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Schädlingsbefall

Schnecken: Keine Kompromisse bei der Bekämpfung

Eine spanische Wegschnecke kriecht über einen Acker.
Carl Fricke Landberatung Northeim
am
15.08.2017

Ein Schädling freut sich über das Wetter in diesem Sommer besonders: die Schnecke. Sie vermehrt sich dramatisch und gefährdet die Neusaaten. Was Sie tun sollten.

Ein Tiefdruckgebiet jagt das andere und die Laune der Landwirte wird immer schlechter. Nur ein Schädling freut sich über das Wetter richtig: die Schnecke. Sie vermehrt sich in diesem Jahr besonders stark und gefährdet so auch die Neusaaten.

Schon seit vielen Jahren müssen sich insbesondere die Rapsanbauer mit Schneckenproblemen unterschiedlicher Intensität befassen. Möglicherweise kann es in diesem Spätsommer zu erhöhter Alarmbereitschaft kommen, denn die feuchte Witterung der letzten Wochen hat die Schneckenentwicklung enorm begünstigt.

Die hohen Niederschläge seit der dritten Julidekade haben vielerorts die Befahrbarkeit der Äcker für die Bodenbearbeitung zu Raps stark eingeschränkt. Dadurch können vielfach die wirkungsvollen Möglichkeiten der mechanischen Bodenbearbeitung und Störung der Bewegungsmöglichkeiten der Schnecken nicht oder nur sehr begrenzt umgesetzt werden.

Bodenbearbeitung zur Schneckenbekämpfung genau abstimmen

Auf tonigen Böden ist es weiter extrem schwierig, auf die Äcker zu fahren. Dort ist gar zu befürchten, dass ein Teil der geplanten Rapssaaten witterungsbedingt Ende August nicht erfolgen kann. Beachten Sie insbesondere folgende Punkte:

  • Jeder Rapsanbauer sollte sich vorab einen Überblick verschaffen, wie stark der Schneckendruck ist. Hierzu kann man schon einige Tage vor der Saat Schneckenfolien oder feuchte Jutesäcke (auch Bier getränkt und mit Folie abgedeckt) auslegen und den Befall auf den gegrubberten Schlägen beobachten. Anschließend wird alle zwei Tage frühmorgens die Stelle kontrolliert.

  • Bodenbearbeitungsmaßnahmen nur mit geeigneten Bearbeitungsgeräten vornehmen: Wenn es der Bodenzustand erlaubt, kann noch einmal eine flachere Bodenbearbeitung bei nachfolgender guter Abtrocknung durchgeführt werden. Sie hat das Ziel, die Schnecken zu stören und damit vielleicht Jungtiere und Eier zum Vertrocknen zu bringen. Dabei müssen aber Strukturschäden vermieden werden. Die tiefere Bodenlockerung erfolgt dann direkt vor der Saat.

  • Ganz ohne vorausgehende, flache Bodenbearbeitung, mit der ausreichend Feinerde erzeugt wird, und unter besonderer Beachtung der Bodenfeuchte, geht es auch bei StripTill- und Claydon-Saaten nicht. Kann der vorgelockerte Streifen nicht weitgehend wieder mit feinerer Erde geschlossen werden und verbleibt der vorgezogene Schlitz als „Schneckenrennpiste“, sind hohe Pflanzenausfälle zu befürchten. Beim Raps ist eine Saattiefe von 1,5 bis 3 cm anzustreben, beim Weizen 2 bis 4 cm. Versuchen Sie, ein gut krümeliges, abgesetztes und rückverfestigtes Saatbett zu erzeugen, um den Schnecken keine Unterschlupfmöglichkeiten zu schaffen.

  • Vom Kalkstickstoff kann ebenfalls eine Wirkung auf Jungschnecken und Schneckeneier im Saathorizont erwartet werden, wenn 2 bis 3 dt/ha Kalkstickstoff direkt vor der Saat bei genügend Bodenfeuchte ausgebracht und kurzfristig in die obere 5 bis maximal 8 cm starke Bodenschicht eingearbeitet werden. Hierbei sind die begrenzenden Stickstoffmengen im Rahmen der neuen Düngeverordnung zu beachten.

  • Mit Kalkstickstoff können auch weitere phytosanitäre Nebeneffekte gegen Kohlfliege, Verticillium und Kohlhernie erreicht werden, auch Teilwirkungen gegen flachkeimende Unkräuter wie Rauken, Stiefmütterchen, Kamillen oder Vogelmiere sind bei günstigen Anwendungsbedingungen zu erreichen. Für 2 bis 3 dt/ha Kalkstickstoff ist mit Kosten von etwa 100 bis 150 €/ha (big bag 600 kg) zu rechnen. Das ist nicht billig, die Wirkungen müssen aber insgesamt bewertet werden. Die Aufwandmenge sollte 2,7 dt/ha nicht überschreiten.
  • Kalkstickstoff sollte aber nicht eingesetzt werden, wenn organisch gedüngt wird. Der Nachteil ist, dass mit Kalkstickstoff nicht die Schnecken erreicht werden, die sich tiefer in den Boden zurückgezogen haben. Deshalb sollte auf kritischen Böden nach der Saat Schneckenkorn gestreut werden, um diese in den Saathorizont zu locken.

  • DMM-gebeiztes Saatgut unterstützt eine zügige Jugendentwicklung.

  • Auf tonigen Standorten sollte man versuchen, bis spätestens drei Tage nach der Saat (nach dem Grautrocknen) zu walzen, um Hohlräume im Boden zu verringern. Auf leichteren Lehmen und weniger strukturstabilen Standorten sollte man aber wegen der erhöhten Verschlämmungs- und Erosionsgefährdung besser nicht walzen.
     
  • Zur Reduzierung des Schneckenbefallsrisikos muss auch das Strohmanagement, die Gestaltung der Fruchtfolge, Aussaatbedingungen, Anwendungstermine und Mittelwahl passen.
     
  • Zur Verringerung von Fraßschäden an der jungen Rapssaat Schneckenköder einsetzen.
     
  • Auf eine gute Streufähigkeit, Köderstabilität, geringe Schimmelbildung achten.
     
  • Auch der Produktpreis (bei 35 Köder/m2) spielt eine Rolle.
     
  • Keine Kompromisse der Verteilung der Köder eingehen.
     
  • Die aktuellen Auflagen der Präparate beachten.

Mehr auch zum Einsatz von Schneckenködern lesen Sie in der LAND & Forst 33/17 ab Seite 32. Möchten Sie die LAND & Forst zum Probelesen bestellen? Dann klicken Sie hier…

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