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Sortenabweicher frühzeitig beseitigen

von , am
15.10.2014

In Niedersachsen sind rund 400 ha Winterraps und Winterrübsen zur Anerkennung für die Ernte 2015 angemeldet. Bereits im Herbst müssen alle Feldbestände einmal besichtigt werden. Auf was ist zu achten?

Bodenaufschlag in Hybridraps-Vermehrung hier zwischen den Einzelkornreihen. © Thiel/Preuss

Die Vermehrungen für Winterraps und Winterrübsen sind meist recht gut entwickelt. Die Feldbesichtigung der Winterölfrüchte beginnt kommende Woche ab dem 20.10.2014. Bei konventionellen Sorten (Liniensorten) sind mindestens zwei Feldbesichtigungen erforderlich, wovon eine im Herbst und die zweite zur Blüte im Frühjahr stattfindet. Bei Hybriden kommen noch drei weitere Besichtigungen hinzu: eine zu Beginn der Blüte, eine zur Vollblüte und eine nach der Blüte zur Kontrolle des Schlegeltermines der Vaterlinie.

Bei den zur Anerkennung angemeldeten Winterölfrüchten zur Ernte 2015 handelt es sich mit rund 280 ha um Winterraps und mit rund 120 ha um Winterrübsen. Mehr als 90  % der Winterraps-Fläche stellen Hybrid-Sorten, Hybrid-Stämme oder Erbkomponenten von Hybriden dar; auf Populationssorten/-stämme entfallen nur etwa 25 ha. Der Umfang dieser Vermehrungszahlen sagt allerdings nichts über den Anbauumfang oder Trends aus, denn gerade bei Winterölfrüchten wird aufgrund der lang anhaltenden, hohen Keimfähigkeit oft die Aussaat aus überjähriger Ware bestritten; zudem sind die Vermehrung und der Markt von Rapssaatgut - anders als z. B. bei Saatgetreide - in höherem Maße grenzüberschreitend.

Abweicher selektieren

Der Herbst eignet sich hervorragend, um auftretende Sortenabweicher, die sich zum Beispiel in Bereifung oder Lappung von der vermehrten Sorte unterscheiden, mit geringem Aufwand zu beseitigen. Gleiches gilt auch für möglichen Boden-Aufschlag von Rübsen in Raps oder umgekehrt. Diese sind aufgrund ihres Habitus gut erkennbar; bei feuchter Witterung oder Taubildung zeigen die Rapspflanzen abperlendes Wasser in ausgeprägter Form im Gegensatz zu den Rübsen.

Hinsichtlich der Sortenreinheit darf der Feldbesichtiger in seinen Auszählungen im Durchschnitt maximal fünf abweichende Typen bei Vorstufen- bzw. Basis-Vermehrungen und 15 abweichende Typen in Z-Vermehrungen vorfinden, ansonsten gilt der Bestand als ohne Erfolg feldbesichtigt und das Verfahren kann nur nach erfolgreicher Bereinigung und nachfolgender Nachbesichtigung fortgesetzt werden.

Gleichzeitig achtet der Feldbesichtiger auf bestimmte Unkräuter oder andere Pflanzenarten, deren Samen sich vom Raps- bzw. Rübsen-Saatgut nur schwer unterscheiden lassen bzw. auf solche, deren Samen sich schwer herausreinigen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Schwarzer Senf, Sareptasenf, Weißer Senf und Ackersenf sowie Ölrettich, Futterkohl, Stoppelrübe und außerdem Klettenlabkraut und kleinsamige Wickenarten wie z. B. viersamige Wicke, rauhaarige Wicke, schmalblättrige Wicke. Auch für diese Arten dürfen festgelegte Grenzwerte in den Auszählungen nicht überschritten werden. Wurde die Herbstbesichtigung erfolgreich abgeschlossen, wird mit Beginn der Blüte das Verfahren fortgesetzt. Hier stehen dann erneut die Sortenreinheit und zusätzlich bei Hybridsorten die Überprüfung der Sterilität bzw. Fertilität im Vordergrund.

Darauf ist noch zu achten

Der Vermehrungsschlag muss zur eindeutigen Identifizierung beschildert sein; Angaben über Fruchtart, Sorte, Größe und Bezeichnung des Schlages, beantragte Kategorie, Name und Anschrift des Vermehrers sowie die Vertriebsfirma sind erforderlich. Bei Fehlen des Schildes erfolgt eine gebührenpflichtige Nachbesichtigung (90 Euro pro Vorhaben). Bei Winterraps sind zur Vermeidung von Fremdbefruchtung Mindestabstände zu anderen Rapsschlägen einzuhalten: bei Hybrid-Sorten (männlich sterile Mutterlinie) 500 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 300 m bei Z- Saatgut; bei Linien-Sorten 200 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 100 m bei Z-Saatgut.

Die Einhaltung dieser Mindestabstände wird ebenso überprüft wie die saubere Abtrennung  zu sonstigen Mähdruschfrüchten. Hybridvermehrungen sind im Streifen-Anbau angelegt: es wechseln breitere Streifen von Mutterpflanzen mit schmaleren Streifen von Vaterpflanzen; hier muss die Trennreihe zwischen Vater- und Mutterlinie mindestens 80 cm bzw. die doppelte Reihenweite bei Einzelkornsaaten betragen. Gleichermaßen muss dieser Abstand auch zum Vorgewende und ggf. zu einem keilförmig verlaufenden Schlagteil eingehalten sein, damit jegliche Sorten- bzw. Linienvermischungen zur Ernte ausgeschlossen werden können.

Sind nur Teilbereiche der Fläche für die Vermehrung geeignet, muss die Abtrennung des Vermehrungsteiles vor der ersten Besichtigung erfolgen. Hier muss die Abtrennung mindestens 40 cm betragen. Zur Risikoverminderung kann aber der gesamte Schlag zur Vermehrung angemeldet werden; die Abtrennung mit "Zurückziehung" eines Teils der Fläche erfolgt dann im Frühjahr vor der zweiten Besichtigung. Weitere Details zur Anlage der Vermehrungen finden sich in den Rundschreiben bzw. den Richtlinien zur Feldbesichtigung. Erforderliche Nachbesichtigungen kosten 90 Euro Gebühr.

Smartphones im Einsatz

Zum Erntejahr 2015 wird die Anerkennungsstelle - in Folge der Neuentwicklung eines EDV-Programms, genannt SaPlus - wiederum flächendeckend für alle Fruchtarten die Feldbestandsprüfung mit Hilfe von Smartphones an Stelle von Feldkarten durchführen lassen. Mitteilungen über die Feldbesichtigungsergebnisse werden somit per E-Mail versendet.

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