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So klein und doch so nützlich

von , am
01.04.2014

Die Biologie der Honigbienen überrascht jeden Betrachter dieses sozialen Organismus. Warum uns Landwirten die Bienen am Herzen liegen sollten, zeigt der erste Beitrag aus unserer Beitragsreihe über diese Nützlinge.

Durch den Anbau von Bienenpflanzen kann jeder, Landwirt und Nichtlandwirt, zur Nahrungsgrundlage unserer Honigbienen beitragen. © von der Ohe
Das Bienenvolk ist eine Dauergemeinschaft von tausenden kurzlebigen, nicht fortpflanzungsfähigen Weibchen (Arbeiterinnen, Lebenserwartung Sommerbiene etwa 35 Tage, Winterbiene über 200 Tage), einer langlebigen Königin (bis fünf Jahre) und in den Frühjahrs- und Sommermonaten mehreren hundert Männchen (Drohnen). Das Bienenvolk ist hoch sozial organisiert und wird von Biologen als ein Superorganismus betrachtet: gemeinsames Nest, gemeinsame Brutpflege, reproduktive Arbeitsteilung (Eiablage - Königin, Brutpflege - Arbeiterinnen), Generationen überlappen sich.

Witterungsgeschützte Höhlungen sind die natürliche Behausung für Bienenvölker. In dieser Höhlung legen die Bienen aus körpereigenem Wachs produzierte Waben an, die senkrecht in der Höhlung hängen. Die Waben bestehen aus sechseckigen Zellen, die für die Aufzucht von Brut (Zellen für Königinnen-, Arbeiterinnen- oder Drohnenbrut unterscheiden sich) oder die Lagerung von Vorräten (Honig, Pollen) genutzt werden. Die Temperatur im Brutnestbereich wird relativ konstant bei 33 bis 36 °C gehalten.

Sommer- und Winterbienen so verschieden

Im Gegensatz zu Hummeln und Wespen überwintert bei den Honigbienen nicht nur die Königin, sondern das gesamte Volk. Diese Überwinterung ist möglich, da erstens im Sommer Vorräte in Form von Honig angelegt werden und zweitens die Winterbienen deutlich länger als die kurzlebigen Sommerbienen leben. Die langlebigen Winterbienen überleben normalerweise den Winter, erfüllen im beginnenden Frühjahr die diversen Aufgaben wie eine Sommerbiene und sterben im Laufe des Frühjahrs allmählich ab, während die neuen Generationen von Sommerbienen schlüpfen.

Bei entsprechend guter Versorgungslage erhöht sich im Frühjahr kontinuierlich der Anteil Brut und somit zeitlich versetzt auch der Anteil der erwachsenen Bienen. Grob dargestellt hat ein Bienenvolk am Ende eines Winters etwa 10.000 Arbeiterinnen, auf dem Gipfel der Bienensaison Juni/Juli sind es bis zu 40.000 (jetzt nur Sommerbienen) und zum Herbst sinkt der Anteil auf 10.000 bis 15.000 (nur Winterbienen) ab.

Ein Leben lang nur arbeiten

Neben den besonderen Aufgaben, die den Geschlechtstieren Königin und Drohn zukommt, durchlaufen die Arbeiterinnen mehrere Aufgabenbereiche in ihrem kurzen Leben. Hauptaufgaben sind nacheinander Putzen, Brutpflegen, Bauen, Wächterdienst, Futterverarbeitung und Sammeln. Für jede Aufgabe sind besondere Drüsen aktiv. Das Leben in dieser gut organisierten Sozialgemeinschaft mit intensiver Arbeitsteilung ist nur durch intensive Kommunikation möglich.

Die Bienen verständigen sich untereinander insbesondere durch Duftsubstanzen (Pheromone). Die Tanzsprache dient der Übermittlung von Informationen über die Lage von Trachtquellen und neuen Behausungen (Schwarm). Sammelbienen können weitere Bienen mittels Tanzsprache für die Sammeltätigkeit rekrutieren.

Honigbienen benötigen als Nahrungsgrundlage Pollen und Nektar. Sie werden durch Blütenduft und -farbe angelockt und mit Nektar und Pollen für die Bestäubungsleistung belohnt. Beim Sammeln bleiben Pollen im Haarkleid der Bienen haften und können beim Besuch der nächsten Blüten auf deren Narbe übertragen werden. Honigbienen sind wegen der hohen Anzahl an Sammelbienen sowie der Blütenstetigkeit (während eines und auch bei nachfolgenden Flügen bleiben Bienen einer Pflanzenart treu) aus ökologischer und ökonomischer Sicht sehr wichtige Bestäuber von blühenden Wild- und Kulturpflanzen.
Je nach Kultur bedeutet das Ergebnis des gezielten Bestäubungseinsatzes mit Bienenvölkern nicht nur einen höheren Ertrag, sondern auch eine höhere Qualität z.B. die Anzahl der Samenkörner, eine gleichmäßigere Fruchtausbildung und Reifung der Früchte betreffend. Der relativ einfache Einsatz von Bienenvölkern bei Kulturpflanzen im Freiland sichert auch bei Pflanzen mit einer sehr kurzen Empfänglichkeitszeit der Narben gute Erträge.

Hohe Winterverluste beunruhigen

Nicht jedes Bienenvolk überlebt den Winter, aber im vergangenen Jahrzehnt gab es vermehrt dramatisch Winterverluste in Europa und auch anderen Teilen der Welt. Die wesentliche Ursache für Überwinterungsverluste an Bienenvölkern in Deutschland ist die Varroose, eine Parasitenerkrankung durch die Varroamilbe. Die Varroamilbe, ein vor über 30 Jahren aus Asien eingeschleppter Parasit, befällt die Bienenbrut und kann sich durch die Blutaufnahme in der Brutzelle vermehren. Die Folge sind neben der Vermehrung des Parasiten geschädigte Larven, Puppen und Bienen. Zusätzlich überträgt die Varroa Viren. Je mehr Varroen in einem Bienenvolk sind, umso schwächer wird das Bienenvolk und stirbt schlussendlich.

Von diesen Überwinterungsverlusten an Bienenvölkern ist der Verlust an Bienen während der Bienensaison zu unterscheiden. Hier können mehrere Ursachen zum Tragen kommen. So kann sich z.B. bedingt durch Pollenmangel die Empfindlichkeit gegenüber Pflanzenschutzmitteln erhöhen. Die Pollenversorgung ist nicht nur für die Aufgabe der Ammentätigkeit von Bedeutung, sondern auch Langlebigkeit, Immunsystem und Entgiftungsmechanismen der Bienen sind vom Pollenkonsum abhängig.
Ein kontinuierlicher Polleneintrag ist für das Bienenvolk notwendig. Es gibt keine geeigneten Ersatzstoffe, die Pollen in der Ernährung der Bienen auch nur annäherungsweise ersetzen könnten. Daher muss im Bereich eines Bienenstandes während der gesamten Bienensaison ein ausreichendes Pollenangebot vorhanden sein.

Auflagen machen durchaus Sinn

In landwirtschaftlichen und gärtnerischen Kulturen ist der Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln im Rahmen von Pflanzenschutzmaßnahmen oftmals unverzichtbar. Bienenvölker als Bestäuber und die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln sind ein Konfliktfeld. Das Pflanzenschutzgesetz regelt den kompletten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.  Basierend auf dem Pflanzenschutzgesetz werden Honigbienen durch die Verordnung über die Anwendung bienengefährlicher Pflanzenschutzmittel (Bienenschutzverordnung) geschützt.

Für "bienengefährliche" Pflanzenschutzmittel (B1) gibt es erhebliche Auflagen bei der Anwendung (u.a. blühende oder von Bienen beflogene Kulturen dürfen nicht behandelt werden). Die Auflagen gelten für jeden Anwender unabhängig von Eigentumsverhältnissen oder Betriebsgrößen (Landwirt, Auftragsunternehmer, Gärtner oder Kleingärtner). Obwohl die Bienenschutz-Verordnung und die damit geregelte Anwendung der Pflanzenschutzmittel einen relativ hohen Schutz der Bienen sichert, kann es zu Schäden an Bienen und Bienenvölkern kommen, wenn Auflagen seitens der Anwender nicht befolgt werden (bienengefährliche Pflanzenschutzmittel werden in Blüten gespritzt, die zulässige Aufwandmenge wird überschritten, etc.).

Akute Schädigungen durch Vergiftung sind leicht zu erkennen: nur noch wenige Flugbienen, tote, krabbelnde und/oder kreiselnde Bienen vor den Fluglöchern, sowie abgestorbene Bienen auf den Waben. Zur Optimierung des Schutzes der Honigbienen und anderer Bestäuberinsekten wäre es wünschenswert, wenn auch nicht bienengefährliche Pflanzenschutzmittel (B4) in blühenden Kulturen außerhalb des intensiven Bienenfluges angewendet würden.

Fazit

Bienen sind ein fazinierendes und äußerst nützliches "Volk", auch für die Landwirtschaft.
Für jeden Landwirten, wie auch viele andere Personenkreise, gibt es Möglichkeiten, Honigbienen und andere Insekten zu fördern, in dem man für ein reichhaltiges Angebot an Nährpflanzen (Nektar und Pollen) sorgt.

Sofern nicht auf Pflanzenschutzmittel verzichtet werden kann, müssen die Auflagen bezüglich der Anwendung konsequent eingehalten werden. Es sollten möglichst ausschließlich nicht bienengefährliche Pflanzenschutzmittel angewendet werden und diese auch nur außerhalb des täglichen Bienenfluges. 
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