Login
Spargel

Spargelerzeuger: Eher eine schlechte Saison

dpa/Ini
am
24.06.2016

Hannover - Für die Spargelbauern brachte die Saison 2016 trotz der hohen Preise keine Bestmarken. Erntemengen und Witterung machten den Erzeugern zu schaffen.

Aus Verbrauchersicht ist die Sache mit dem Spargel auf den ersten Blick klar: Die Bauern haben in diesem Jahr für das Edelgemüse wieder ordentlich zugelangt. Mit im Schnitt 7,20 Euro pro Kilogramm weißen deutschen Spargel kosteten die Stangen diese Saison so viel wie wohl nie zuvor.

Nach Pfingsten Spargel deutlich weniger gefragt

Die Anbauer sehen das allerdings anders: „Aus Erzeugersicht gilt: Der Markt hat sich nach Pfingsten enorm gedreht“, sagt Michael Koch, Marktexperte bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, die Spargelpreise bundesweit beobachtet.

Bis zu Pfingsten Mitte Mai hätten ein eher knappes Angebot und hohe Preise geherrscht. An Pfingsten selber, stets der Höhepunkt der Saison, flossen große Mengen ab. „Danach hat die Nachfrage dann deutlich nachgelassen“, sagt Koch.

Spargelpreise erreichten Zehnjahreshoch

Problematisch war: Es blieb ruhig, obwohl große Mengen vorhanden waren. Die Preise seien dann auch für die Verbraucher heruntergegangen. Unter dem Strich habe das aber nichts daran geändert, dass die Preise ein Zehnjahreshoch erreichten. Nach 6,69 Euro im Vorjahr bedeuten die aktuellen 7,20 Euro ein Plus von 51 Cent oder umgerechnet 8 Prozent. Im Schnitt der vergangenen Jahre habe der Preis für das Kilo weißen deutschen Spargel bei unter 6 Euro gelegen.

Für viele Spargelfans war das Jahr 2016 damit also teuer. Fachmann Koch gibt aber zu bedenken: Je nach Anbaugebiet und Woche schwankte die Lage. In der Tendenz hätten es der Süden und der Osten besser gehabt als der Westen und der Norden mit den wichtigen Anbaugebieten in Nordrhein-Westfalen und vor allem in Niedersachsen.

Große regionale Unterschiede

Auch Branchenexperte Jochen Winkhoff von der Bundesfachgruppe Gemüsebau warnt: Es habe regional große Unterschiede gegeben und Pfingsten habe die Saison zweigeteilt. So lasse sich auch für die Verbraucher nur schwer ein einheitliches Bild zeichnen.

In Niedersachsen etwa, von dort kommt gut jede fünfte inländische Stange, habe der Saisonstart witterungsbedingt sehr lange gebraucht. Betriebe ohne einen teuren Tunnelanbau, hätten so bis Pfingsten weniger Zeit gehabt, gute Geschäfte zu machen.

Die großen Gewinner seien daher die Betriebe mit einer Spargelverfrühung, also Tunnelanbau und einer Dreifachabdeckung durch Folie, gewesen.

Spargelernte früh eingestellt

Mit Blick auf die Kapriolen der Saison berichtet Winkhoff sogar von teils drastischen Maßnahmen: Manche Betriebe hätten schon Anfang Juni, rund drei Wochen vor dem traditionellen Saisonende am Johannistag (24. Juni), die Ernte eingestellt und die Pflanzen für die nächste Saison geschont.

„Sie haben das Geschäft vorzeitig beendet, weil der Warenabfluss einfach nicht da war“, berichtet Winkhoff. Teilweise seien sogar die Kühlhäuser nicht recht leer geworden. „Im Vergleich zu den letzten Jahren war es eine eher schlechte Saison.“

Auch interessant