrockneter Grasnarbe erfolgen.

Um sich einen Überblick über den Zustand der Grünlandnarbe zu verschaffen und die damit verbundenen Grünlandpflegemaßnahmen beurteilen und planen zu können, ist ein Flächenbegang die effektivste und kostengünstigste Möglichkeit. Der Einsatz gezielter Pflegemaßnahmen im Grünland stellt die Basis für eine hohe Grundfutterleistung und leistungsgerechte Versorgung von Hochleistungskühen dar. Es rechnet sich also, bereits mit Vegetationsbeginn, die erforderlichen Pflegemaßnahmen zur Verbesserung Ihres Grünlandes zu ergreifen.

Standardprogramm

Das Standardprogramm der Grünlandpflege umfasst striegeln, nachsäen, schleppen sowie walzen bei anmoorigen, moorigen oder stark humosen Böden. Neben der Witterung entscheiden auch Nutzung und Pflege über die Leistungsfähigkeit der Grünlandnarbe. Folgende Pflegemaßnahmen bereiten das Grünland auf den Vegetationsbeginn optimal vor:

Der Striegeleinsatz im Frühjahr ist Mittel der Wahl, um die Narbe zu durchlüften und die Bestockung der Gräser zu fördern und deren Wachstum anzuregen. Der Striegel ermöglicht ein Herausziehen von abgestorbenem und ausgewintertem Pflanzenmaterial. Der Einsatz sollte vorzugsweise auf gut abgetrockneten Flächen durchgeführt werden. Zudem lassen sich unerwünschte Untergräser z. B. von Gemeiner oder Jähriger Rispe gut entfernen. Dabei kann der Striegel ruhig scharf eingestellt sein, um die obere Bodenschicht bewusst anzuritzen und unerwünschte Untergräser zu entfernen.

Sehr stark verfilzte Bestände sollten nach Möglichkeit im Sommer wiederholt gestriegelt werden. Die innerhalb der Grasnarbe mechanisch erzeugten Narbenlücken, durch Entfernen der Untergräser oder Moos, sind zeitnah durch eine Nachsaat mit anschließendem Anwalzung des Saatgutes zu schließen. Ist der Striegel vor dem Striegelfeld mit einer Schiene ausgestattet, können Maulwurfshaufen und Unebenheiten in einem Arbeitsgang sehr gut eingeebnet werden.

Das Abschleppen des Grünlandes stellt eine weitere wesentliche Pflegemaßnahme dar, um das Grünland auf das Nutzungsjahr gut vorzubereiten. Diese sollte etwa sechs bis acht Wochen vor dem ersten Schnitt auf gut abgetrockneten Böden erfolgt sein, um unnötige Verschmutzungen des Futters und Störungen im Silierverlauf zu reduzieren. Mit der Schleppe werden Unebenheiten durch Schädlinge (Maulwürfe, Wühlmäuse) behoben und anhaftende Güllereste von den Blättern abgestreift. Das Abschleppen lässt sich mit entsprechender Technik gut mit der Nachsaat kombinieren, um einen Arbeitsgang einzusparen.

Geeignete Sorten

Nachsaaten im Frühjahr sind dort zu empfehlen, wo Auswinterungsschäden durch Reparaturmaßnahmen behoben und Lücken geschlossen werden sollen.

Das Deutsche Weidelgras gilt nach wie vor auf intensiv genutzten Grünlandflächen als das Leitgras. Dank seines hohen Futterwertes, seiner zügigen Jugendentwicklung, einer dichten Narbenbildung und einer insgesamt hohen Ertragsfähigkeit vereint es eine Vielzahl futterbaulich erwünschter Eigenschaften. Es lässt sich aufgrund seiner ausgeprägten Konkurrenzkraft sehr gut in einer Altnarbe etablieren. Zudem eignet es sich gleichermaßen zur Weide- und intensiven Schnittnutzung.

Hier sollte Wert auf die richtige Nachsaatmischung gelegt werden. Die Wahl der Gräsermischung ist vom Nutzungsziel, der Nutzungsintensität sowie vom Standort abhängig. Dementsprechend ist der der Anteil tetraploider Sorten, von Moorsorten (M-Sorten) sowie von Ertrags- und Ausdauersorten in der Mischung zu wählen. Gräsermischungen mit einem Kleeanteil von bis zu 10 % können im Rahmen einer Nachsaat interessant sein. Kleegras-Mischungen zeichnen sich gegenüber Reinbeständen durch eine bessere Schmackhaftigkeit des Futters, eine hohe Verdaulichkeit, einen höheren Mineralstoffgehalt, eine höhere Nutzungselastizität sowie durch einen höheren Proteingehalt aus. Informationen zu aktuellen Sortenempfehlungen finden Sie im Grünen Faltblatt Qualitätsstandard, Mischungen für Grünland der Arbeitsgemeinschaft der norddeutschen Landwirtschaftskammern.

Eine Nachsaat sollte bei größeren Bestandeslücken mit einer Aufwandmenge von 15 bis 20 kg/ha erfolgen, bei kleineren Bestandeslücken reicht auch eine Übersaat aus. Das rechtzeitige Schließen der Lücken wirkt der Entwicklung und Ausbreitung von unerwünschten Kräutern in der Narbe entgegen. Bei starker Verkrautung ist eine vorgeschaltete chemische Bekämpfung sinnvoll. Wichtig für eine erfolgreiche Etablierung der Nachsaat in der Altnarbe sind eine ausreichende Wasserversorgung sowie ausreichend Licht und Luft. Ein Walzgang nach der Nachsaat ist vorteilhaft, um einen guten Kontakt zwischen Saatgut und Boden herzustellen.  

Walzen, wo es passt

Neben der Wahl der Mischung spielen gezielte Pflegemaßnahmen vor und nach der Aussaat, der richtige Aussaatzeitpunkt sowie die Technik eine entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Etablierung der Gräser im Bestand. Zudem ist eine frühe erste Nutzung durch Beweidung oder ein zeitiger erster Schnitt nach der Nachsaat sehr vorteilhaft für die Entwicklung von Seitentrieben und den jungen Keimlingen, die damit ein schnelles Schließen von Narbenlücken fördern.  Das Walzen trägt durch Verbesserung des Bodenschlusses zu einer erhöhten Wärmeleitfähigkeit sowie zu einer verbesserten Wasser- und Nährstoffführung durch Wiederanschluss hochgefrorener Bodenschichten an untere Horizonte bei. Der genannte Effekt zeigt sich im Frühjahr besonders auf anmoorigen, moorigen und stark humosen Böden nach frostreichen Wintern. Bei Lehmböden sollte wegen der Gefahr der Verdichtung gerade bei feuchten Bodenbedingungen auf das Walzen verzichtet werden. Verdichtete Böden erwärmen im Frühjahr durch die zusammengepressten Grobporen sehr viel langsamer und verzögern somit den Vegetationsbeginn des Grünlandbestandes.
 
Walzgewicht und Fahrgeschwindigkeit sollten unter Berücksichtigung der Bodenfeuchte und der Bodenart aufeinander abgestimmt sein. Bei sehr trockenen oder auch nassen Böden ist ein Walzen ebenfalls nicht zu empfehlen.  Wiesenwalzen sollten nach der Befüllung mit Wasser ein Gewicht von mindestens 1 t je Meter Arbeitsbreite haben. Die Fahrgeschwindigkeit von 5-6 km/h sollte dabei für den gewünschten Walzerfolg nicht überschritten werden.

Auch das Ausmähen überständiger Weide- und Futterreste gehört zum Standardprogramm bei der Grünlandpflege, sofern dies nicht im vergangenen Herbst erfolgt ist. Überständiges Futter verschlechtert die Flächenleistung des Grünlandes, die Qualität des Grundfutters und die Leistungsfähigkeit der Tiere. Neben den Pflegemaßnahmen darf die sachgerechte Bewirtschaftung der Flächen nicht vernachlässigt werden. Hierzu zählen eine der Nutzungsintensität angepasste Düngung, die Wahl des richtigen Schnittzeitpunktes (überständiges Futter vermeiden) sowie das Einhalten der optimalen Schnitthöhe von 6-7 cm. Ein zu tiefer Schnitt von 2 - 3 cm schädigt nachhaltig wertvolle Futtergräser und verändert die Bestandeszusammensetzung. Gerade die Gemeine Rispe profitiert bei zu tiefem Schnitt und wird in ihrer Verbreitung gefördert. Die Grünlandpflege ist bis zum Stadium des Schossens bis Mitte April abzuschließen.

Fazit

Dieses Jahr liegt der Vegetationsbeginn früh, so dass die Grünlandpflege (Abschleppen, Striegeln, Walzen) jetzt beginnen sollte. Vorbedingung sind aber abgetrocknete Flächen. Lücken sind umgehend durch Nachsaat zu schließen; hier empfohlene Sorten wählen.
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