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Getreide

Späte Ernte mit guten Erwartungen

von , am
10.07.2013

Rund 14 Tage später, aber mit recht optimistischen Erwartungen werden Niedersachsens Bauern frühestens Mitte Juli die Getreideernte beginnen. Keine Prognosen gibt es derzeit zu den Qualitäten.

Winterweizen passt im Raum Rotenburg-Verden auch auf Grenz- ertragsböden mit maximal 35 Bodenpunkten. © von der Brelie
Die Qualitäten seien ein Blick in die Glaskugel, sagte Jürgen Hirschfeld bei der Getreiderundfahrt des Landvolkes Niedersachsen im Raum Rotenburg-Verden. Eine noch sehr vorsichtige Schätzung gab er dagegen über die zu erwartende Menge ab. Nach den bislang vorliegenden Flächendaten und den durchschnittlichen Ertragserwartungen dürfte die Gesamternte mit mindestens 5,5 Mio. t leicht über dem in der Gesamternte nicht sehr starken Vorjahresergebnis liegen. Der Winterweizenanbau wurde nach den witterungsbedingten Ausfällen 2012 auf gut 380.000 ha wieder etwas ausgedehnt.
 
Wintergerste reift auf etwa 125.000 ha heran, der Roggenanbau wird mit gut 140.000 ha als etwas hoch eingestuft. Marktentlastung könnte hier die Nachfrage der Betreiber von Biogasanlagen bringen, denn der Mais entwickelt sich in diesem Jahr längst nicht so gut wie in den Jahren zuvor, die Gesamtfläche liegt mit knapp 600.000 Silo- und Körnermais unter dem Niveau des Vorjahres mit 620.000 ha.

Von Witterung profitiert

Das Getreide profitierte nach Einschätzung der Landwirte aus allen Regionen Niedersachsens von der feucht-kühlen Witterung. Nur wenige Getreideflächen wurden in größerem Maße durch Hochwasser oder Starkregen beeinträchtigt, allerdings ist die Betroffenheit einzelner Betriebe sehr hoch. Einige Sorgen bereitet den Landwirten die späte Erntezeit, die bei  Weizen bis in den September hinreichen könnte und damit auch die Bestellung der Folgekulturen erschwert.

Einig waren sich die Teilnehmer aus Landwirtschaft, Genossenschaft, Handel und Verarbeitungsunternehmen zum globalen Umfeld. Die Weizenerzeugung wurde gegenüber ersten Prognosen nach oben korrigiert, allerdings liegt die steigende Erzeugung nur knapp über der ebenfalls steigenden Nachfrage, die Vorräte bleiben knapp. Kritik gab es an den Schätzungen des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums, diese seien sehr stark politisch beeinflusst. Nach Einschätzung der niedersächsischen Marktbeobachter könnte eine eigene Prognose der EU hier mit realistischeren Daten einen Gegenpol liefern. Die höheren Ernteerwartungen sind in den Börsennotierungen weitgehend berücksichtigt, auf der Getreiderundfahrt gingen alle Beteiligten von einer "Bodenbildung" aus. Das heißt, das die Preiskurve eher wieder ansteigen dürfte.  

Einige Daten zum Rapsmarkt lieferte UFOP-Geschäftsführer Stephan Arens. Raps bleibe gefragt. Die Position der deutschen Landwirte mit einer Erzeugung in Höhe von gut 5,2 Mio. t werde gestärkt, da sich Großbritannien und Frankreich aus dem Markt für die Ölfrucht zunehmend zurückzögen. Das Verbot der Neonikotinoide greife erst 2014, damit sei die aktuelle Aussaat gesichert, die Zukunft stelle die Züchter vor große Herausforderungen. Scharfe Kritik übte der UFOP-Vertreter an der Biokraftstoffpolitik der EU mit ihren dirigistischen Eingriffen in den Anbau. Hirschfeld ergänzte, Raps liefere nicht nur Öl, sondern mache über das Schrot jede zweite Tonne Sojaimport überflüssig.

Raps etabliert sich neu

Bei der Rundfahrt im Raum Kirchlinteln präsentierte Landvolkvorsitzender Jörn Ehlers mit den Beratern der Landwirtschaftskammer Bremervörde u.a. gut geführte Rapsbestände. Die Ölfrucht hat sich in der Region neu etabliert und bereichert die Fruchtfolge, die in erster Linie im Altkreis Rotenburg von Mais dominiert wird. Die Maisflächen werden in der Region häufig im Rahmen der Aktion „Bunte Felder“ mit einem bunten Blühstreifen versehen, beim Rapsanbau sprechen die Landwirte Pflanzenschutzmaßnahmen mit den Imkern ab, um die Insekten zu schützen. Die Landwirte nehmen nicht nur Rücksicht auf die Nutzinsekten, eine große Bedeutung spielt auch die Wasserschutzberatung. Der Großraum Rotenburg-Verden ist unter anderem  Trinkwasserlieferant für die Metropole Bremen. Die Landwirte verstehen hier auch etwas vom Weizenanbau, der auf dem Grenzstandort in der Verdener Geest mit knapp über 20 Bodenpunkten einen sehr überzeugenden Eindruck machte.
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