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Getreide

Qualität muss auch bezahlt werden

von , am
29.01.2013

Die außergewöhnliche Auswinterungssituation im Frühjahr 2012 hat zu einem massiven Anstieg des Anbauumfangs von Sommergetreide geführt. Die Braugerste konnte von dieser Situation aber nur wenig profitieren.

Der Anbau der Sommerbraugerste lohnt sich nur, wenn die Bauern entsprechende Aufschläge gegenüber der Futtergerste erhalten. © Raupert

Während die Futtergerstenfläche um fast 25.000 ha anstieg, fiel die Steigerung des Braugerstenanbaus mit rund 2.000 ha gering aus. Das momentan sehr hohe Preisniveau für Futtergerste macht es schwer, die erforderlichen Qualitätsprämien für Braugerste zu erzielen. Ein Aufschlag auf den Futtergerstenpreis von mindestens 20 bis 30 ?/t ist notwendig, um den Anbau wirtschaftlich erscheinen zu lassen. Es bleibt abzuwarten, ob die Braugerstenfläche zur Ernte 2013 auf gleichem Niveau bleibt wie in 2012 mit 20.000 ha oder ob sie aufgrund der sehr stabilen Preise für Futtergetreide wieder absinken wird. In jedem Fall sind hier rechtzeitige Preissignale seitens des Erfassungshandels erforderlich, um die Flächen zu halten.

Erträge der Sorten

Die Praxiserträge liegen im niedersächsischen Durchschnitt 2012 höher als im Vorjahr. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Erträge regional stark unterschiedlich ausfallen können. Abhängig ist Erfolg oder Misserfolg der Braugerstenproduktion in der Mehrzahl der Jahre vom Vorhandensein einer leistungsfähigen Feldberegnung. Die Braugerstenregionen in Niedersachsen sind dabei in der glücklichen Lage, über ein enges Beregnungsnetz zu verfügen und so Ertragsverlusten oder Qualitätsproblemen vorbeugen zu können.

Die Sortenprüfungen der LWK Niedersachsen mit Sommerbraugerste standen im Jahr 2012 auf drei auswertbaren Standorten im intensiven Anbaugebiet im nordosthannoverschen Raum.

In den Prüfungen zeigte Quench erneut ihre Leistungsfähigkeit und stellte sich mit ihrem Ertrag unter den mehrjährig geprüften Sorten an die Spitze. Hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften ist sie sowohl im Bereich Halm- und Ährenknicken als auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten als positiv zu bewerten. Lediglich die Anfälligkeit gegenüber Zwergrost ist erhöht.

Nachdem Marthe in den Jahren 2009 und 2010 ertraglich schwächelte, bestätigt sie aktuell das durchschnittliche Ergebnis des Vorjahres. Relativ konstant im Bereich des Mittels präsentiert sich Propino. Grace dagegen zeigt, dass sie unter den niedersächsischen Anbaubedingungen für einen Anbau weniger geeignet zu sein scheint.
Im aktuellen Landessortenversuch Braugerste wurden zwei neue Sorten erstmalig geprüft. Catamaran bestätigt dabei die viel versprechenden Ergebnisse aus der Wertprüfung. Passenger dagegen fällt im Ertrag deutlicher zurück.

Die Düngung der Braugerste mit Stickstoff erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung des Landwirtes, um Proteingehalte über 11,5 % zu vermeiden. Der Protein- und somit letztlich der Stickstoffgehalt in der Braugerste spielt eine bedeutende Rolle in der Malz- und Bierherstellung. So können erhöhte N-Gehalte unter anderem die Gärung beeinträchtigen oder die Filtration erschweren. Sie sind somit unerwünscht. Auf der anderen Seite sind zu geringe N-Gehalte unter 9 % ebenfalls ungünstig, da Stickstoffsubstanzen eine gewisse Rolle bei der Schaumstabilität und dem Geschmack des Bieres spielen.

Düngungsversuch

In den vergangenen Jahren zeigte die Sorte Quench vergleichsweise geringe Proteingehalte. Dieses deutete sich auch an, wenn die N-Düngung in einigen Fällen leicht erhöht war. Um diese Beobachtungen zu überprüfen, erfolgte in den Jahren 2011 und 2012 im Rahmen der Landessortenversuche die Anlage einer Variante der Sorte Quench mit erhöhter N-Düngegabe von 30 kg/ha.

Im Jahr 2011 führte die zusätzliche N-Gabe zu einem deutlichen Mehrertrag. Zur Ernte 2012 ließ sich kein absicherbarer Mehrertrag im Vergleich zur herkömmlich gedüngten Variante erzielen. In beiden Jahren zeigte sich eine vergleichsweise erhöhte Bestandesdichte bei verringerter Bekörnung der Einzelähre in der höher mit Stickstoff versorgten Variante. Der Proteingehalt wurde leicht erhöht. Im Jahr 2011 fiel der Vollgerstenanteil von der Variante "Quench + 30 kg N" etwas geringer aus. Im Jahr 2012 zeigte sich ein umgekehrtes Bild. Der Gehalt an löslichem Stickstoff sowie freiem Amino-Stickstoff in der Lösung war höher.

Insgesamt bedürfen die Ergebnisse einer weiteren Prüfung, um gesicherte Aussagen hinsichtlich möglicher Mehrerträge oder der Auswirkungen auf den Proteingehalt treffen zu können. Von einer generellen Erhöhung der N-Düngung beim Anbau der Sorte Quench ist daher momentan noch abzuraten. In jedem Fall sollten dabei die standortspezifischen Eigenschaften sowie die Erfahrungen des Betriebsleiters berücksichtigt werden.

Verarbeitungsqualitäten

Neben dem Ertrag sind vor allem die qualitativen und verarbeitungsrelevanten Eigenschaften der Sorten für eine Anbauempfehlung von Bedeutung. Für den Landwirt sind vor allem der Proteingehalt, das Hektolitergewicht und die Sortierung von Bedeutung. Diese können direkte Auswirkungen auf die Preisbildung haben.

Um rechtzeitig Informationen hinsichtlich der Verarbeitungsqualitäten in der Malz- und Bierherstellung zu erhalten, erfolgt im letzten Wertprüfungsjahr der Sorte eine Überprüfung großtechnologischer Eigenschaften in den Brauereien im so genannten ?Berliner Programm?. Nur im Rahmen dieser Untersuchungen positiv beurteilte Sorten finden ihren Weg in die Landessortenversuche.

Sortenempfehlung folgt

Wie in den Vorjahren geht Quench auch 2012 aus den Qualitäts- und Malzuntersuchungen als Sorte mit dem geringsten Proteingehalt hervor. Die Malzmürbigkeit (Friabilimeter) liegt vergleichsweise hoch. Diese ist erwünscht, da sich nur ein mürbes Malz  beim Maischen schnell und vollständig extrahieren lässt. Auch sonst überzeugt die Sorte in ihren zytolytischen und proteolytischen Eigenschaften. Lediglich im Vollgerstenanteil und in der Kornsortierung größer 2,8 mm ist sie im Vergleich mit den anderen Sorten schwächer. Marthe zeigt die geringste Malzmürbigkeit aller Sorten und einen sehr hohen ß-Glucan-Gehalt. Dieser kann zu Schwierigkeiten bei der Filtration des Bieres in der Brauerei führen. Grace ist hinsichtlich dieses Kriteriums positiv zu bewerten. Propino liefert den höchsten Extraktgehalt aller geprüften Sorten. Die hiermit ausgedrückte Extraktergiebigkeit des Malzes ist eines der wichtigsten Untersuchungsmerkmale. Catamaran verfügt über die geringste Malzmürbigkeit und einen im Vergleich leicht erhöhten ß-Glucangehalt. Der Extraktgehalt ist positiv zu bewerten. Die Sorte Passenger weist den höchsten Proteingehalt des Sortimentes auf. Dieses liegt unter anderem vermutlich am geringeren Ertragsniveau. Die Malzmürbigkeit ist ausgesprochen hoch, der ß-Glucangehalt am geringsten. Hinsichtlich der Sortierung oberhalb 2,8 mm liegt die Sorte an der Spitze.

Anhand der vorliegenden Ertrags- und Qualitätsergebnisse werden die zur Ernte 2012 in den Landessortenversuchen geprüften Sorten Anfang Februar einer Gesamtbewertung durch die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Niedersächsischen Braugerstenanbaus unterzogen. Die hier erarbeitete Empfehlung für den Braugerstenbau 2013 wird umgehend in der LAND & Forst veröffentlicht, sobald diese vorliegt.

Nachfolgend finden Sie die Tabellen zum Herunterladen:
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