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Strikte Normen für ein Naturprodukt?

von , am
26.06.2013

Wie können die Ernährung gesichert, dem Klimawandel begegnet und gleichzeitig Naturräume erhalten werden? Antworten auf diese Frage gab es auf der ersten DBV-Ackerbautagung in Berlin.

Die Abnehmer von Backmehlen stellen stetig höhere Ansprüche an den Rohstoff. Sie formulieren Standards, wie sie sonst für industriell gefertigte Produkte gelten. © Mühlhausen/landpixel

Jüngste Naturereignisse erinnern daran: Ackerbauern liefern Produkte, die nicht vom überdachten Fließband kommen, sondern unter freiem Himmel entstehen. "Die Verarbeitungsindustrie sollte sich darauf besinnen, dass Brot und Backwaren Naturprodukte sind. Mit witterungsbedingten Schwankungen müssen alle wieder leben lernen", brachte es Wolfgang Vogel, Vorsitzender des DBV-Fachausschusses Getreide, auf den Punkt.

Die Qualitätsparameter des Brotgetreides nahmen einen großen Teil der Diskussion auf der ersten Ackerbautagung des Deutschen Bauernverbandes  (DBV) ein. Getreiderzeuger und Vertreter der Mühlen äußerten ungewöhnlich einhellig den Wunsch, überzogenen technischen Anforderungen von Verarbeitern und Lebensmittelhandel künftig gemeinsam entgegenzutreten. So berichtete Volker Schneeweiß, Kampffmeyer Mühlen, von rasant gewachsenen Kundenanforderungen an Getreidemahlprodukte: Bis zu 18 Parameter würden definiert, die nicht mit Lebensmittelsicherheit zu begründen sind.

Schlagwort N-Effizienz

Eine vorrangige Beurteilung der Qualität der Weizen-ernte am erreichten Proteingehalt ist nicht mehr zeitgemäß, sagte Dr. Ulfried Obenauf von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein. Er stellte Untersuchungen vor, nach denen die zusätzliche N-Spätdüngung auf 75 % der Weizenfläche des Landes auf hohem Ertragsniveau weder Ertragszuwachs noch höheren Proteingehalt sichert. In diesem Zusammenhang verwies er auf politische Aktivitäten, Stickstoffüberschüsse zu vermindern. Der Anbau von N-effizienten Sorten und hohe Erträge, die auch hohen Stickstoffentzug bedeuten, nannte er als zwei mögliche Reaktionen. Darauf, durch gutes Nährstoffmanagement die Waage zwischen Überschuss und Entzug zu halten, wies Michael Horsch hin, Mitinhaber der Horsch Maschinenfabrik. "Die meisten Ackerflächen weltweit werden noch immer abtragend bewirtschaftet", legte er dar. Vor allem in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion würden bis heute die Nährstoffvorräte in den Böden aufgezehrt. Dies erkläre zum großen Teil die stagnierenden Getreideerträge.

Potenzial ausschöpfen

Dass die Erträge vom Acker gesteigert müssen und können, machte DBV-Vizepräsident Werner Schwarz vor den rund 100 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet deutlich. Dazu müssten die Landwirte die Möglichkeiten einer effizienten Düngung und des modernen Pflanzenschutzes ausschöpfen können. "Dieses Erfordernis muss mit weniger Emotionen diskutiert werden", forderte Schwarz.
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