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Die Schäden halten sich in Grenzen

von , am
09.04.2013

Viele Pflanzenbestände haben in diesem Jahr unter der Kälte gelitten, nur in wenigen Fällen droht jedoch ein Umbruch. Hier erfahren Sie mehr zum aktuellen Stand der Vegetation.

Winterraps zeigt gebietsweise starke Blattverluste und einzelne Pflanzenausfälle. Ein erneuter Sekundärbefall mit Botrytis wie in 2012 ist aber unwahrscheinlich. © Raupert

Auch auf das Pflanzenwachstum hat der bisherige Witterungsverlauf einen großen Einfluss. Der Vegetationsbeginn lässt auf sich warten. Auch wenn nach den wenigen warmen Tagen in der ersten Märzdekade im Getreide und Raps bereits leichtes Wurzelwachstum erkennbar war, die Nachttemperaturen bis zu -10 °C und gleichzeitige Sonnenschein von bis zu 12 Stunden bei Tagestemperaturen von bis zu 7 °C stressten die auf Wachstum ausgerichteten Bestände erheblich.

Hinzu kommt eine zunehmende Trockenheit in den oberen Bodenschichten. Die Niederschläge in Form von Schnee waren verhältnismäßig gering. Hinzu kommt, dass Schmelzwasser aus der Schneeauflage über oberflächliche Verdunstung durch Sonne und die trockenen Ostwinde verloren gegangen ist.

Vor allem seit den Osterfeiertagen zeigten sich darauf weithin sichtbare Blattschäden in Form oberflächlicher Blatterfrierungen in den Kulturen. Diese Bilder ließen Erinnerungen an das Frühjahr 2012 aufkommen, als aufgrund massiver Auswinterungsschäden im Getreide vor allem im südlichen Niedersachsen zahllose Totalausfälle zu verzeichnen waren. Landesweit mussten gut 25 % der im Herbst angelegten Winterweizenflächen umgebrochen und neu bestellt werden.

Empfindliches Stadium

Von großer Bedeutung für die Widerstandsfähigkeit ist das aktuelle Entwicklungsstadium der Bestände. Auf den ungekeimten Samen sind die Einflüsse am geringsten, sie nehmen aber mit einsetzender Keimung rasch zu. Die Frostempfindlichkeit eines ganz jungen, noch nicht aus dem Erdboden ausgetretenen Keimlings, ist am höchsten, danach nimmt die Empfindlichkeit langsam wieder ab.

Am günstigsten ist das Dreiblattstadium, in welchem der Weizen mit entsprechenden Bedingungen am besten umgehen kann. Kommt es jedoch in diesem Stadium zu Blattverlusten, sind die Pflanzen empfindlich. In diesem Entwicklungsstadium erfolgt die Umstellung der Ernährung der Pflanze aus den Energiereserven des Saatkorns hin zur Versorgung über die Wurzel und die Photosynthese. Es bestehen somit kaum noch Energiereserven.

Nach dem Kenntnisstand vom Ende der vergangenen Woche scheinen sich die Folgen des Winters jedoch nicht so dramatisch auszuwirken wie im vergangenen Jahr, als die Temperaturen noch deutlich tiefer lagen und die Kahlfröste wesentlich stärker ausgeprägt waren. Eine abschließende Beurteilung ist jedoch erst dann möglich, wenn die Bestände bei höheren Temperaturen mit sichtbarem Wachstum beginnen.

Hohe Belastungen für die Kulturen stellten vor allem die Wechselfröste Ende März dar. In den Böden kommt es durch das Eindringen des Frostes und dem anschlie-ßenden oberflächlichen Auftauen zu Bodenhebungen und Bodensenkungen von mehreren Zentimetern. Dies kann eine Anhebung der Wurzeln verursachen und sie somit vom Bodenanschluss und der Wasserversorgung abschneiden.

Es kann aber auch zu einem Abriss der Wurzeln kommen. Vor allem auf schluff- und/ oder humusreichen Böden kann ein erhebliches Schadensausmaß hervorgerufen werden. Sind die Wurzeln nicht abgerissen, sondern die Pflanzen lediglich aufgefroren, kann im Getreide versucht werden, durch Walzen den Bodenschluss wieder herzustellen und eventuelle Schäden so zu verringern.

Aktueller Stand

Auf günstigen Standorten und bei zeitiger Bestellung hatte sich der Raps vor dem Winter gut entwickelt. Gerade in der letzten Frostphase haben die Rapspflanzen größere Anteile ihrer Blätter verloren. Wurden in den vergangenen Wochen Gülle, Gärreste oder mineralische Flüssigdünger (AHL, HAS, ASL) ausgebracht, zeigen sich teilweise noch deutlichere Blattverluste.

Im Herbst kräftig entwickelte Rapspflanzen werden keine Probleme haben und sich auch nach stärkeren Blattverlusten wieder schnell regenerieren. So war bereits an den milden Tagen um den 4. bis 6. März neue Blattbildung und eine beginnende Streckung des Vegetationskegels zu beobachten. Vor Einbruch des Winters nur schwach entwickelten Bestände und Pflanzen mit entsprechend geringen Reservestoffeinlagerungen werden sich nach stärkeren Blattverlusten zögerlicher regenerieren.

Mit steigenden Temperaturen wird sich der Raps sehr zügig entwickeln. Da Raps über ein sehr hohes Kompensationspotenzial verfügt, müssen die ungünstigeren Bedingungen zum Vegetationsbeginn nicht unbedingt zu geringeren Erträgen führen. Entscheidend wird die weitere Witterung sein, die wesentlich bestimmt, wie die Ertragsorgane ausgebildet werden.

Sorgenkind Weizen

Der Roggen hat wie auch im Vorjahr den Winter bisher ohne wesentliche Schäden überstanden, Blattverluste sind hier kaum zu beobachten. Bei zeitiger Aussaat haben sich ausreichend Triebdichten gebildet. Bei der Wintergerste sind durch den Frost Blattverluste zu beobachten. Es sind aber nach jetzigem Stand nur Blätter geschädigt. Die Vegetationskegel sind in der Regel von klarer und fester Struktur, sodass keine stärkeren Pflanzenausfälle zu erwarten sind. Die Pflanzen hatten bereits Anfang März neue Wurzeln gebildet, auch eine zarte Blattbildung ist in der Regel zu erkennen. Die Wachstumserscheinungen weisen darauf hin, dass sich die Pflanzen hormonell bereits auf Wachstum eingestellt haben, trotzdem sind bisher kaum Auswinterungsschäden zu erwarten.

Winterweizen fällt derzeit häufig durch weithin sichtbare Blattschäden in Form von Vergilbungen bis hin zu Verbräunungen oder auch durch blau-violett gefärbte Blätter auf. Diese Anthozyanverfärbung ist in der Regel eine Reaktion auf die Wechselfröste in einer Phase, in der die Pflanzen bestrebt sind, mit dem Wachstum durchzustarten. Wesentliche Pflanzenausfälle sind nach derzeitigem Stand dennoch nicht zu erwarten. Mit Einsetzen des deutlichen Wachstums wird sich auch der Weizen erholen und grüne Blätter ausbilden.

Geringe Bestockung

Beim Getreide wird der Übergang in die Schossphase im Wesentlichen von der Ta-geslänge bestimmt. Haben die Pflanzen eine gewisse Mindestentwicklung erreicht, sind sie bestrebt, in die Streckung zu gehen. Dabei treten zwischen den Getreidearten Unterschiede auf: Roggen und Gerste gehen bereits relativ früh mit zunehmender Tageslänge in die Streckung. Bei Weizen erfolgt der Übergang ins Schossen etwas später, wobei hier auch deutliche Sortenunterschiede zu beobachten sind. Bei Gerste ist häufig bereits ein Strecken des Vegetationskegels zu erkennen.

Auch wenn bisher im Getreide noch wenig oder gar kein Wachstum stattgefunden hat, werden aufgrund der täglich zunehmenden Tageslänge mit dem Beginn der Streckung auch die Anlage von Seitentrieben und etwas später auch die Anlage der Ähre abgeschlossen. Durch den verspäteten Vegetationsbeginn verbleibt somit relativ wenig Zeit zum Aufbau der Bestandesdichte und für die Anlage der Ähren. Besonders in schwächer ausgebildeten Spätsaaten könnte dieses das Ertragspotenzial begrenzen.

Im Trend sind daher in diesem Jahr eher verhaltende Bestandesdichten zu erwarten. Inwieweit sich dieses letztlich auf die zu erwartenden Erträge auswirkt, entscheidet jedoch die Witterung in der weiteren Vegetation. Gerade bei geringer Bestandesdichte ist eine gute Kornausbildung von großer Bedeutung. Die weitere Witterung wird zeigen, ob über hohe Einzelährenerträge die geringeren Bestandesdichten kompensiert werden können. Entscheidend ist unter anderem eine ausreichende Wasserversorgung.

Die Möglichkeiten, diese Entwicklung als Landwirt zu beeinflussen, sind sehr begrenzt. So kann bei spätem Vegetationsbeginn und verhaltender Bestandesdichte über eine entsprechend angepasste  Stickstoffdüngung versucht werden, die Reduktion angelegter Seitentriebe zu begrenzen. Eine Förderung der Bestockung könnte bei abgetrocknetem Boden auch durch ein Anwalzen der Bestände erfolgen.
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