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Ackerbau

Rapsanbau in Dammkultur auf Probe

Raps-Dammkultur-Wangerland
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Edith Kahnt-Ralle, LAND & Forst
am
09.08.2018

Raps in Dammkultur baut Landwirt Reinke Tyedmers im niedersächsischen Wangerland probeweise auf drei Hektar an. Was der Milchviehhalter bisher berichten kann.

Bisher ist Landwirt Reinke Tyedmers im Wangerland im Norden Niedersachsens sehr zufrieden. Bereits im März waren wir vor Ort und haben die ersten Hektar Raps auf Dämmen vorgestellt. Die Pflanzen sahen sehr gut aus. Ende März waren viele Rapsbestände in Niedersachsen durch den nassen Winter und das ebensolche Frühjahr gekennzeichnet.

Auch ein Teil der konventionell gesäten Rapsflächen von Reinke Tyedmers  aus dem Wangerland sah nicht gerade prall aus. Trotzdem hatte er einen Grund sich zu freuen: Die 3 ha Raps, die er versuchsweise in Dämme gelegt hatte, sahen ausnahmslos gut aus. Dieser Raps hatte Nässe und späten Frost getrotzt.

Raps macht auch bei Trockenheit guten Eindruck

Und ist es auch jetzt im August: Die kräftig entwickelten Rapspflanzen der Dammkultur machen einen guten Eindruck. Und das, obwohl auch der friesische Standort, der normalerweise kein Problem mit zu wenig Wasser hat, massiv unter der wochenlangen Trockenheit leidet. 

Tiefgehende Trockenrisse oder dünn stehende Getreidebestände, die kaum bis zum Knie reichen, sind nur eine der Folgen.Milchviehhalter und Ackerbauer Tyedmers ist sehr gespannt auf den Ertrag seiner Dammkultur. "Wenn dieser Bestand auch nur einen vergleichbaren Ertrag wie seine konventionell gedrillten Flächen bringt, bin ich zufrieden."

Wie die Rapsdämme angelegt werden

Die Rapskultur hat er auf 75 cm voneinander entfernt liegenden Dämmen folgendermaßen angelegt:

  • Die Saat hat er in einem Arbeitsgang fertiggemacht.
  • Das Pflügen entfällt.
  • Eine Tiefenlockerung bis auf 45 cm ist mit der Dammprofi-Maschine möglich.
  • Es wird weniger Saatgut benötigt mit 25 Körner/m².
  • Die Dammkultur wird mit nur einer Maschine durchgeführt. Diese ist ausgestattet mit einem Tiefenlockerer, der 25 bis 45 cm tief arbeiten kann. Ein Häufelkörper formt die obere Bodenschicht als Damm.
  • Eine V-förmige Packerwalze verdichtet den Damm wieder.
  • Im gleichen Arbeitsgang wird der Raps gesät (Maisdrille).
  • Gedüngt wurde Tyedmers Dammkulturraps mit Hähnchenmist im Herbst (eingegrubbert) und zur Saat mit einem Microgranulatdünger (25 kg/ha).
  • Durch das Anhäufeln der nährstoffreichen Oberschicht wird die Nährstoffausnutzung in normalen Jahren verbessert, sind sich die Praktiker einig.
  • Beim Pflanzenschutz hat der Landwirt im Fall der Dammkultur keinen Unterschied zum konventionellen Raps feststellen können.

Dammverfahren: Einzelpflanzen mit größerem Standraum

Rapsanbau-Dammkultur

Dirk Backhaus, Pflanzenbauberater der Agrargenossenschaft Weser-Ems, berichtet: „Probeweise hat auch ein weiterer Landwirt in der Region Raps in Dämmen ausgesät.“ Zunächst hatte Backhaus dem neuen Verfahren gegenüber Bedenken. Nach dem extremen Winter sind diese aber verflogen:

Der Raps auf Dämmen hat nicht so stark unter der Nässe gelitten. Überschüssiges Wasser ist zwischen den Dämmen abgeflossen. Der direkte Vergleich von konventionell und in Dammkultur gesäten Probe-Beständen zeigt folgendes:

  • Die Einzelpflanzen im Dammverfahren nutzen den größeren Standraum.
  • Die Pflanzen verzweigen sich stärker, bilden ein sehr kräftiges Wurzelsystem aus.
  • Die Einzelpflanze ist kräftiger und wächst höher.
  • Die Schoten sind bis in die unteren Etagen mit Körnern besetzt. Es ist offensichtlich, dass das einzelne Korn größer ist.

Konventionelle Bestände mit kleineren Körnern

    Die konventionellen Bestände stehen natürlich dichter, die Einzelpflanzen sind zierlicher, die Schoten nur im oberen Bereich ausgebildet. Sie sind auch gut ausgebildet, aber mit kleineren Körnern gefüllt. Jetzt muss sich zeigen, welcher Ertragsaufbau besser abschneidet.

    Die ersten Ernteergebnisse der Dammkultur stimmen Tyedmers vorsichtig optimistisch: „Wir haben von der Dammkultur unter diesen sehr schwierigen Bedingungen im Winter wie im Sommer im Schnitt den gleichen Ertrag runtergeholt wie von unserem konventionellen Raps“. Allerdings wartete der Landwirt zum Redaktionsschluss noch auf die Ölgehalte.

    Sicher ist er aber, dass er auch in diesem Herbst Teilflächen Raps mit dem Dammsaatverfahren ausssäen will. Seinen Mais hat er bereits dieses Jahr zu hundert Prozent in Dämme gelegt. Auch hier lassen die guten bis sehr guten Bestände hoffen. Tyedmers: „Nur auf einem ganz schwierigen, tonigen Teil der Flächen ist auch die Dammkultur bei der Trockenheit nicht gelungen“.

    Dammsaat-Pflanzen sind vitaler

    Dirk Backhaus zieht sein eigenes Fazit:

    • Die Ertragsauswertungen dürfen nach seiner Meinung zum jetzigen Zeitpunkt nicht überbewertet werden, denn es handelt sich nicht um ordnungsgemäß angelegte Versuche. 
    • Tyedmers ist wichtig, dass das gesamte Verfahren bewertet wird: die Pflanzen aus der Dammsaat waren über die gesamte Vegetationszeit wesentlich vitaler, sie hatten weniger Probleme bei Staunässe und waren in der Lage, einen Reihenabstand von 75 cm zu kompensieren.

    Insgesamt wird das Dammkulturverfahren deutschlandweit bereits auf 5.000 ha eingesetzt. Die Maschine kann aufden LandTagenNord besichtigt werden.
     

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