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Getreide

Startpreise fallen enttäuschend aus

von , am
04.07.2013

Der Getreidemarkt 2013/14 geht mit Beginn der neuen Ernte ohne klare Preisprognosen in eine neue Saison. Lesen Sie hier, was zu diesem Thema beim diesjährigen Getreidehandelstag gesagt wurde.

Nicht nur in Deutschland wächst eine gute Getreideernte heran. Das wirkt sich auf die Preise aus. © Raupert
Die Startpreise werden viele Erzeuger nicht befriedigen. So viel ließ der diesjährige Getreidehandelstag in Warberg bei Helmstedt unschwer erkennen. Soweit überhaupt Preise genannt wurden, lagen sie deutlich unter dem Niveau der letzten Monate und ließen keinen Ansatz zur Erholung in den nächsten Wochen erkennen. Handel und Verarbeiter haben sich bereits darauf eingestellt und es wird auch wohl für diejenigen Landwirte Zeit, die noch über Ware aus alter Ernte verfügen, ihre Hoffnung auf kurzfristig höhere Preise zu begraben.

Nach Schätzungen in Warberg befinden sich noch etwa 15 % der letzten Ernte auf den Höfen. "Die Landwirte sitzen noch auf der Ware", hieß es dazu von einem Teilnehmer aus der Verarbeitungsindustrie. Ein anderer Tagungsteilnehmer sagte "Die Landwirte haben noch nicht realisiert, dass die Preise unter die Wirtschaftlichkeitsgrenze der Produktion gefallen sind. Wer nicht verkauft hat, wird ein böses Erwachen erleben".

Nach den in Warberg diskutierten Markttendenzen und Ernteschätzungen wachsen in nahezu allen wichtigen Produktionsregionen der Welt gute bis sehr gute Ernten heran. Das gilt für Getreide, Mais und zu einem hohen Teil auch für Ölsaaten. Die erwarteten Erntemengen werden voraussichtlich eine solide Versorgung der Märkte zulassen und darüber hinaus sogar wieder für einige wichtige Arten einen Bestandsaufbau erlauben.

Auswirkung der Flut

Gleichzeitig fehlte auch nicht die Warnung, dass der erwartete Bestandszuwachs nicht allzu groß sein wird und überraschende Nachfragestöße zu einer schnellen Schrumpfung führen könnte. Für die EU wurde in diesem Zusammenhang der Wegfall der Intervention ins Gespräch gebracht. Seit sich damit der Staat nicht mehr für Getreide interessiere, wurden nur die Mindestreserven gehalten, die relativ rasch aufgezehrt werden könnten, hieß es in Warberg.

Die Frage einer möglichen negativen Auswirkung durch die Flutschäden der vergangenen Wochen auf die Ernteergebnisse in Deutschland wurde nur am Rande gestreift. Bei allem Mitgefühl für die betroffenen Betriebe und deren dramatische Situation, habe die Flut kaum eine messbare Wirkung auf das Gesamtergebnis der Getreide- und Rapsernte in Deutschland, verlautete auf der Tagung.

Von Seiten der Mühlen wurde erklärt, dass sie inzwischen bereits die Hälfte des ersten Bedarfes an Weizen und Roggen gedeckt hätten. Auch die Mischfutterhersteller ließen kein besonders intensives Nachfrageverhalten in kurzer Zeit erkennen. Unter Berücksichtigung der Preissituation auf den Fleischmärkten und der zu erwartenden Entwicklung der Tierbestände in der Landwirtschaft richteten sich die meisten Hersteller auf geringere Umsätze ein.

In der öffentlichen Diskussion in Warberg fehlte auch nicht der Hinweis, dass die Landwirte trotz der für sie möglicherweise unbefriedigenden Preissituation die Ware auf den Markt fließen lassen sollten. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein zu langes Festhalten an der neuen Getreideernte in Erwartung höherer Preise, Auslandsware in eine bessere Position bringe. "Die 200-Euro-Grenze für die Tonne Weizen sehen wir wahrscheinlich so schnell nicht wieder", hieß es dazu.

Lage Proteinsektor

Auf voraussehbare Veränderungen der Biokraftstoff-Produktion und im Proteinbereich ging Ludwig Striewe, Alfred C. Toepfer International GmbH, Hamburg, ein. Nach seinen Erwartungen wird die Ölsaatenerzeugung der neuen Ernten steigen und eine auskömmliche Versorgung erlauben. Die Rapsverarbeitung in der EU werde gleichzeitig abnehmen und auf einen schrumpfenden Bio-Kraftstoffbereich treffen. Die Nachfrage nach Rapsöl für Biodiesel sei rückläufig.

"Wir schwimmen weltweit in Öl, das nicht gekauft wird", sagte Striewe wörtlich. Auch die Sojapreise der neuen Ernte seien rückläufig und zögen die Rapspreise mit nach unten. Dies tangiere den gesamten Proteinsektor weltweit, soweit er im Futter eingesetzt wird. Die Nachfrage nach Proteinen als Koppelprodukt der Biokraftstoffherstellung treffe dann auf knapp versorgte Märkte.

Diese Tendenz werde längere Zeit andauern, zumal die Biokraftstoffherstellung weiter zurückgehen werde, u. a. durch Verlagerung von Benzin auf Gas bei der Kraftstoffherstellung und durch niedrigen Verbrauch in wirtschaftlicheren Motoren. Da die Margen bei der Vermarktung von Öl nicht mehr erzielt würden, müsse der Proteinanteil zukünftig höher bezahlt werden.
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