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Raps

Strategie für Höchsterträge schmieden

von , am
07.03.2013

Rapool hat auch in diesem Jahr wieder mit zahlreichen Fachtagungen die Rapssaison eröffnet. Wir haben nachfolgend wichtige Aussagen für Sie zusammengefasst.

Die Rapsbestände haben den Winter meist gut überstanden und können mithilfe der Stickstoff-Startgabe jetzt durchstarten. © Raupert
Erfreulich ist, dass die Winterrapsanbaufläche nach dem kleinen Rückschritt im Herbst 2011 im aktuellen Anbaujahr wieder um 100.000 ha auf 1,429 Mio. ha angewachsen ist. Der Anteil von Hybridsorten ist nach Angaben des Geschäftsführers des Rapool-Ringes, Johannes Peter Angenendt, mittlerweile auf über 80 % gewachsen. Dies führte der Experte darauf zurück, dass Hybridsorten besser mit dem ungewöhnlich harten Witterungsverlauf mit eisigen Temperauren und den Trockenperioden im Vorjahr zurechtgekommen sind.
 
Entscheidend für den Höhenflug des Rapses sind aber die guten Notierungen. Mit Raps wird Geld verdient und das honorieren die Bauern. Die Frage ist jedoch, wie Experten die zukünftige Marktlage einschätzen. Der Ölsaatenexperte Thomas Mielke, Oil World, ist zuversichtlich, dass die guten Rapspreise, wenn auch mit einigen Schwankungen für die nächsten 12 bis 15 Monate attraktiv bleiben werden. Dies habe seinen Grund in der Verdopplung der Nachfrage nach Ölen und Fetten. Eine wesentliche Rolle bei der Preisfindung spielen die Sojabohnen. Mielke hielt fest, dass die EU ein Nettoexporteur von Sojaöl sei. Dadurch sei das Angebot in der EU insgesamt niedriger, wovon das Rapsöl profitiere.
 
Bestandesführung 2013
 
Die Saison 2012/2013 ist durch optimale Aussaatbedingungen gut gestartet, sodass die Bestände kräftig in den Winter gegangen sind, berichtete auf der Tagung in Duderstadt der Rapoolberater Ludger Alpmann. Positiv sei, dass die Wetterverhältnisse zu einer guten und tiefen Wurzelentwicklung geführt haben und es keinen nennenswerten Phomadruck im Herbst gegeben hat. Dies lasse gute Erträge zur Ernte 2013 erwarten.
 
Einen großen Teil seines Vortrages widmete der Pflanzenbauexperte der Wurzel. „Gegen Trockenheit und abio- tischen Stress hilft nur eine starke Wurzel“, stellte Alpmann fest. In diesem Zusammenhang machte er darauf aufmerksam, dass Raps lange Haarwurzeln bilden müsse, weil diese die Nährstoffe aufnehmen. Ein hoher Feinerdanteil gewährleiste eine optimale Feinwurzelbildung. Entscheidend sei, dass die Wurzel auch bei Trockenheit dem Wasser folgen könne. Verdichtungen seien deshalb unbedingt zu vermeiden. Rapswurzeln und Regenwürmer würden z. B. vertikale Gänge anlegen, die auch die Wurzeln der Folgefrüchte optimal nutzen könnten. Die ideale Rapswurzel hat laut Alpmann eine tiefe Durchwurzelung, einen hohen Feinwurzelanteil und steuert über ihre Hormone das oberirdische Wachstum. Dies bilde das Fundament für stabile Erträge.
 
Je nach Herbstwitterung (Temperatur und Feuchte) verläuft die Herbstentwicklung schneller oder langsamer. Die Gründe liegen in den Wachstumsansprüchen des Rapses. Mit steigender Temperatur (und je nach Genotyp) verläuft der Keimprozess schneller. Bei 10 °C verläuft die Keimung sehr langsam, ab etwa 19 °C nähert sie sich dem Optimum. Unter diesen Bedingungen ist auch das weitere Spross- und Wurzelwachstum optimal, wenn genügend Licht zur Verfügung steht.
 
Sortenunterschiede
 
Zwischen den Sorten wurden unter gleichen Wachstumsbedingungen unterschiedliche Wurzelwachstumsverläufe in den Kategorien Gesamtwurzellänge, Länge der Feinwurzelfraktion und Wurzelfrischmasse nachgewiesen, berichtete der Experte. Beispielsweise habe Avatar mit 54 % den höchsten Feinwurzelanteil an der Gesamtwurzellänge. Zu beachten sei, dass die Rapswurzel nur unter Langtagbedingungen in die Tiefe wächst. Dies zeige, wie wichtig eine frühe Aussaat von Mitte bis Ende August sei. Spätsaaten könnten schnell unter Druck geraten. „Spätsaaten bilden nie optimale Wurzeln aus. Dies entscheidet aber später darüber, ob und wie lange die Pflanze eine Trockenphase übersteht“, meinte der Experte. Eine späte Keimumg habe immer eine geringe Wurzelbildung zur Folge. Laut Alpmann wird unter Kurztagbedingungen ab Oktober ohnehin weniger Bio-masse gebildet. Außerdem würden dann vermehrt Seitenwurzeln gebildet.
 
Lange Hauptwurzel
 
Unter Kurztagbedingungen laute das Verhältnis von Blatt- zu Wurzelwachstum 1:2,5 unter Langtagbedingungen komme man auf 1:5,2. In tiefgründigen Böden könnten die Wurzen Tiefen von bis 1,20 m erschließen. Idealerweise sollte die Wurzel möglichst gerade nach unten wachsen. Je länger die Hauptwurzel sei, desto höhere Erträge seien möglich. In diesem Punkt lieferten die tiefer wurzelnden Hybriden eine höhere Ertragssicherheit. Auf den Weg zu Höchsterträgen hilft eine gute Bestandesführung. Starthilfe für die Rapsbestände ist die Stickstoffdüngung im Frühjahr. Eine an den Bestand angepasste erste Düngergabe zur Regeneration und eine zweite Ertragsgabe helfen auf den Weg zu Höchst- erträgen. Zur Bemessung und Splittung der N-Gaben hat sich die Erfassung der Biomasse im Herbst bewährt.
 
Um eine gesunde Entwicklung der Bestände zu gewährleisten, sollte ebenfalls auf die Mikronährstoffversorgung, insbesondere auf Bor geachtet werden. Bormangel zeigt bereits im Herbst negative Auswirkungen auf die allgemeine Wurzelgesundheit und äußert sich durch die Herz- und Trockenfäule.
 
Welche Anbausysteme sich heute ökonomisch rechnen, zeigte in Duderstadt Joachim Riedel, BB Göttingen, auf. Seinen Berechnungen nach kommt der Winterraps bei hohen Erträgen (48 dt/ha) aufgrund der attraktiven Preise der Zuckerrübe mit Deckungsbeiträgen von 1.272 €/ha zu 1.301 €/ha (bei 750 dt/ha) sehr nahe. Gegenüber anderen Getreidearten sei Raps ohnehin sehr wettbewerbsfähig. So komme Futterweizen mit Erträgen um 100 dt/ha nur auf 1.010 €/ha und Backweizen mit 95 dt/ha auf 999 €/ha. Obwohl der Rapsanbau hochrentabel sei, fragte sich Riedel, ob die Anbauer z. B. bezüglich der Fruchtfolge alles richtig machen würden. Seiner Meinung nach wird eine Fruchtfolge erst dann nachhaltig erfolgreich, wenn sie für den jeweiligen Standort mit seinen Herausforderungen gut angepasst ist. Diese seien vielfältig und steigen.
 
So lassen z.B. die Wirkungsgrade bei den chemischen Pflanzenschutzmitteln nach und die Bodenbearbeitungsintensität werde immer weiter verringert. Gleichzeitig sei der Weizenanteil in der Fruchtfolge ausgedehnt worden. Laut Riedel sollte überprüft werden, ob weizenlastige Fruchtfolgen nicht das wirtschaftliche Potenzial des Winterrapsanbaus beschränken. Ins Visier nahm er besonders den Stoppelweizen, der einen Ertragsabstand zu Blattfruchtweizen von etwa 15 bis 18 dt/ha aufweise.
 
Seiner Einschätzung nach hat die Wintergerste wegen ihres hohen Vorfruchtwertes vor Raps große Vorteile. Gerade auf Trockenstandorten liefere sie bei geringeren Produktionskosten gesichert höhere Erträge als z. B. Stoppelweizen. Außerdem ermögliche sie aufgrund der frühen Ernte eine Rapsaussaat zur besten Zeit im August. Die Kultur könne ausgleichend in den einseitigen Fruchtfolgen wirken und  den zunehmenden Krankheitsdruck in Raps abmildern.
 
Laut Riedel hat die Wintergerste aber hohe Anforderungen an den Standort, insbesondere an die Bodenstruktur und die Nährstoffverfügbarkeit (pH-Wert und P-Gehalt). Gerade in langjährig nicht gepflügten Böden sei es in den tieferen Bodenschichten zu einer Verarmung gekommen. Bei Trockenheit seien somit häufig die Nährstoffe in der Oberkrume nicht verfügbar, in der Unterkrume, wo noch Feuchtigkeit vorliege, seien dagegen nur noch wenige Nährstoffe vorhanden. Darunter könnte natürlich der Ertrag leiden. Auf Standorten, wo der Wintergerstenanbau durch Problemungräser bedroht sei, böte sich auch der Anbau von Mais an. Für Mais in der Fruchtfolge sprechen nicht nur die viel höheren Ertragssteigerungen als beim Getreide, er nutzt wie die Zuckerrübe auch, die Sommerniederschläge viel besser als Getreide.
 
Das Problem mit den resistenten Ungräsern könne man im Maisanbau zudem relativ einfach durch den Einsatz von Glyphosat vor der Aussaat im Frühjahr lösen. Riedel hielt fest, dass die Frage der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Fruchtfolgeglie- der nicht isoliert betrachtet werden dürfe. Einzubeziehen seien immer auch die Vorfruchtwerte (Wintergerste), das Risikomanagement (Aussaatzeitpunkt, Qualität, Witterung) und die Tatsache, dass konservierende Anbausysteme spezielle Anforderungen an die Fruchtfolge stellen. Neben der Wirtschaftlichkeit sollte auch die Fruchtfolge analysiert werden. Hier habe die Wintergerste oft deutliche Vorteile. Der Energiemaisanbau könne bei Nutzung des Rohstoffs für Biogasanlagen ebenfalls rentabel sein. Auch der Körnermaisanbau werde zunehmend interessanter.
 
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