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Zuckerrüben

Rübenanbau: Cercospora macht sich wieder breit

Fungizide-Zuckerrueben-Foto-Cercospora
Dr. Bernhard Werner, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover
am
12.07.2018

Im Zuckerrübenanbau ist der gezielte Fungizideinsatz gegen Blattkrankheiten sehr wichtig. Nur so sind größere Ertragsverluste zu vermeiden. Was Sie tun können.

Der Wegfall der Zuckermarktordnung gestaltet die Erlössituation deutlich schwieriger. Gleichzeitig ist die Zuckerrübe im direkten Vergleich der Marktfrüchte auch in Niedersachsen weiterhin eine der lukrativsten Einnahmequellen. Damit dies so bleibt, müssen die Produktionskosten möglichst gering gehalten werden, bei Erzielung eines maximalen Ertrages.

Blattkrankheiten aktuell gut kontrollieren

Ein wichtiger Baustein in diesem System ist der gezielte Einsatz von Fungiziden gegen Blattkrankheiten:

  • Diese Schaderreger können in der Rübe einen erheblichen Ertragsverlust verursachen, lassen sich aber aktuell noch gut kontrollieren.
  • Leider droht auch in diesem Bereich der Wegfall wichtiger fungizider Wirkstoffe wie z.B. Epoxiconazol.
  • Gleichzeitig zeigen sich zunehmende Wirkungsminderungen bzw. erste Resistenzen gegenüber einzelnen Wirkstoffen.

Aktuell leiden in Niedersachsen auch die Zuckerrüben unter der extremen Trockenheit. Die Bodenwasservorräte sind weitestgehend erschöpft. Das trockene Wetter bedeutet aber nicht, dass bei Blattkrankheiten vorläufig Entwarnung gegeben ist.

Seit dem Monatswechsel Juni/Juli haben die LWK Niedersachsen, die Nordzucker AG und weitere Institutionen das Monitoring bzw. die flächendeckende Bestandskontrolle von Blattkrankheiten in Zuckerrüben gestartet.

Was beeinflusst des Epidemieverlauf?

Zu den wichtigsten Blattkrankheiten im Zuckerrübenanbau zählen:

  • Cercospora,
  • Ramularia,
  • Echter Mehltau und
  • Rübenrost.
  • Außerdem kann Phoma auftreten, dessen Befall jedoch nur selten von wirtschaftlicher Bedeutung ist.

Folgende Faktoren beeinflussen das Erstauftreten und den Epidemieverlauf von Blattkrankheiten:

  • Eine wechselhafte Witterung mit Niederschlagsereignissen und Temperaturen über 20 °C ist sehr förderlich.
  • Witterung,
  • Beregnung,
  • Zuckerrübenfruchtfolge,
  • Anbaudichte in der Nachbarschaft sowie
  • die Sortenwahl.

Eine kontinuierliche Beobachtung (Monitoring) der Bestände ist erforderlich.

Erster Cercospora-Befall

Momentan unterliegen speziell die Beregnungsstandorte einer besonderen Gefährdung, da die „künstliche“ Wasserzufuhr gerade bei hohen Temperaturen ein optimales Mikroklima für die Entwicklung von Blattkrankheiten schafft. Erster Befall mit Cercospora wurde bereits festgestellt.

Bestandeskontrollen durchführen

Führen Sie daher ab sofort regelmäßige Bestandeskontrollen in Zuckerrüben durch:

  • Entnehmen Sie aus dem mittleren Blattapparat (Blattrupfmethode) zufällig 100 Rübenblätter und untersuchen Sie diese auf Befallssymptome.
  • Aus der Anzahl der mit mindestens einem Blattfleck von Cercospora, Ramularia oder Mehltau befallenen Blätter ergibt sich der Befallswert.

Wenn die Bekämpfungsschwelle überschritten wird, sollte umgehend ein Fungizideinsatz erfolgen (Tabelle 1 siehe unten).

Blätter per Lupe untersuchen

Besonders zu Befallsbeginn ist die genaue Ansprache der Blattkrankheiten nicht einfach, da die Blattflecken mit bloßem Auge nicht ausreichend zu erkennen sind. Eine Lupe erleichtert die Diagnose. Achten Sie auf Verwechslungen mit nicht bekämpfbaren Blattflecken wie Alternaria, Pseudomonas und Phoma.

Bei Überschreitung der Bekämpfungsschwelle von derzeit 5 % Befallshäufigkeit sollte zeitnah ein Fungizideinsatz erfolgen. Häufig wandert der Befall von den Rändern in den Schlag ein. Daher ist auf größeren Schlägen eine Teil- bzw. Randbehandlung denkbar.

Auslassungsfenster anlegen

Die Dauerwirkung der Fungizide (bei voller Aufwandmenge) kann, je nach Witterung, Beregnungsintensität etc. bis zu drei Wochen betragen. Die Anlage eines Auslassungsfensters bietet hier eine gute Möglichkeit zur Kontrolle.

Wichtig ist, dass auch nach einem erfolgten Fungizideinsatz die Flächen regelmäßig weiter kontrolliert werden, um rechtzeitig eine Folgebehandlung durchführen zu können.

Unterschiedliche Toleranz

Beachten Sie dazu bitte die Wartezeiten und die erlaubten Anwendungshäufigkeiten der Fungizide (Tabelle 2 siehe unten). Berücksichtigen Sie auch die unterschiedliche Anfälligkeit bzw. Toleranz der Zuckerrübensorten, bei Cercospora sind die Unterschiede am stärksten ausgeprägt.

Aufgrund des teilweise frühen Befallsbeginns mit Cercospora könnten in diesem Jahr vermehrt Folgebehandlungen, und bei sehr starken Befallsdruck sogar eine dritte Behandlung notwendig werden. Achten Sie in Spritzfolgen unbedingt auf einen Wirkstoffwechsel, um Resistenzentwicklungen vorzubeugen.

Momentane Wirkungsverluste

Für momentane Wirkungsverluste spielen zwei Faktoren eine Rolle:

  • Einerseits treten in Niedersachsen resistente Isolate von Cercospora gegenüber der Wirkstoffgruppe der Strobilurine auf. Daher sollten Fungizide, die nur einen Strobilurinwirkstoff enthalten (z.B. Ortiva), mit einem Azol kombiniert werden.
  • Andererseits ist auch bei den Azolen zu befürchten, dass die Wirkung über die Jahre tendenziell abnimmt und somit mehr Wirkstoff benötigt wird, um die gleiche Wirkung zu erzielen.
  • Um die Leistung der Azole länger zu erhalten, sollte in einer Spritzfolge zwischen verschiedenen Azolfungiziden gewechselt werden.

Bekämpfungsschwerpunkt beachten

Weiterhin ist folgendes zu beachten:

  • Die Auswahl des Produktes ist letztendlich vom Bekämpfungsschwerpunkt abhängig und ggf. von der gewünschten Dauerwirkung, wobei die Azole die „Haupt“-Bekämpfungsleistung tragen.
  • Solo-Anwendungen von Strobilurinen (Ortiva) oder reduzierte Aufwandmengen von Strobilurin/Azol-Produkten (Juwel, Sphere, Mercury) sollten unbedingt vermieden werden.
  • Ortiva (0,5) sollte mit einem Azol-Partner (z.B. Rubric 1,0 oder Duett Ultra 0,6) aufgemischt werden.

Beispiele für Spritzfolgen sind in Tabelle 3 (siehe unten) dargestellt.

    Spritzstart mit gutem Preis-Leistungsverhältnis

    Bei einem frühen Befallsbeginn bietet Sphere ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis für den Spritzstart. Bei Sphere handelt es sich um eine Kombination aus Strobilurin mit Cyproconazol, sodass epoxiconazolhaltige Produkte (z.B. Rubric) hinsichtlich des Resistenzmanagements problemlos beim zweiten Termin nachgelegt werden könnten.

    Sollte eine dritte Maßnahme erforderlich werden, ist der Einsatz von Score (Difenoconazol) denkbar.

    Bei einem späten Befallsbeginn mit Cercospora, Ende Juli, können Duett Ultra mit 0,6 l/ha oder Rubric mit 1,0 l/ha zum Einsatz kommen. Bei Ramulariabefall haben sich Spyrale sowie Rubric als sehr wirkungsvoll erwiesen.

    Folgebehandlungen sollten jeweils mit dem anderen Azol erfolgen. Bei Spyrale ist zu beachten, dass die Zulassung ausgelaufen ist. Das Mittel darf aber noch bis zum 30. September 2018 (Aufbrauchfrist) angewendet werden.

    Zur Bekämpfung von Cercospora ist für das Kupferpräparat Funguran Progress als reines Kontaktmittel eine Sonderzulassung für 120 Tage beantragt. Sollte diese Zulassung erteilt werden, könnte Funguran Progress als Antiresistenzbaustein gut mit anderen Fungiziden kombiniert werden.

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