Login

Sommergetreide reagiert sensibler

Sommergetreide-Wachstumsregler
Lars Beke-Bramkamp, Dr. Bernhard Werner, LWK Niedersachsen, Bezirksstelle Hannover
am
19.04.2018

In der Bestandesführung vom Sommergetreide gibt es gravierende Unterschiede zum Wintergetreide. Wir verraten Ihnen, worauf Sie besonders achten müssen.

Aufgrund der sehr nassen Bedingungen im Herbst 2017 konnte ein Teil der geplanten Wintergetreideflächen nicht bestellt werden. Deswegen nimmt neben dem Anbau von Mais vor allem der Anbau von Sommergetreide in diesem Jahr deutlich zu.

Kurz zusammengefasst ist beim Anbau von Sommergetreide folgendes zu beachten:

  • Aufgrund der relativ kurzen Vegetation muss ein Wachstumsreglereinsatz exakt abgestimmt werden.
  • Nur dann sind Einkürzungen mit einer guten Verträglichkeit zu erzielen.
  • Beim Anbau von Braugerste ist vor dem Einsatz eine Abstimmung mit dem Abnehmer nötig, ob ein Einsatz von Wachstumsreglern erlaubt ist.
  • Eine Wuchsregulierung in Sommerweizen und Hafer kann in den meisten Fällen kostengünstig mit dem Einsatz von Cycocel erfolgen.

Sommergetreide mit kurzer Jugend

Sommergetreide hat eine schnelle Jugendentwicklung und eine deutlich kürzere Vegetationszeit als Winterungen. Somit sollte ein Einsatz von Wachstumsreglern sehr sorgfältig und bedacht sein, um Entwicklungsstörungen zu vermeiden.

Wichtige Einflussfaktoren für die Anwendung der Wuchsregulierung sind, wie beim Wintergetreide, z.B.

  • die Sortenwahl,
  • die Standortgegebenheiten,
  • die Witterung und
  • die Düngung.
  • Bei der Auswahl der Mittel ist auf die jeweilige Zulassung bzw. Indikation zu achten. Nicht alle Produkte, die in den Wintergetreidearten zugelassen sind, dürfen auch in Sommerungen angewendet werden.

Hier die Übersicht "Wachstumsregler" zum Download

    In den Landessortenversuchen 2017 konnten die Sommerweizensorten Quintus, Licamero, KWS Mistral und Servus überdurchschnittliche Erträge erzielen. Servus ist eine kurze und standfeste Sorte, während die anderen genannten Sorten, wie der Großteil des Sortenspektrums, eine eher durchschnittliche Lageranfälligkeit haben.

    Die jeweiligen Sorteneinstufungen sollten unbedingt beachtet werden, insbesondere wenn gängige Sorten nicht mehr verfügbar waren und somit auf unbekanntere Sorten ausgewichen werden musste.

    Wachstumsregler in Sommerweizen

    • Eine rechtzeitige Behandlung im Zeitraum Mitte bis Ende der Bestockung mit 0,5 bis 1,0 l/ha Cycocel 720 kann oftmals ausreichen, um den Bestand ausreichend zu stabilisieren.
    • Eine kostengünstige Nachbehandlung bei lageranfälligeren Beständen wäre der Einsatz von Manipulator oder Gexxo mit Beginn des Schossens (BBCH 31/32).
    • Ist eine stärkere Nachkürzung nötig, sollte Medax Top + Turbo (0,3 bis 0,4 l/ha + 0,3 bis 0,4 l/ha) im Stadium BBCH 31/32 angewandt werden.
    • Da die Einkürzungen durch die Wachstumsregler in Sommerweizen in der Regel stärker sind als im Winterweizen, sollten die Aufwandmengen der jeweiligen Situation auf dem Schlag angepasst werden.

    Sommerfutter- oder Sommerbraugerste?

    In der Sommergerste ist es wichtig, ob es sich um Sommerfuttergerste oder um Sommerbraugerste handelt. In der Sommerfuttergerste kann zu Beginn des Schossens ein trinexapachaltiges Produkt wie z.B. Moddus, Countdown NT etc. mit 0,25 bis 0,4 l/ha gespritzt werden.

    Zu beachten ist, dass Calma keine Zulassung in Sommergetreide besitzt. Eine stärkere Einkürzungsleistung erreicht man durch eine Mischung von z.B. 0,2 l/ha Moddus + 0,3 l/ha Cerone 660, Prodax 0,4 kg/ha oder Medax Top 0,4 l/ha + Turbo 0,4 l/ha.

    Sommerbraugerste: Wachstumsreglereinsatz mit Abnehmer abklären

    Die Erlaubnis, in Sommerbraugerste verschiedene Wachstumsreglerwirkstoffe einzusetzen, wird im Detail zwischen den Landwirten und den Mälzern/Brauern vertraglich geregelt.

    In unseren Versuchen konnten keine Rückstände der Wirkstoffe Trinexapacethyl und Prohexadion-Calcium im Erntegut gefunden werden, sodass ein Einsatz in Braugerste möglich wäre. Dies sollte aber unbedingt vor dem Einsatz mit dem Abnehmer schriftlich geklärt sein.

    Somit können lageranfällige Braugerstenbestände gerade vor dem Hintergrund erhöhter Stickstoffgaben mit 0,2 bis 0,4 l/ha Moddus oder, wenn eine stärkere Einkürzung nötig ist, mit 0,3 l/ha Prodax eingekürzt werden. Alle anderen Wirkstoffe sollten aufgrund der Rückstandsproblematik nicht zum Einsatz kommen.

    Hafer verträglich einkürzen

    Lageranfällige Hafersorten, wie z.B. Max, Moritz oder Ozon, können im Stadium 33/37 günstig mit 1,0 bis 2,0 l/ha CCC 720 verträglich eingekürzt werden.

    Moddus kann mit einer Aufwandmenge 0,2 bis 0,4 l/ha in BBCH 31/32 ebenfalls zum Einsatz kommen, allerdings ist hier sehr auf die vorherrschende Witterung zu achten, da es schnell zu Verträglichkeitsproblemen kommen kann.

    Auch interessant