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Sonderthemen

Es stellen sich immer neue Fragen

von , am
14.01.2014

Die Wasserrahmenrichtlinie dient der positiven Entwicklung von Gewässern und Grundwasser. Welche Rolle Wasserbewirtschaftungsfragen dabei spielen, erfahren Sie hier.

Arbeitsfeld Gewässerstruktur: In den Aubach (auch „Bahlburger Aue“), einem kiesgeprägten Tieflandbach im Einzugsgebiet der Luhe, wird durch gewässernahe Flächenbewirtschaftung und intensive Unterhaltung unnatürlich viel Sand eingetragen. © Bahns
Vor knapp sechs Jahren (2008) wurden erstmalig die wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen zusammengetragen. 2014 sind die dort formulierten Belastungen zu prüfen und neu mit der Öffentlichkeit abzustimmen (Kasten). Neben einer Vielzahl von Belastungen, die lokale und regionale Bedeutung für die niedersächsischen Gewässer haben, gibt es Gewässerbelastungen, die jeweils im gesamten Flusseinzugsgebiet eine wichtige Rolle spielen - die "Wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen". Mit der Wasserrahmenrichtlinie wurde die ganzheitliche Betrachtung der Gewässer in den Blickpunkt gerückt. Die Gewässer werden in den Flusseinzugsgebieten als Ganzes, von der Quelle bis zur Mündung betrachtet. Niedersachsen hat Anteile an den Flusseinzugsgebieten Elbe, Weser, Ems und Rhein.

Die Diskussion zu den wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen bildet zusammen mit der Ermittlung der Gewässerbelastungen und den Ergebnissen der Zustandsbewertung die Grundlage, um Maßnahmen für die Gewässer festzulegen. Die wichtigen Wasserbewirtschaftungsfragen betreffen die Küsten- und Übergangsgewässer, die stehenden Gewässer und die Fließgewässer sowie das Grundwasser. Zusammenfassend werden alle Informationen zu den Gewässern im Bewirtschaftungsplan veröffentlicht.
Auch heute noch - sechs Jahre nach der ersten Diskussion - sind die Belastungsschwerpunkte in Niedersachsen weitestgehend dieselben. Die großen Themen sind weiterhin die Belastungen mit Nährstoffen aus diffusen Quellen, Abflussregulierungen verbunden mit fehlenden Gewässerstrukturen und eine eingeschränkte Durchgängigkeit. Neu hinzugekommen ist die Belastung der Gewässer mit Schadstoffen, den sogenannten  "prioritären Stoffen". Mit der Richtlinie 2008/105/EG sind 2008 Umweltqualitätsnormen für die wichtigsten Schadstoffe festgelegt worden.

Alles dreht sich um diese Fragen

Ein neues Thema ist die Frage der Wassermengenbewirtschaftung. Veränderungen im Wasserhaushalt, verursacht unter anderem durch den Klimawandel und die Nutzung der Gewässer, können einer Zielerreichung nach den Vorgaben der Wasserrahmenrichtlinie entgegenstehen. Nachfolgend wichtige Wasserbewirtschaftungsfragen:
  • Verbesserung der Gewässerstruktur und Durchgängigkeit in Oberflächengewässern
Ströme, Flüsse und Bäche sind untereinander vernetzte Lebensräume. Querbauwerke, wie zum Beispiel Mühlen, Wehre oder Abstürze behindern und unterbinden den Transport von Geschiebe und die biologische Durchgängigkeit. Eine Beseitigung der Querbauwerke oder der Umbau zu flachen Sohlgleiten stellt die ökologische Durchgängigkeit und damit die Grundlage für natürliche Verhältnisse mit artenreichen und gewässertypischen Lebensgemeinschaften wieder her.

Eine vielfältige Gewässerstruktur mit Kies, Steinen oder Totholz sowie wechselnde Fließgeschwindigkeiten mit strömenden und ruhigen Bereichen, begleitet von Ufergehölzen, sind die Basis einer intakten aquatischen Lebensgemeinschaft. Strukturen lassen sich zum Beispiel durch den Einbau von Strömungslenkern/Kiesbänken und durch das Belassen von Totholz verbessern. Gewässerunterhaltung sollte ökologisch sensibel und nur nach Bedarf durchgeführt werden.
  • Reduktion der signifikanten stofflichen Belastungen aus Nähr- und Schadstoffen in Oberflächengewässern und im Grundwasser
Gelöste Nährstoffe, insbesondere Stickstoff & Phosphor, werden über weite Entfernungen über die Fließgewässer transportiert. Die Nährstoffeinträge im Binnenland tragen ganz wesentlich zur Belastung in den Küstengewässern bei. Maßnahmen zur Verringerung der diffusen Stoffeinträge in Oberflächengewässer müssen gezielt auch im Bereich der Landwirtschaft ansetzen und in Synergie zur Gewässerschutzberatung erfolgen.
Die Verschmutzung durch Schadstoffe stellt eine Gefahr für die aquatische Umwelt dar. Die Schadstoffe können zu akuter und chronischer Toxizität für Wasserlebewesen, zur Akkumulation von Schadstoffen in Ökosystemen sowie zu einer Gefährdung der menschlichen Gesundheit führen. Daher ist die Überprüfung des chemischen Zustands der Gewässer eine zentrale Säule der Wasserrahmenrichtlinie.

Berücksichtigung der Folgen des Klimawandels

Änderungen des Klimas beeinflussen den gesamten Wasserhaushalt, das heißt auch das Grundwasser und die Oberflächengewässer. In regional unterschiedlichem Maße betreffen die Auswirkungen den Hochwasserschutz durch Zunahme und Höhe extremer Hochwässer, die Wasserversorgung durch Änderung der Grundwasserneubildung und der Grundwasserbeschaffenheit sowie die Bewirtschaftung von Talsperren.
Niedrigwasserphasen in Flüssen und Bächen werden in Dauer und Häufigkeit zunehmen. Der Klimawandel hat damit auch Auswirkungen auf die aquatischen Lebensgemeinschaften, insbesondere solche, die an sommerkühle, nährstoffarme Gewässer gebunden sind.
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