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Spargel: Was Sie gegen Insekten im Spargel tun sollten

Spargelfeld
Dr. Alexandra Wichura, LWK Niedersachsen
am
18.05.2018

Die Kontrolle und Bekämpfung der Spargelfliege ist derzeit auch für die Anbauer in Niedersachsen ein wichtiges Thema. Was die Landwirtschaftskammer empfiehlt.

Akut ist für Spargelanbauer derzeit auch in Niedersachsen die Kontrolle und Bekämpfung der Spargelfliege. Die Bekämpfungsschwellen sind in einigen Anlagen bereits überschritten. Die LWK gibt folgende Tipps, die wir anschließend ausführlicher erläutern:

  • Neupflanzungen, Junganlagen und kurz angestochene junge Ertragsanlagen auf das Auftreten der Spargelfliege kontrollieren.
  • Als einziges Mittel zur Spargelfliegenbekämpfung steht Danadim Progress zur Verfügung.
  • Insgesamt wurde die Mittelpalette um Mospilan SG, sowie die für den biologischen Anbau wichtigen Mittel Novodor FC und Micula erweitert. Damit stehen ausreichende Bekämpfungsmöglichkeiten zur Verfügung.
  • Eine Tabelle zugelassener Insektizide können Sie nachfolgend herunterladen.

Wichtigste Schädlinge: Spargelfliege und Spargelhähnchen

Spargelfliege

    In durchwachsenden Spargelanlagen ist es Zeit für die Schaderregerkontrolle und Bekämpfung. Die Ansprache der im Spargel vorhandenen Insekten, sowie das Wissen um deren Auftreten ist ein wichtiger Bestandteil des Integrierten Pflanzenschutzes. Die wichtigsten Schädlinge sind Spargelfliege und Spargelhähnchen:

    • Die ersten Spargelfliegen wurden auf unseren Monitoringstandorten in diesem Jahr um den 23. April gefangen.
    • Nach dem sehr frühen Flugbeginn im Jahr 2017 Anfang April, ist in diesem Jahr das Erstauftreten somit zwar wieder im normalen zeitlichen Rahmen, die Fangzahlen auf einigen Standorten waren aber enorm.
    • Zurzeit ist der Zuflug in Neupflanzungen zu beobachten, sowie in zwei- und dreijährige Anlagen, die um den 1. Mai aus der Ernte genommen wurden und sich nun im Durchwuchs befinden.
    • Einzelne Spargelfliegen finden sich auch im Grünspargel. Solange der Grünspargel allerdings gestochen wird, richten sie dort keinen Schaden an.

    Zur Flugüberwachung werden grüne Stableimfallen eingesetzt, die mit Insektenleim bestrichen und mindestens einmal wöchentlich kontrolliert werden:

    • Pro Anlage sollten drei Fallen aufgestellt werden.
    • Die erste Insektizidbehandlung sollte erfolgen, wenn durchschnittlich zehn Fliegen (aufsummiert ab Flugbeginn) pro Stableimfalle gefangen wurden.
    • Ende September sollten an zehn Stellen fünf Triebe auf die Bohrgänge der Spargelfliege kontrolliert werden, um den tatsächlichen Befall und damit das Ausgangspotenzial für das folgende Jahr abschätzen zu können.

    Spargelhähnchen seit Ende April geschlüpft

      Bereits Ende April konnten in diesem Jahr die ersten geschlüpften Spargelhähnchen in einigen Anlagen gefunden werden.

      • Die ersten Eiablagen waren ab Anfang Mai zu beobachten.
      • Die Käfer sind etwa 8 mm groß, von roter Farbe und haben sechs weiße Streifen auf ihren schwarzen Flügeldecken.
      • Sehr eng verwandt ist der etwas seltener auftretende Spargelkäfer. Er ist zu erkennen an den zwölf schwarzen Punkten auf den Flügeldecken. Die Biologie der Käfer ist ähnlich, ebenso der von ihren Larven verursachte Fraßschaden.
      • Die adulten Käfer wandern gern in Anlagen ein, die sich gerade im Aufwuchs befinden, um dort ihre Eier abzulegen. Häufig ist daher in den Randreihen der Anlagen ein stärkerer Befall zu beobachten.
      • Allerdings muss beachtet werden, dass die Spargelhähnchen weiter wandern, wenn das weiche Pflanzengewebe neu durchtreibender Stangen attraktiver ist, als die bereits vorhandenen Triebe.

      In Ertragsanlagen wird als Bekämpfungsschwelle ein Tier pro Haupttrieb angesehen. Bei Neupflanzungen und Sämlingspflanzen liegt die Bekämpfungsschwelle jedoch etwas niedriger: bei einem Tier auf zwei bis drei Haupttrieben. Als natürlicher Parasitoid des Spargelhähnchens ist häufiger die Schlupfwespe Tetrastichus asparagi zu finden. Sie parasitiert die Eier der Spargelhähnchen und ist ab Ende Mai Anfang Juni zu beobachten.

      Zulassungserweiterung für Mospilan SG

      Fraßgänge und Larven der Spargelfliege

      Neben der Ansprache der Schädlinge ist das Wissen um die zugelassenen und einsetzbaren Insektizide im Spargel von Bedeutung. Bei der Zulassung haben sich Veränderungen ergeben. So wurde die Insektizidpalette im Spargel erfreulicher Weise um drei Wirkstoffe erweitert.

      Im Frühjahr dieses Jahres hat Mospilan SG mit dem Wirkstoff Acetamiprid im Spargel eine Zulassungserweiterung erhalten:

      • Zwar ist Mospilan SG seit vielen Jahren ein bewährtes Produkt in vielen gemüsebaublichen Kulturen, für den Spargel ist der Wirkstoff Acetamiprid jedoch neu.
      • Mospilan SG darf mit einer Aufwandmenge von 2x 0,325 kg/ha zur Bekämpfung von Spargelhähnchen und Spargelkäfern oder mit einer niedrigeren Aufwandmenge von 0,25 kg/ha zweimal gegen Blattläuse eingesetzt werden.
      • Hierbei gilt zu beachten, dass das Mittel maximal 2x in der Kultur pro Jahr angewendet werden darf, unabhängig davon, welche der zugelassenen Aufwandmengen man ausbringt.
      • Spezifische Wirksamkeitsversuche zur Bekämpfung der im Spargel auftretenden Erreger liegen zwar bundesweit noch nicht vor, aufgrund der Erfahrungen in anderen Kulturen, dürfte die Wirksamkeit gegen Blattläuse und gegen die Larven von Spargelhähnchen bzw. Spargelkäfern jedoch vergleichbar mit der von Calypso sein.

      Auflagen beachten

        Wie bei der Ausbringung von höheren Wirkstoffmengen meist üblich, sind die Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern etwas schärfer als bei der niedrigeren Aufwandmengen:

        • Acetamiprid gehört wie Thiacloprid, der Wirkstoff im Produkt Calypso, zu den Neonikotinoiden.
        • Auch wenn erst vor einigen Tagen auf EU-Ebene der Beschluss gefasst wurde, die Ausbringung von verschiedenen umstrittenen neonikotinoiden Wirkstoffen auf den Gewächshausbereich zu beschränken, so sind die Wirkstoffe Thiacloprid und Acetamiprid von diesen Einschränkungen nicht betroffen.
        • Ein Grund dafür liegt darin, dass die beiden Wirkstoffe hinsichtlich ihrer Bienengefährlichkeit günstigere Eigenschaften haben, als ihre nahen chemischen Verwandten.
        • Wie auch Calypso hat Mospilan SG zwar eine B4-Auflage und ist somit als nicht-bienengefährlich eingestuft.
        • Zum Schutz von Bestäuberinsekten, insbesondere von Wildbienen, sollten Anwendungen von beiden Präparaten in die Blüte jedoch vermieden werden oder in den Abendstunden erfolgen (NN410).
        • Erst kürzlich erhielt Mospilan SG die Mittelauflage, dass die Ausbringung nicht in Kombination mit Netzmitteln erfolgen darf (VV553).

        Novodor FC im Spargel

          Das Mittel Novodor FC ist ein seit Jahren im Kartoffelanbau zugelassenes Insektizid zur Bekämpfung des Kartoffelkäfers. Erst kürzlich hat es eine Zulassungserweiterung im Spargel zur Bekämpfung von Spargelhähnchen- und -käfern erhalten.

          Damit ist der Wirkstoff Bacillus thuringiensis subsp. tenebrionis (Btt) erstmals auch in einer gartenbaulichen Kultur einsetzbar:

          • Btt ist ein natürlich vorkommendes Bakterium, das über den Fraß der Insekten aufgenommen werden muss.
          • Es wirkt sehr spezifisch auf Käfer und hat keine Nebenwirkungen auf andere Insekten wie Fliegen, Schmetterlingsraupen oder Blattläuse.

          Novodor FC darf im biologischen Anbau verwendet werden. Der Einsatz von Novodor FC sollte gegen die Larven der Spargelhähnchen und -käfer erfolgen:

          • Um sicherzustellen, dass der Wirkstoff von den Tieren aufgenommen wird, sollte die Ausbringungen bei warmer Witterung erfolgen, also bei Bedingungen, bei denen die Aktivität der Insekten gewährleistet ist.
          • Da die Listung des Wirkstoffes Btt in der EU zum 30. April 2019 ausläuft, wird sich im nächsten Jahr zeigen, ob Novodor FC auch zukünftig im Spargel erhalten bleibt.  

          Micula mit Rapsöl als Wirkstoff steht bereits seit letzter Saison für die Bekämpfung von Blattläusen im Spargel zur Verfügung. Durch das Produkt werden die Bekämpfungsmöglichkeiten von Schaderregern besonders für biologisch produzierende Betriebe erweitert.
          Als Ergänzung gibt es in Niedersachsen die Möglichkeit, den Einsatz von NeemAzal T/S über einzelbetriebliche Genehmigungen nach §22 beim Pflanzenschutzamt zu beantragen.

          Ein Dimethoat-Produkt

          Nach dem Ende der Aufbrauchfrist für die Präparate Perfekthion und Rogor 40 L zum 30. Juni 2017 ist von den ursprünglich drei im Spargel zugelassenen Dimethoat-Produkten nur noch Danadim Progress übriggeblieben. Die Ausbringung darf maximal 5x mit 0,6 l/ha als Bandbehandlung erfolgen, d.h. es wird nur die Dammkrone mit einer entsprechend heruntergerechneten Aufwandmenge behandelt. Die B1-Auflage von Danadim Progress ist unbedingt zu beachten.

          Der Wirkstoff Dimethoat wird in der EU derzeit neu bewertet. Ob aber bis zum 31. Juli 2018, dem Ende der derzeitigen Wirkstofflistung, eine endgültige Entscheidung auf EU-Ebene fallen wird, ist fraglich. Sicher ist, dass bei der Neulistung des Wirkstoffs vor allem seine sehr niedrigen Toxizitätsgrenzwerte für den Menschen einen problematischen Punkt darstellt.

          In den Betrieben vorhandene Restmengen von Perfekthion und Rogor 40 L dürfen nicht mehr angewendet werden. Dasselbe gilt für Fastac SC Super Contact, dessen Aufbrauchfrist ebenfalls Mitte letzten Jahres ausgelaufen ist. Eine Entsorgung dieser Mittel wird empfohlen.

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